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Busunglück in Münchberg : Debatte über Sicherheitslücken in Bussen und höhere Bußgelder für Gaffer

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Nachdem ein Bus in Bayern vollkommen ausgebrannt ist, fordern Experten einen besseren Brandschutz in den Fahrzeugen.

Münchberg | Nach dem verheerenden Unfall auf der Autobahn 9 in Nordbayern ist eine Diskussion über die Sicherheitssysteme in Reisebussen entbrannt. Auch härtere Strafen für Gaffer stehen zur Debatte. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fordert höhere Bußgelder.

18 Menschen kamen am Montagmorgen beim Brand eines Reisebusses nahe Münchberg ums Leben. 30 weitere Reisende wurden verletzt - einige von ihnen schwer. Die Opfer waren auf dem Weg aus Sachsen in Richtung Gardasee. Der Bus war aus noch ungeklärter Ursache auf einen Lastwagen aufgefahren und in Brand geraten.

Jetzt werden Sicherheitslücken in der Technik ausfindig gemacht. Erst seit November 2015 müssen Busse mit einem Notbremssystem ausgestattet sein. Dieses lasse sich aber leicht abschalten, kritisierte der Kraftfahrtexperte des Tüv Rheinland, Hans-Ulrich Sander, am Montagabend im ZDF. „Die Abschaltbarkeit eines solchen Notbremssystems halte ich für verkehrt. Die sollten nicht deaktivierbar sein“, sagte er und forderte, diese Gesetzeslücke müsse schnell geschlossen werden.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, sagte im ARD-Brennpunkt am Montagabend: „Das große Problem liegt in den Innenraum-Materialien der Busse: Sie sind deutlich leichter entflammbar als die, die die Deutsche Bahn verbauen muss.“

Auch Professor Hermann Winner, Experte für Autonomes Fahren an der TU Darmstadt, erklärte auf dpa-Anfrage: Damit solche Unfälle nicht mehr passieren, seien nicht abschaltbare Notbremssysteme wichtig, die auf Stau-Enden reagierten. Bis Reisebusse ganz autonom fahren, werde es noch dauern. Die heutige Technik könne viele besondere Situationen noch nicht beherrschen.

Der Bus ist vollständig ausgebrannt. Übrig blieb nur noch ein verkohltes Gerippe.
Der Bus ist vollständig ausgebrannt. Übrig blieb nur noch ein verkohltes Gerippe. Foto: Nicolas Armer
 

Bei Notbrems-Assistenten erkennen Kameras und Radarsensoren Hindernisse auf der Fahrbahn, machen mit Warnlicht und Warnton auf die Gefahr aufmerksam und bremsen automatisch, wenn der Fahrer nicht reagiert. Damit lässt sich ein Aufprall zumindest abmildern, bei den modernsten Notbrems-Assistenten im Idealfall auch ganz verhindern. Allerdings sparen sich manche Busunternehmen, was gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben ist.

Laut dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer war der Unglücksbus drei Jahre alt und zuletzt im April vom Tüv ohne Beanstandung überprüft worden. Der Fahrer, der den Reisebus zum Unfallzeitpunkt lenkte und starb, war demnach seit mehr als zehn Jahren bei seiner aktuellen Firma beschäftigt und wurde vor vier Jahren für langjähriges unfallfreies und sicheres Fahren ausgezeichnet.

Nach dem Busunfall hatte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein „völlig unverantwortliches und beschämendes Verhalten“ mancher Autofahrer beklagt. Weil die Rettungsgasse nicht breit genug war, hätten vor allem die großen Einsatzfahrzeuge wertvolle Zeit verloren. Auf der Gegenfahrbahn hätten zudem einige Gaffer beinahe weitere Unfälle verursacht. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte: „Die Disziplin der Leute ist ärgerlich.“

Alexander Dobrindt erwägt jetzt, das Bußgeld für Gaffer zu erhöhen. „Es ist in der Tat unverantwortlich und beschämend, wenn auf der Gegenfahrbahn die Geschwindigkeit drastisch vermindert wird, um zu sehen, was passiert ist“, sagte er am Montag im ARD-Brennpunkt.

„Ich bin auch bereit, die Bußgelder zu erhöhen, wenn wir noch mehr abschreckende Wirkung brauchen - das ist die eine Seite. Das andere ist, den Autofahrern bewusst machen, was sie durch ihr Verhalten auslösen können“, so Dobrindt. Wer die Einsatzkräfte behindere, könne auch mit Gefängnis bestraft werden.

 

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erstellt am 04.Jul.2017 | 08:10 Uhr

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