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BKA-Herbsttagung : Deutschland exportiert Rockerkriminalität

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Die Arme krimineller Rockerbanden aus Deutschland reichen bis nach Afrika, Asien und Südamerika. Die organisierte Kriminalität macht der Polizei Sorgen.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2014 | 16:19 Uhr

Kriminelle Rockerbanden aus Deutschland breiten sich nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) weltweit aus. „Rockerkriminalität wird von Deutschland aus exportiert“, sagte die Leiterin der Abteilung Organisierte Kriminalität im BKA, Sabine Vogt, am Donnerstag bei einer Expertentagung in Mainz. Die Ausweitung betreffe Afrika, Asien und Südamerika. Seit 1983 seien in Deutschland 31 Rocker-Vereine verboten worden. Die vier größten Gruppen hätten derzeit rund 10.000 Mitglieder. Das BKA prüfe auch die Verbindung von Rockergruppen und Extremismus. „Wir haben das auf dem Radar“, sagte Vogt.

Das Land Schleswig-Holstein bekämpft seit 2009 die organisierte Kriminalität von Rockern wie den „Hells Angels“ oder den „Bandidos“. Damals wurde die Soko Rocker im Landeskriminamt ins Leben gerufen. Der erste Erfolg im November 2009: Die Sonderkommission findet in einer Flensburger Autowerkstatt Maschinenpostolen, Schrotflinten, Pumpguns und Sprengstoff der „Hells Angels“. Seit April 2010 sind die „Hells Angels“ in Flensburg und die „Bandidos“ in Neumünster verboten.

Bei der BKA-Herbsttagung von Polizisten und Sicherheitsexperten in Mainz sind Rocker allerdings nur ein Aspekt der organisierten Kriminalität. Die wachsende Internetkriminalität stellt die Polizei vor immer größere Probleme. „Die Lampe, mit der wir Licht ins Dunkel zu bringen versuchen, wird schwächer“, sagte die BKA-Abteilungsleiterin Vogt. „Sie ist an einigen Stellen schon erloschen.“

Cybercrime sei Realität, sagte Vogt. Das Center for Strategic and International Studies gehe für 2013 von 575 Milliarden Dollar (rund 460 Mrd. Euro) Schaden weltweit aus. Das entspreche etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Schweden 2013. Die Expertin forderte ausreichend rechtliche Möglichkeiten für Online-Durchsuchungen. Die Bandbreite der Kriminalität im Netz ist laut Europol riesig: Kreditkartenbetrug, Drogen- und Waffenhandel, sexuelle Ausbeutung von Kindern, Extremismus, Terrorismus, Spionage.

„Online kann wirklich jeder Cyber-Krimineller werden“, beklagte Troels Oerting - er ist bei der Polizeibehörde Europol der Chef des Europäischen Zentrums zur Bekämpfung der Cyberkriminalität. Die Täter seien schwierig zu verfolgen. Nur vier Prozent der Webseiten seien erfasst. Heutzutage könnten zahlreiche Computer weltweit auf einen Schlag manipuliert werden, etwa beim Kreditkartenbetrug. „Es gibt keine Online-Streife.“ Mit mehr Vorsorge, Schutz und der Hilfe aller Staaten könne man Cybercrime aber handhaben.

Auch Wirtschaftskriminalität nimmt zu und hat riesige Folgen: Die Schadenssumme inklusive Steuer- und Zolldelikten sowie Geldwäsche habe 2013 in Deutschland bei über 640 Millionen Euro gelegen, sagte die BKA-Expertin. Die Schnelligkeit, die Finanzinstrumente und die weltweit „kaskadenartig sich vermehrenden Transaktionen“ machten die Strafverfolgung schwierig. Außerdem lasse die internationale Rechtshilfe zu wünschen übrig: „Wir kommen nicht hinterher.“ Derzeit werde ein Petabyte Daten geprüft, das entspreche 400 Millionen Aktenordnern mit je 500 Blatt.

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