zur Navigation springen

Verschollenes Malaysia-Airlines-Flugzeug : Das Rätsel um Flug MH370: Terrorismus, Suizid oder Abschuss?

vom

Am 8. März jährt sich das Verschwinden des Malaysia-Airlines-Flugzeugs. Von 239 Menschen keine Spur. Es gibt nur Spekulationen.

shz.de von
erstellt am 03.Mär.2015 | 10:46 Uhr

Kuala Lumpur | Pilot Zaharie Shah ist 52, als er seinen letzten Flug antritt. Er sitzt am 8. März 2014 am Steuer von Flug MH370 der Malaysia Airlines. Die Boeing verschwindet 40 Minuten nach dem Start in Kuala Lumpur beim Flug nach Peking vom Radar und ist seitdem spurlos verschwunden. 239 Menschen waren an Bord. Hunderte Ermittler testen seit fast einem Jahr Unglückstheorien, aber nichts ist plausibel. Deshalb rückt Zaharie jetzt erneut in ihr Visier.

„Es ist eindeutig das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte“, sagt Malcolm Brenner in einer Dokumentation des Fernsehsenders National Geographic. Er ist einer der erfahrensten Unfallermittler weltweit und war lange bei der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB. Zu mysteriös für einen Unfall seien die Umstände, meinen Experten in dem Film. Ein Cockpitkenner müsse die Maschine bewusst gelenkt haben.

Zunächst der Stopp zweier Kommunikationssysteme gleichzeitig: „Es gibt keine elektrische Verbindung zwischen beiden und damit keinen Grund außer menschlichem Eingreifen, warum sie gleichzeitig ausgingen“, sagt Brenner. Zudem passierte dies genau zu dem Zeitpunkt, als die Maschine von der malaysischen Flugüberwachung in die vietnamesische flog und weder die eine noch die andere den fehlenden Kontakt sofort merkte.

Dann die kurz darauffolgenden abrupten Kursänderungen: „Für mich steht fest, das muss ein Pilot gemacht haben“, sagt John Nance, Flugexperte des Senders ABC in dem Film. „Das sieht ganz nach einem sorgfältigen Plan aus, um jeder Entdeckung zu entgehen“, meint Brenner. Unter den Passagieren war nach den Ermittlungen niemand mit der nötigen Pilotenerfahrung.

So viel wissen die Experten nach Auswertung von Satellitendaten: die Maschine flog noch rund sieben Stunden Richtung Süden. Sie gehen davon aus, dass sie im Indischen Ozean rund 2000 Kilometer westlich von Perth abstürzte, als das Benzin ausging. Die Australier koordinieren die Suche dort. Fast die Hälfte des 60.000 Quadratkilometer großen Gebietes ist abgesucht, aber von dem Wrack fehlt jede Spur.

Das Problem: Die Suche nach dem Wrack findet in einer der unwirtlichsten und entlegensten Meeresregionen der Welt statt. „Die Herausforderungen sind immens“, sagt Scott Mashford von der Koordinationsstelle für die Suche (JACC) in der australischen Hauptstadt Canberra. „Das Terrain ist komplex, mit Wassertiefen bis zu 6000 Metern, es gibt Berge mit schmalen Kämmen, tiefe Spalten und 2000 Meter steil abfallende Kliffe“, sagt er.

Im Einsatz sind ferngesteuerte Sonargeräte. „Das Wetter ist zudem sehr rau“, sagt Mashford. „Die Schiffe können manchmal nicht rausfahren, es wäre zu gefährlich für die Crew, oder die Ausrüstung könnte beschädigt werden.“ Australien hat nach Angaben von Mashford zunächst 90 Millionen australische Dollar (63 Millionen Euro) für die Suche zur Verfügung gestellt, Malaysia umgerechnet bis zu 42 Millionen Euro. Die tatsächlichen Kosten hingen von der Länge der Suche ab und davon, welches möglicherweise kostspielige Gerät noch eingesetzt werden müsse.

So könnte es nach Meinung der Experten gelaufen sein: Kapitän Zaharie schickt den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit. Etwa: „Hol mir mal einen Kaffee.“ Er schließt die Tür, setzt die Sauerstoffmaske auf, und lässt manuell den Druck in der Kabine fallen. Die Menschen können sich noch zwölf Minuten mit den Sauerstoffmasken retten, dann fallen sie ins Koma. Zaharie lenkt die Maschine an allen Radarpunkten vorbei Richtung Antarktis und schaltet dann womöglich auf Autopilot.

Nur: warum will der Pilot sich und alle anderen umbringen? „Ich finde die Theorie eher schwach“, meint Jörg Schlüter, der am Raumfahrtinstitut der Nanyang-Universität in Singapur lehrt. „Warum sollte er so weit fliegen, warum hat er die Maschine dann nicht gleich zum Absturz gebracht?“

Zaharie ist ein Mann im besten Alter. Er ist Vater von drei Kindern, hat ein Enkelkind. „Ich habe noch zwei, drei Tage vor dem 8. März mit ihm gesprochen, es gab kein Anzeichen, dass etwas nicht stimmte“, sagt ein Kollege Zaharies der dpa. Zaharie ist begeisterter Hobbykoch und Heimwerker und Flugfanatiker mit Simulator zu Hause. „Wir haben nichts Ungewöhnliches an dem Simulator gefunden, aber wir warten noch auf die Ergebnisse der US-Experten“, sagt ein Mitarbeiter von Polizeichef Khalid Abu Bakar. „Ihr Bericht kommt bald heraus.“ Der renommierte Sicherheitsexperte des Onlineportals FlightGlobal, David Learmount, hält das von National Geographic aufgezeigte Szenario mit einem lebensmüden Flugzeuglenker zumindest für möglich.

Dann liefe die Suche nach dem Wrack aber an falscher Stelle, schreibt er in seinem Blog: „Wenn die Klimaanlage im Flugzeug frühzeitig ausgeschaltet war und blieb, hätte die Maschine weiter fliegen können (als jetzt angenommen).“ Der Treibstoff hätte ohne Betrieb der Klimaanlage länger gereicht.„Mein Gefühl ist bei der jetzigen Beweislage sehr sehr stark, dass wer auch immer verantwortlich ist, die Absicht hatte, das Flugzeug und die Passagiere einfach spurlos vom Planeten verschwinden zu lassen“, sagt Brenner in dem Dokumentarfilm.

Ermittler und Experten, Wichtigtuer und Wahrsager bieten ihre Expertise in Sachen MH370 an. Bei Luftfahrtunglücken geben Wrack und Blackboxen, die Stimmen im Cockpit und Daten aufzeichnen, früher oder später Aufschluss über die Ursache. Aber von MH370 gibt es nichts, außer die verschiedenen Theorien. Ein Überblick:

MH370-Theorien FAQ Malaysia Airlines

Flug MH370 der Malaysia Airlines ist auf dem Weg von Kuala Lumpur in Malaysia nach Peking verschwunden. Ein Drittel der 227 Passagiere an Bord stammte aus China. Zusätzlich waren zwölf Besatzungsmitglieder an Bord, insgesamt Menschen aus 14 Ländern.

China: 153 Malaysia: 50 Indonesien: 7 Australien: 6 Indien: 5 Frankreich: 4 USA:3 je zwei aus der Ukraine, Neuseeland, Kanada, Iran, je einer aus den Niederlanden, Russland und Taiwan.

Die beiden Iraner standen ursprünglich als Österreicher und Italiener auf der Passagierliste. Wie sich herausstellte wollten sie mit gestohlenen Pässen über Peking nach Europa gelangen.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen