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Odense : Dänischer Zoo zerlegt Löwen vor Kinderaugen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Aktion löst weltweit Proteste aus – dabei ist sie eigentlich nicht ungewöhnlich.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 20:00 Uhr

Im Disney-Film „König der Löwen“ ist Simba ein niedlicher Kerl, der vor Energie nur so strotzt. Im dänischen Zoo Odense liegt am Donnerstag ein mausetoter Artgenosse auf einem Tisch neben dem Seelöwengehege. Um ihn herum: rund 400 neugierige Kinder und Erwachsene. Manche halten sich die Nase zu, denn der Kadaver müffelt. Biologe Rasmus Kolind hält die fleischige Leber des Raubtiers in die Luft. „Was glaubt ihr, was das hier ist?“

Der neun Monate alte Löwe wurde betäubt und getötet, weil nicht genug Platz im Käfig war und Inzucht drohte. In dem Kolind und eine Kollegin ihn vor Kinderaugen ausnehmen, wollen sie den Jungen und Mädchen zeigen, wie die Tiere aussehen – in Wirklichkeit, nicht im Film. „Wir wollen gerne erzählen, wie fantastisch Löwen sind – und wie viel ihr Körperbau mit unserem gemeinsam hat“, sagt Kolind.

Für diese Art Lehrstunde haben viele Menschen weltweit kein Verständnis: Eine Petition im Internet hatte gestern mehr als 130.000 Unterstützer. In sozialen Medien beschimpfen wütende Nutzer den Zoo seit Tagen als „Tiermörder“ und die Dänen als „Barbaren“.

Viele ihrer Landsleute sind anderer Meinung. „Ich finde, das ist eine natürliche Art, den Kindern so etwas nahezubringen“, sagt Ole Varn, der mit seiner Enkelin zusieht. Der Großvater versteht die Aufregung um den Löwen nicht. „Wenn man bedenkt, wie viele Schweine im Jahr geschlachtet werden ...“

Der Tod ist Teil des Lebens, finden viele Dänen. Und Kinder sollten ruhig wissen, wie ein Tier von innen aussieht. „Wir machen das seit 20 Jahren jedes Jahr in den Schulferien“, sagt Zoologin Nina Christensen. „Aber diesmal laufen die Medien völlig Amok.“ Grund dafür ist ein anderes totes Tier: das Giraffenjunge Marius, das der Kopenhagener Zoo im Februar 2014 tötete – und ebenfalls vor Kinderaugen auseinandernahm. Anschließend war Marius an die Löwen verfüttert worden. Zoodirektor Bengt Holst hatte das Vorgehen damals eisern verteidigt. Trotz Morddrohungen gegen ihn wehrte er sich gegen die „Disneyfizierung“ von Zootieren.

Wenn die Dänen keinen anderen Zoo im europäischen Zuchtprogramm finden, müssen die Tiere sterben – das ist auch in Deutschland gängige Praxis. In Odense passiert so etwas „weniger als zehnmal im Jahr“, schätzt Christensen.

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