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"Invictus" : David gegen Goliath

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Der Film "Invinctus" über die Rugby-WM im Jahre 1995 in Südafrika erzählt von der versöhnenden Kraft des Sports. Eine Hommage von Clint Eastwood an Nelson Mandela.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2010 | 04:33 Uhr

Gleich die erste Einstellung zeigt das Dilemma: Auf der einen Seite der Straße spielen weiße Sportler auf einem gepflegten Rasenplatz Rugby, daneben laufen ein paar Schwarze auf einem staubigen Acker einem Fußball hinterher. Getrennt sind beide Gruppen durch mannshohe Zäune. Es ist der 11. Februar 1990, der Tag, an dem Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen wurde. Für das tief gespaltene Südafrika beginnt eine neue Epoche.
Mit "Invictus - Unbezwungen" erzählt Regisseur Clint Eastwood ("Gran Torino") die großartige Geschichte des Staatsmanns und Versöhners Nelson Mandela, der nach 27 Jahren im Gefängnis nicht von Rache getrieben wird, sondern sein von der Apartheid zerrissenes Heimatland zusammenführt. Eastwood ist ein berührender, zutiefst humaner Film gelungen, der zugleich als spannendes Sportdrama funktioniert.
Morgan Freeman und Matt Damon als unschlagbares Team
Morgan Freeman verkörpert den ersten farbigen Präsidenten Südafrikas mit bewundernswerter Grandezza und Glaubwürdigkeit, auch der athletische Matt Damon legt als Francois Pienaar, Kapitän der von Weißen dominierten südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft, eine große Vorstellung hin. Ein unschlagbares Team. Beide Schauspieler wurden für ihre Leistungen bereits mit einer Oscar-Nominierung belohnt.
Eastwoods Film konzentriert sich auf den Zeitraum vom Mai 1994, als Mandela zum Präsidenten gewählt wurde, bis zum Finale der Rugby-Weltmeisterschaft im Sommer 1995. Der Staatschef entdeckt die einigende Kraft des Sports und will mit allen Mitteln erreichen, dass der krasse Außenseiter Südafrika bei der Weltmeisterschaft vorne mitspielt. Dabei findet sich im Team der "Springboks" nur ein einziger Farbiger, und so stößt Mandela mit seinem Engagement für den "Weißensport" Rugby auf wenig Gegenliebe bei seinen Mitkämpfern vom ANC. Aber der Präsident lässt sich nicht beirren, und nach einigen Rückschlägen gelingt den Spielern um Francois Pienaar das schier Unmögliche.
Glücklicherweise ist er nur einmal in bunten Folklore-Hemden zu sehen
Aber Eastwood zeigt nicht nur den gefeierten Hoffnungsträger vom Kap, sondern auch einen einsamen, alten Mann, der nach den langen Jahren im Gefängnis nur noch wenig Kontakt zu seiner Familie hat. Seine Tochter bekommt er kaum zu Gesicht, und über seine geschiedene Ehefrau Winnie verliert der Film kein Wort. Morgan Freeman zeigt alle Facetten diesen Mannes. Bisweilen muss er etwas pathetische Dialoge absolvieren, hat aber immer auch den Schalk im Nacken. Wenn er seine Sekretärin anweist, nur ja keine Termine während der Spielübertragungen anzusetzen, blitzt es in seinen Augen.
Glücklicherweise ist er nur einmal in bunten Folklore-Hemden zu sehen - der Film vermeidet Klischees, wo es nur geht. Und zeigt nebenbei am Beispiel der präsidialen Leibwächter, wie man Vertrauen und Versöhnung lernen kann. Erst beäugen sich schwarze und weiße Beamte misstrauisch, am Ende sind sie ein eingeschworenes Team.
Ein filmisch mitreißendes Drama mit einem großen Finale
Die letzte halbe Stunde dieses auch filmisch mitreißenden Dramas gehört dann ganz dem großen Finale zwischen Südafrika und Neuseeland. Gedreht am Originalschauplatz, dem "Ellis Park Stadium", erleben die Zuschauer den Kampf der Underdogs vom Kap gegen die mit martialischen Maori-Tänzen ins Feld ziehenden Neuseeländer aus verschiedenen Perspektiven.
Von der Präsidententribüne wird mitgefiebert, aber auch weiße Fans vor dem Fernseher sind begeistert, ebenso Township- Bewohner in einer Bar, und vor dem Stadion stehen mutterseelenallein zwei Polizisten und ein schwarzer Junge. Alle vereint in diesen magischen Minuten, in denen der Traum von einer versöhnten Nation wahr zu werden scheint.


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