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Trotz Sexting und Youporn : Das „erste Mal“ mit 14? So denkt die Jugend von heute über Sex

vom

Die Studie „Jugendsexualität 2015“ verrät, was Jugendliche über das „erste Mal“, Verhütung und Aufklärung denken.

Berlin | Keine Ahnung vom Verhüten? Sex immer früher? Verroht durch Pornos? Offenbar alles Gerüchte: Die Studie „Jugendsexualität 2015“ klärt über das Liebesleben von 14- bis 25-Jährigen auf.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) befragt seit 1980 vorrangig Jugendliche, seit 2005 auch Jugendliche mit Migrationshintergrund zu den Themen Sex, Aufklärung und Verhütung. Einbezogen wurden diesmal 5750 Jugendliche bundesweit.

Die Ergebnisse im Überblick:

Das erste Mal kommt immer später

 

Sexuelle Erfahrungen sind bei deutschen 14-Jährigen einer neuen Studie zufolge eine Ausnahme. Insgesamt sei die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen nicht früher sexuell aktiv als in den vergangenen Jahren, sagte die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Heidrun Thaiss, am Donnerstag in Berlin. „Bis 2005 haben sich die sexuellen Aktivitäten nach vorne verschoben.“ Inzwischen sei der Trend aber gestoppt, wenn nicht rückläufig. Ein „Wertewandel“ könne der Grund sein, sagte Thaiss bei der Vorstellung erster Ergebnisse. Mit 17 hat demnach mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits Erfahrung mit Sex. Im Alter von 19 Jahren haben 90 Prozent der jungen Frauen deutscher Herkunft das “erste Mal" erlebt. Junge Frauen mit ausländischen Wurzeln sind im Alter von 21 Jahren zu gut zwei Dritteln sexuell aktiv geworden (70 Prozent). Für junge Männer gilt dies erst zwei bzw. drei Jahre später.

Mädchen sind frühreifer als Jungs

Mädchen haben früher Sex als Jungs.
Mädchen haben früher Sex als Jungs. Foto: Imago
 

Mädchen sind insgesamt früher aktiv als Jungen. Außerdem machen deutschstämmige Jugendliche in fast allen Altersgruppen früher erste Erfahrungen als Altersgenossen mit ausländischen Wurzeln.

Das „erste Mal“ am liebsten aus Liebe

Liebe spielt für Jugendliche eine große Rolle beim Sex.
Liebe spielt für Jugendliche eine große Rolle beim Sex. Foto: dpa

Eine feste Partnerschaft ist jungen Menschen beim „ersten Mal“ wichtig. Das Fehlen des oder der „Richtigen“ ist unabhängig von Geschlecht und Herkunft der Hauptgrund für Zurückhaltung. Für Mädchen und junge Frauen aus Migrantenfamilien spielen daneben moralische Bedenken eine wichtige Rolle. Beispielsweise geben 28 Prozent das Motiv „vor der Ehe finde ich das nicht richtig“ als Grund für die sexuelle Zurückhaltung an. Bei Mädchen und junge Frauen deutscher Herkunft trifft das in vier Prozent zu.

Für Mädchen und junge Frauen mit Migrationsgeschichte ist bis ins Erwachsenenalter hinein noch ein anderes Motiv relevant: die Angst, „dass die Eltern davon erfahren“ (20 Prozent). Dieses Argument teilen Mäd­chen und junge Frauen aus deutschen Elternhäusern in jüngeren Jahren, mit zunehmendem Alter ist es weniger von Bedeutung.

Verhütung ist ein Muss

Kondome, Pille und Co. - meistens denken Jugendliche an Verhütung.
Kondome, Pille und Co. - meistens denken Jugendliche an Verhütung. Foto: dpa

Seit den ersten Befragungen hat sich das Bewusstsein für Verhütung deutlich verändert: Lediglich acht Prozent der jungen Frauen und sechs Prozent der jungen Männer zwischen 14 und 17 trafen beim ersten Mal keine Vorkehrungen, wie aus der Studie hervorgeht. 1980 machten sich laut BZgA noch 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Gedanken um Kondom, Pille oder andere Verhütungsmittel. Thaiss wertete die Veränderung als „beachtlichen Erfolg“.

Noch deutlicher und schneller schrumpfte die Zahl der Nicht-Verhüter bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Verzichtete in dieser Gruppe 2005 noch rund ein Drittel der Jungen auf Verhütung, so war es nun nur noch ein Zehntel. Bei den Mädchen sank der Anteil von knapp 20 Prozent auf 2 Prozent.

Dr. Sommer war einmal

Dr. Sommer scheint Geschichte. Eltern und Lehrer sorgen für Aufklärung.
Dr. Sommer scheint Geschichte. Eltern und Lehrer sorgen für Aufklärung. Foto: dpa

Aufgeklärt wird in deutschen Haushalten insbesondere von den Eltern, sagte Thaiss. Aktuell sprachen 63 Prozent der Mädchen und 51 Prozent der Jungen deutscher Herkunft mit ihren Eltern über Verhütung, aber nur 41 Prozent der Mädchen und 36 Prozent der Jungen aus Elternhäusern mit Migrationshintergrund.

Aber auch in der Schule begegnet fast jeder Jugendliche dem Thema Sex. Im Schnitt geben 93 Prozent der Jugendlichen an, Themen der Sexualaufklärung im Unterricht besprochen zu haben. Gerade für Jungen und für die Kinder muslimischer Eltern, die das Thema zu Hause eher tabuisieren, seien auch Lehrer wichtige Ansprechpartner.

Die gesamte Studie wird laut BZgA erst im kommenden Jahr veröffentlicht.

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erstellt am 12.Nov.2015 | 15:12 Uhr

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