Museum in Beidenfleth : Der Herr der alten Kameras

Seit 38 Jahren sammelt Andreas Lorenz Kameras.
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Seit 38 Jahren sammelt Andreas Lorenz Kameras.

Andreas Lorenz sammelt analoge Fotoapparate – in seinem kleinen Museum an der Stör sind fast 2100 zu besichtigen

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26. September 2017, 18:57 Uhr

Beidenfleth | Selber Knipsen ist nicht sein Ding. Andreas Lorenz ist jedoch von der Technik fasziniert, die dahinter steckt. Rund 2100 funktionsfähige Kameras nennt der 50-Jährige sein Eigen.

Damit besitzt er eine der größten Sammlungen analoger Foto-Apparate in Deutschland. In seinem privaten „Kameramuseum Beidenfleth“ im Kreis Steinburg zeigt der Zollbeamte die Kamera-Entwicklung der ersten 140 Jahre. „Die ersten Fotoapparate wurden noch von Tischlern gebaut“, erzählt Lorenz. Seine Plattenkamera wurde von der Kameratischlerei Liesegang in Düsseldorf gebaut. „Sie ist von 1859 und hat als eine der Ersten das Werk verlassen.“ Der massive, lichtdichte Holzkasten besitzt an der Front ein Messing-Objektiv der Firma Voigtländer mit einsteckbaren Lochblenden. „Die Optik wurde damals zugekauft und angepasst“.

Solch ein Monstrum war nicht geeignet für schnelle Schnappschüsse. Für ein Porträtfoto wurden die Menschen mit Nackenstützen und Anschnallgurten fixiert, denn sie durften sich nicht bewegen, während der „Lichtbild-Künstler“ unter einem schwarzen Tuch auf einer matten Glasscheibe seitenverkehrt und auf dem Kopf den richtigen Bildausschnitt suchte und scharf stellte.

Anschließend tauschte er die Mattscheibe gegen eine lichtempfindlich beschichtete Glasplatte aus, füllte die Pfanne des Blitzlichts mit Blitzlichtpulver, und entzündete es mit Hilfe eines Feuersteins. Während das Blitzlichtpulver abbrannte, betätigte er den Auslöser. „Und die ganze Zeit saßen die Menschen da und mussten in die Kamera lächeln“, erzählt der Kamera-Sammler. „Eine halbe Stunde Aufwand für ein einziges Foto – das manchmal auch danebenging. Ein Riesen-Aufwand.“

Später gab es auch eine „schnelle“ Platten-Kamera für Detektive und „Paparazzi“, weiß Lorenz. Die 100 Jahre alte „Murer’s Express“ hatte die Größe eines kleinen Aktenkoffers. „Die konnte man unter den Arm klemmen, das Motiv anvisieren und mit der freien Hand den Auslöser betätigen. Nach der Belichtung drückte man einen kleinen Messinghebel, um die belichtete Platte durch eine frische zu ersetzen.“

Daneben hat Lorenz in Regalen und Vitrinen auch andere Kameras: Zum Beispiel die „Indra Lux“ mit ihrem stromlinienförmigen Bakelit-Gehäuse wurde 1949 für 12,90 Mark inklusive einjähriger Versicherung gegen Diebstahl und Beschädigung angeboten. „Heute ist sie eine echte Rarität, da die Frankfurter Firma nur wenige Monate existierte.“

Er besitzt Foto-Gewehre, die vor der Erfindung des Bildstabilisators verwacklungsfreie Aufnahmen mit Teleobjektiven ermöglichten. Und er zeigt Miniatur-Kameras, die ursprünglich als Kinderspielzeug gebaut wurden und heute begehrte Sammlerstücke sind.

Diese Kamera mit Tele-Objektiv ist auf einem Gewehrkolben montiert.
Foto: dpa
Diese Kamera mit Tele-Objektiv ist auf einem Gewehrkolben montiert.
 

Der Beginn seiner Sammelleidenschaft liegt 38 Jahre zurück. Damals hatte er einen Katalog mit 500 historischen Fotoapparaten. „Mein Ziel war, alle zu haben.“ Den Traum hat er mittlerweile begraben, denn sein aktueller Katalog listet rund 27.500 Kameras. Jetzt will Andreas Lorenz seine Sammlung „nur noch“ auf 4675 Exponate vergrößern. „Dann habe ich die größte private Fotosammlung der Welt.“

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