zur Navigation springen

Sido vor Gericht : Deutsche Rapper und der Konflikt mit dem Gesetz

vom
Aus der Onlineredaktion

Sido wurde am Freitag wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Er ist nicht der einzige Rapper, der in der Vergangenheit vor Gericht kam.

shz.de von
erstellt am 27.Nov.2014 | 18:29 Uhr

Sido galt jahrelang als Gangsta-Rapper, verbarg sein Gesicht lange unter einer Totenkopfmaske und war bekannt durch die derbe Wortwahl in seinen Liedern. Das hat sich mittlerweile komplett geändert, Sido gilt heute als Mainstream-Unterhalter. Beim Eurovision Song Contest war Paul Würdig – so heißt er mit bürgerlichem Namen – deutsches Jury-Mitglied. Er warnt Jugendliche vor Gewalt und Drogen. Und inzwischen ist er Familienvater.

 

Doch jetzt lässt sein Gangsta-Image wieder grüßen: Am Freitag kam Sido in Berlin vor Gericht - und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Bei einem Streit in einem Berliner Club vor zweieinhalb Jahren hatte der 33-Jährige einem anderen Gast eine Glasflasche auf den Kopf geschlagen. Der Mann erlitt eine Platzwunde und eine Schädelprellung. Das Berliner Amtsgericht verhängte wegen gefährlicher Körperverletzung neun Monate Gefängnis auf Bewährung. Sido muss zudem 15.000 Euro an die Justizkasse bezahlen. Das Urteil fiel in Form eines Strafbefehls aus, weil Sido nicht vor Gericht erschien. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ein Einspruch ist möglich.

Sido ist nicht der einzige deutsche Rapper, der mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Klingt ja irgendwie auch konsequent: wie soll man auch sonst zum Gangsta-Rapper werden?

Der Rapper Kollegah am 3.11.2014 im Gerichtssaal im Amtsgericht in Laufen (Bayern). Der 30-Jährige wurde freigesprochen.
„Es war reine Notwehr“, verteidigte sich Kollegah vor Gericht. Foto: dpa
 

Erst vor ein paar Wochen stand Kollegah vor Gericht. Der Prozess um Körperverletzung endete zunächst mit einem Freispruch für den Rapper. Für das Amtsgericht Laufen in Bayern war nicht erwiesen, dass der 30-Jährige zwei Männer in einer Disco zusammenschlug. „Es war reine Notwehr“, verteidigte sich Kollegah vor Gericht. „Ich wurde angegriffen und musste mich verteidigen.“ Die Anklage akzeptierte den Freispruch nicht und legte Berufung ein. 2015 kommt es also zu einer Neuauflage des Prozesses.

Dass der Prozess medial stark verfolgt wurde, liegt natürlich an Kollegahs Popularität. Sein aktuelles Album „King“ stürmte im Sommer die Charts. Auch das Album „Jung, brutal, gutaussehend 2“ brach Deutschrap-Rekorde. Inhalt unter anderem: Sex mit anderer Leute Mütter. „Ich mache nicht klassischen Gangsta-Rap, der todernst ist und kriminelle und unmoralische Dinge glorifiziert“, sagt der Kanada-Deutsche. Früher fiel er unter die Rubrik „Zuhälter-Rap“. Von diesem Begriff distanziere er sich aber „inzwischen absolut“. Er mache „Battle-Rap“ und sieht sich dabei als der „weitweit Beste“.

Die Überheblichkeit kommt nicht überall an. Immer wieder komme es laut Kollegah – übrigens Jura-Student in Mainz – zu Drohungen aus der Berliner Untergrundszene. Auch Attacken habe es schon gegeben. „Das hat mit Neid zu tun, weil wir die Vormachtstellung von Berlin abgelöst haben.“ Rap-Kontrahent Fler kündigte vor ein paar Monaten an, Kollegah wegen verbaler Gefechte und eines Klingelstreichs „zur Rechenschaft“ ziehen zu wollen.

Fler will, dass ein Artikel über ihn und die Rap-Szene aus dem Internet verschwindet.
Fler will, dass ein Artikel über ihn und die Rap-Szene aus dem Internet verschwindet. Foto: Imago/Michael Schöne
 

Apropos Fler: Der Berliner veröffentlichte Mitte November sein polizeiliches Führungszeugnis auf Facebook. Es gibt Auskunft über die Finanzen des Rappers.

Beitrag von Fler.

Es entwickelte sich deshalb mehr als nur ein Streit. Und zwar mit einem Reporter der „Welt“. Dieser hatte das Zeugnis als Anlass für eine Satire genommen. Darin nimmt er die Rap-Szene aufs Korn. Bei Twitter sorgte der Artikel für Hass auf Seiten der Fler-Anhänger. Auch der Rapper hielt sich keineswegs zurück mit Drohungen. Er veröffentlichte ein Foto vom Haus des Reporters und wollte den Artikel verschwinden sehen:

Spricht man über Gangsta-Rap, darf natürlich auch nicht der Name Bushido fehlen. Auch er hatte schon öfter Ärger mit dem Gesetz und sah sich auch schon im Gerichtssaal wieder. Wegen gewaltverherrlichender sowie Musikvideos mit frauen- und schwulenfeindlichem Inhalt stand Bushido wiederholt in der Kritik. Ähnlich wie Sido hatte er sich mehr oder weniger in der Mainstream-Unterhaltung etabliert. Es schien, als ob sein Gangsta-Image Vergangenheit war.

 

Doch dann kam ein wenig schmeichelhafter Artikel im „Stern“-Magazin im Jahr 2013. Dieser löste Debatten über kriminelle Clans aus. Außerdem hatte Bushido Ärger mit der Steuer und sein Lied „Stress ohne Grund“ landete als jugendgefährdend auf dem Index der Bundesprüfstelle. All das entließ ihn wieder aus der Salonfähigkeit – vielleicht kam ihm das ja aber auch entgegen. Aber eines wollte der dreifache Vater noch klarstellen: „Ich bin nicht in der Mafia.“ 

(mit dpa)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen