„Voldemort: Origins of the Heir“ : Darum geht es im neuen Harry Potter-Film auf Youtube

Auf YouTube erzählen Fans die Vorgeschichte von Harrys Erzfeind Voldemort. Wie gut ist „Voldemort: Origins of the Heir“?

shz.de von
17. Januar 2018, 16:34 Uhr

Acht Harry-Potter-Filme reichen nicht. Das findet nicht nur J.K. Rowling, die ihren magischen Kosmos mit der Reihe „Phantastische Tierwesen“ erweitert. Auch Fans sind dieser Meinung und haben den Stoff jetzt eigenmächtig weiterverfilmt: Seit ein paar Tagen ist das Resultat auf Youtube verfügbar: „Voldemort: Origins of the Heir“.

Sechs Millionen Zuschauer für „Voldemort“-Film auf Youtube

Im November ist Johnny Depp in „Fantastic Beasts 2“ als dunkler Zauberer Grindelwald zu sehen. Jetzt schon wird auf Youtube die Vorgeschichte eines noch mächtigeren Magiers aufgerollt: Gianmaria Pezzatos „Voldemort: Origins of the Heir“ – zu Deutsch: „Voldemort: Ursprünge des Erben“ – erzählt, wie der Hogwarts-Schüler Tom Riddle zum Herrn der Finsternis wurde. Mehr als sechs Millionen mal wurde der 52-minütige Film schon abgerufen. Und das, obwohl er mit der offiziellen Geschichtsschreibung der Zauberwelt gar nichts zu tun hat. Pezzatos Drehbuch ist reine Fan-Fiktion, die sich an Details der Rowling-Bücher entzündet, Figuren frei hinzuerfindet und die Lücken der Vorlage nach Lust und Laune ausspinnt.

Wovon handelt „Voldemort: Origins of the Heir“?

Im Zentrum von „Origins of the Heir“ steht Grisha McLaggen (Maddalena Orcali). In Rückblenden wird ihre Beziehung zu Voldemort entfaltet: Als Schülerin in Hogwarts verband Grisha eine enge Freundschaft mit Wiglaf Sigurdsson, Lazarus Smith und zunächst auch mit Tom Riddle – dem einzigen echten Rowling-Charakter im Quartett. Alle vier sind direkte Nachfahren der Hogwarts-Gründer. Die Freundschaft zerbricht noch in Jugendjahren an der Herrschsucht Riddles. Die Rahmenhandlung zeigt Grisha deshalb als frühe Gegenspielerin Voldemorts: Um seine Macht einzuschränken, macht sie Jagd auf die Horkruxe des Zauberers, auf die magischen Objekte also, in denen Voldemort Teile seiner Seele versteckt hat. Eins davon ist sein Tagebuch, das Grisha bei militärisch uniformierten Sowjet-Zauberern aufspürt.

Was macht den Reiz der Fan-Fiktion aus?

15.000 Euro hat die Produktion von „Voldemort: Origins of the Heir“ laut Wikipedia gekostet. Der letzte offizielle Potter-Film hatte ein Budget von 250 Millionen Dollar. Die gewaltige Spanne dazwischen macht den Reiz von Fan-Filmen aus. Computergenerierte Monster, aufwendige Bauten – alles, was die penibel überwachte Ästhetik eines Blockbuster-Franchises ausmacht, können sie schon aus Kostengründen nicht reproduzieren. Im Fall von „Voldemort: Origins of the Heir“ betrifft das auch die Besetzung: Bei den Originalfilmen hatte Rowling die Britishness der Darsteller zur Bedingung gemacht; im Fan-Film kommt das elitäre Hogwarts-Englisch aus erkennbar italienischen Mündern. Natürlich bemüht die Fan-Fiktion sich nach Kräften, den Look des Originals zu kopieren. Ihre wahre Stärke liegt dort, wo es nicht richtig klappt. Gerade hier blitzt eine Fantasie und Liebe zum Stoff auf, die es mit dem hochbudgetierten Überwältigungskino locker aufnimmt. In der Eröffnungsszene kämpft Grisha gegen eine Armee von Finsterlingen, die zum historischen Militärdress Strumpfmasken tragen – mit künstlichen Augen, die an die Schraubverschlüsse von Schnapsflaschen erinnern.

Darf man das? Der „Voldemort“-Film und das Urheberrecht

Das Internet als Verbreitungsweg und die alltägliche Verfügbarkeit hochauflösender Kameras ermöglichen immer mehr Liebhabern, zu Produzenten zu werden. Im Sommer 2016 wurde der „Star Wars“-Fan-Film „Darth Maul: Apprentice“ zum Youtube-Hit. Inzwischen kommt das No-Budget-Projekt, mit dem der Aachener Student Shawn Bu seinen Bachelor in Kommunikationsdesign gemacht hat, auf 15 Millionen Zuschauer. In der Szene stoßen die nicht-autorisierten Werke auf Akzeptanz.

Die Voldemort-Heldin Grisha McLaggen hat in einschlägigen Fan-Wikis schon einen eigenen Eintrag, obwohl sie mit J.K. Rowling nichts zu tun hat. Als Quelle wird wie selbstverständlich der Fan-Film genannt.

Schwerer tun sich naturgemäß die Rechteinhaber. Die Kampagne, mit der Pezzato und sein Produzent Stefano Prestia den Voldemort-Film beim Crowdfunding-Portal „Klickstarter“ finanziert haben, wurde zwischenzeitig abgebrochen – weil die Filmgesellschaft Warner Bros., bei der die Potter-Rechte liegen, sich gegen das Projekt zur Wehr gesetzt hatte. Offenbar hat inzwischen eine Einigung stattgefunden. Pezzato folgt bei seiner Veröffentlichung klaren Regeln: Schon in den Titeln weist er auf den nicht-offiziellen Charakter des Werks hin – und verzichtet darauf, mit Lord Voldemort Geld zu verdienen.

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