Winter im Frühling : Das eisige Hoch über Skandinavien

Wetter-Extreme: Schnee und Eis halten Deutschland und Europa auch kurz vor Ostern noch fest im Griff. Foto: dpa
Wetter-Extreme: Schnee und Eis halten Deutschland und Europa auch kurz vor Ostern noch fest im Griff. Foto: dpa

Ostern steht vor der Tür - und immer noch hält klirrende Kälte den Norden im Griff. Schleswig-Holstein erlebt einen der kältesten Märzmonate seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

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29. März 2013, 12:48 Uhr

Kiel | Wintermütze auf, Handschuhe an, Schal umbinden, jetzt noch in den Lodenmantel schlüpfen und den Kragen hochschlagen - nur so gewappnet können sich die Schleswig-Holsteiner derzeit nach draußen wagen. Ende März 2013: Ostern steht vor der Tür, und immer noch hält klirrende Kälte den Norden fest im Griff. Und ausgerechnet an der Küste verzeichnen die Wetterexperten Temperaturen, die zeigen, "wie flächendeckend und massiv dieser Kaltlufteinbruch war".

"Wir erwarten, dass der März 2013 einer der kältesten Märzmonate in den vergangenen 150 Jahren wird", sagte Sven Taxwedel (36), Diplom-Meteorologe bei Wetterwelt in Kiel, gestern unserer Zeitung. Zwei Schlaglichter zeigten dies besonders deutlich: In Lübeck sackte das Thermometer am 24. März auf minus 10,7 Grad Celsius, es war der niedrigste März-Wert in der Hansestadt seit 1889. Oder Helgoland: Hier wurden bereits am 11. März minus 4,1 Grad und am 23. März noch einmal minus 3,5 Grad gemessen - die niedrigsten März-Werte seit 1958.

Wie sind die Aussichten? "Kalt"

Wird also nichts aus der stets vorhergesagten vom Menschen gemachten Erwärmung? "Doch, aber der Klimawandel wird zusätzlich von vielen natürlichen Faktoren überlagert", sagt Taxwedel.

Der Meteorologe überrascht jedoch auch damit: "Die jetzige Kaltphase in Schleswig-Holstein könnte genau ins Bild einer globalen Erwärmung passen." Und das geht so: Das Eis am Nordpol schrumpft, damit ist der Temperaturgegensatz zu südlicheren Breiten schwächer. Damit aber weht auch nicht mehr der relativ warme und starke Westwind über den Nordatlantik nach Schleswig-Holstein, wie dies früher der Fall war. Vielmehr setzt sich über Skandinavien ein Hochdruckgebiet fest. Somit dreht schon weit vor der Küste Nord- und Mitteleuropas der relativ warme Westwind nach Norden ab. Stattdessen kommt bitterkalte Luft hinter dem Hochdruckgebiet aus dem Nordosten über Skandinavien oder Nordrussland zu uns zurück.

Das Wichtigste: Wie sind die Aussichten? "Kalt", muss Meteorologe Taxwedel voraussagen und verweist auf die aktuell sehr festgefahrene Wetterlage. "Sie dürfte uns bis weit in die nächste Woche - oder noch länger - zumindest in den Nächten weitere deutliche Minusgrade bescheren."

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