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Panorama

14. Dezember 2017 | 05:07 Uhr

Das Wunder von Cleveland

vom

Drei entführte Mädchen ein Jahrzehnt nach ihrem Verschwinden gerettet / Drei Brüder unter Verdacht

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Cleveland | "Helft mir! Ich bin Amanda Berry. Ich wurde entführt und werde seit zehn Jahren vermisst. Ich bin hier, und ich bin jetzt frei." Dieser von Panik geprägte Notruf ging am Montagabend bei der Polizei in Cleveland (USA) ein - nur Sekunden, nachdem ein aufmerksamer Nachbar der heute 26-jährigen Amanda geholfen hatte, aus dem Haus zu entkommen, in dem sie und zwei weitere gekidnappte Mädchen mehr als ein Jahrzehnt gefangen gehalten wurden. "Ich hörte Schreie und sehe, wie dieses Mädchen verzweifelt versucht, aus dem Haus zu entkommen", berichtete Nachbar Charles Ramsey. Er und ein weiterer Anwohner brachen daraufhin die Tür auf und gaben ihr ein Telefon für den Polizei-Notruf.

Als die Beamten eintreffen, finden sie in dem Haus zwei weitere junge Frauen vor: Gina DeJesus (23), die 2004 auf dem Heimweg von der Schule verschwunden war, und Michelle Knight (32), die 2002 entführt worden war. Amanda Berry war das letzte Mal im April 2003 gesehen worden.

Als "Wunder von Cleveland" feiern US-Medien die Entdeckung der jungen Frauen, die laut Polizei vom 52 Jahre alten Hausbesitzer und früheren Schulbus-Fahrer Ariel Castro sowie seinen beiden Brüdern festgehalten wurden.

Das Haus befindet sich in der Nähe der Stellen, wo die drei Mädchen zuletzt gesehen worden waren. Die Polizei geht davon aus, dass sie sich die ganze Zeit hier aufhielten. Möglicherweise wurden sie von den Brüdern sexuell missbraucht: Wie Ramsey berichtete, hielten sich auch zwei kleine Mädchen in dem Haus auf.

Die Polizei hatte immer wieder ganz in der Nähe nach der Leiche von Amanda Berry gesucht - war aber offenbar niemals konsequent Hinweisen nachgegangen, in dem Haus von Castro gebe es illegale Aktivitäten. Einmal, im Januar 2004, seien Beamte gekommen, hätten an die Tür geklopft und seien wieder gegangen, nachdem niemand geöffnet hatte, so Nachbarn. Auch bei einem zweiten Polizeieinsatz hätten Beamte das Haus nicht betreten, obwohl es Hinweise gab, dass sich dort unbekannte Personen aufhielten.

Erste medizinische Untersuchungen ergaben, dass sich die drei Frauen in "durchschnittlichem" Gesundheitszustand befinden. "Das ist nicht das Ende, das wir normalerweise in diesen Fällen haben," so ein Polizeisprecher.

Die Familien der Entführten feierten gestern die Rückkehr der so lange Vermissten. Amanda Berrys Mutter war allerdings 2006 gestorben, nachdem die jahrelang vergebliche Suche zu Folgen für ihre Gesundheit geführt hatte. Die Mutter von Gina DeJesus hatte stets angenommen, ihre Tochter sei das Opfer eines Menschenhändler-Rings geworden. Die Familie von Michelle Knight war hingegen davon ausgegangen, dass die damals 21-Jährige ausgerissen war.

Unklar ist bisher, ob die drei mutmaßlichen Kidnapper auch für die Entführung eines vierten Mädchens verantwortlich sind.

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