Er will sie „retten“ : Deutscher Aussteiger besetzt Finca von Boris Becker

Die Finca auf Mallorca hat Boris Becker bisher nur Pech gebracht.

Die Finca auf Mallorca hat Boris Becker bisher nur Pech gebracht.

Um Boris Beckers Finca auf Mallorca gab es schon viel Aufregung. Nun hat ein deutscher Aussteiger sie besetzt.

shz.de von
27. Mai 2018, 15:20 Uhr

Seit Jahren steht die großzügige Finca der deutschen Tennis-Legende Boris Becker auf der Ferieninsel Mallorca leer. Algen, Lurche und Frösche schwimmen im Pool. Der Garten des Landgutes ist verwildert. Die großzügige Villa und die Nebengebäude sind verfallen. Nun besetzte ein deutscher Hippie mit einigen Helfern die Finca und verspricht, dieses Natur- und Wohnparadies wieder herzurichten, um es vor dem Verfall zu bewahren.

Georg Berres, der Aussteiger aus dem deutschen Düren, will nichts mit jenen Hausbesetzern auf Mallorca zu tun haben, die dort in den letzten Monaten Negativschlagzeilen machten. Weil sie in Ferienhäuser und Wohnungen eindringen, dort wie die Vandalen hausen, die Einrichtung verscherbeln und die besetzten Häuser freiwillig nicht mehr räumen. Berres, der schon einige Jahre auf Mallorca lebt und in seinem Wohnmobil oder in leerstehenden Häusern unterkommt, sieht sich vielmehr als Retter verwahrloster Objekte.

Im Zuge dieser Mission, die er selbst auf den nicht ganz ernst gemeinten Namen „Intergalaktisches Hilfs- und Rettungskommando“ taufte, stieß Berres nun auf die Boris-Becker-Finca im eher ruhigen Norden Mallorcas. Das Anwesen war von dem deutschen Tennis-Idol vor 20 Jahren in der Nähe des Ortes Artà gekauft worden. Doch die Finca, zu der ein Gelände von 125.000 Quadratmetern mit Pool und Tennispiste gehört, brachte Becker nur Probleme und ist seit Jahren verlassen.

Eigentumsverhältnisse sind unklar

Beckers große Lebenspläne auf Mallorca scheiterten: Erst musste er die Hälfte der neu gebauten Finca-Gebäude wieder abreißen, weil er die erlaubte maximale Bebauungsfläche überschritten hatte. Dann schlitterte Becker in finanzielle Probleme, die Zwangsversteigerung des Besitzes drohte. Derzeit weiß niemand, ob das Landgut, das vorübergehend für einen hohen Millionenbetrag zum Verkauf stand, noch Becker gehört. Oder einer Bank. Oder ob sich mittlerweile ein Käufer fand. „Die Eigentumsverhältnisse sind unklar“, schrieb die „Mallorca Zeitung“.

„Wie kann es nur dazu kommen, dass Leute so viel Geld haben, um sich so etwas zu bauen – und dann verfällt das. Ich verstehe das nicht“, sagt Aussteiger Berres alias „Bauchi“. In seinem Videokanal „Ich bin Bauchi“ auf YouTube berichtet er seit Tagen über die Besetzung der Becker-Finca. Und über seine Vision, „diesem Platz wieder Leben einzuhauchen“.

Mehrere Freiwillige gehen dem Hippie mit langen Haaren und Bart bereits zur Hand, darunter eine deutsche Gärtnerin, wie die „Mallorca Zeitung“ berichtet. „Ich finde es einfach toll, was Bauchi macht“, zitiert die Zeitung diese Frau, die mit der Sense im Garten für Ordnung sorgte. „Es ist doch so schade, wenn dieses tolle Anwesen hier einfach verfällt.“

Und wenn die Polizei kommt?

Ein Gemüsegarten soll einmal entstehen, wo derzeit noch Disteln wachsen. Auch die Gebäude, von deren Wänden der Putz bröckelt, sollen renoviert werden. Berres träumt davon, die paradiesische Becker-Finca in eine Art Begegnungszentrum für Aussteiger zu verwandeln. „Hier wollen wir Leute haben, die das erleben wollen.“

Aber zunächst hofft er auf einen Besitzer, der ihn eine gewisse Zeit gewähren lässt. Er versichert gegenüber der Inselpresse: „Uns geht es um nichts anderes, als in dem Moment mietfrei zu wohnen und dafür dem Haus etwas zurückzugeben.“ Einer polizeilichen Räumung wolle er sich aber nicht widersetzen. „Wenn die Guardia Civil vor der Tür steht und uns zwingt, zu gehen, dann gehen wir. Wenn auch unter friedlichem Protest.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen