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Nach Blutbad in Charleston : Debatte um Rassismus und Waffenrecht flammt auf

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Das Blutbad in einer afroamerikanischen Südstaaten-Kirche trifft die USA wie ein Schock. War der Täter ein rassistischer „einsamer Wolf“? Und sind die Waffengesetze in den USA zu lasch?

shz.de von
erstellt am 19.Jun.2015 | 12:26 Uhr

Charleston | Nach dem Massaker an neun Afroamerikanern in einer Kirche in Charleston (US-Staat South Carolina) verdichten sich die Hinweise auf einen rassistischen Hintergrund. US-Medien beschrieben den Täter als Einzelgänger, der die Schulausbildung abgebrochen habe und wegen rassistischer Äußerungen aufgefallen sei. In letzter Zeit sei er mehrmals mit der Polizei in Konflikt geraten. Die Polizei sprach von einem „Verbrechen des Hasses“.

Der Mörder hatte in der Nacht zu Donnerstag in der Emanuel-Methodistenkirche in Charleston während einer Bibelstunde den Pastor und acht weitere Menschen erschossen. Der Täter habe zunächst etwa 50 Minuten lang selbst an der Veranstaltung teilgenommen. Dann sei er aufgestanden, habe rassistische Sprüche von sich gegeben und auf die Teilnehmer geschossen, sagte eine Überlebende nach einem Bericht der Zeitung „Charleston Post and Courier“.

Präsident Barack Obama sagte am Donnerstag, irgendwann müssten sich die USA mit den Ursachen solcher Gewalttaten auseinandersetzen. Er verwies auf die unbewältigten Probleme zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und die laxen US-Waffengesetze. Wieder einmal habe ein Täter es zu leicht gehabt, an eine Schusswaffe zu kommen. „So etwas geschieht nicht an anderen Orten mit einer solchen Häufigkeit“, sagte Obama zur Rechtslage. Auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton forderte eine Reform des Waffenrechts.

Ein Fahndungsfoto zeigt den Verdächtigen in einer Jacke mit aufgebrachten Flaggen der ehemaligen Apartheidstaaten Südafrika und Rhodesien. Diese Flaggen sind laut „New York Times“ bei weißen Rassisten in den USA beliebt. Noch am Donnerstag nahm die Polizei den Verdächtigen bei einer Verkehrskontrolle fest. Er wurde einem Richter vorgeführt und für die Untersuchungshaft und das Gerichtsverfahren nach South Carolina zurückgebracht.

Das Bundesjustizministerium zog das Ermittlungsverfahren an sich. Es handelt sich um eines der schwersten möglicherweise rassistisch motivierten Verbrechen seit Jahren in den USA. In den Medien war auch von Inlandsterror („domestic terrorism“) die Rede. Dabei wurde als Vergleich der Anschlag auf ein Bundesgebäude in Oklahoma City vor 20 Jahren genannt, bei dem 168 Menschen starben.

Das Waffenrecht in den USA:

Jeder Bundesstaat in den USA hat unterschiedliche Waffengesetze. Die meisten Staaten fordern einen „background check“ vor dem Kauf einer Waffe. Diese Überprüfung soll verhindern, dass Kriminelle sich Waffen anschaffen, indem zum Beispiel das Strafregister überprüft wird. Doch da dies nur erforderlich ist, wenn die Schusswaffen über einen Händler vertrieben werden, ist es leicht, die Hintergrundüberprüfung zu umgehen. Jeder, der eine Waffe besitzt, darf diese legal und ohne jegliche Sicherheitsmaßnahmen weiterverkaufen. So können Verbrecher und andere, die keine Waffen besitzen dürfen, zum Beispiel Minderjährige, ohne große Probleme eine Waffe erwerben.

 

Die Tabelle zeigt die zivilen Waffenbesitze und die jährlichen Morde durch Schusswaffen (Zahlen von 2004):

Land Zivile Waffen in Mio. Jährliche Tötungsdelikte mit Schusswaffen
USA 243 bis 281 10.310
Deutschland 5,5 155
Kanada 7,9 170
Brasilien 20 bis 30 25.603
Kolumbien 4,2 bis 10,2 21.898
Chile 1,4 bis 2,0 82
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