Hundegesetz : Dänemark wird für Hunde sicherer

Das oft kritisierte Turbo-Töten auffälliger Vierbeiner ist ab dem 1. Juli in Dänemark verboten. Die umstrittene Regelung habe den Tourismus geschwächt.

fju_maj_0203 von
14. Juni 2014, 11:47 Uhr

Kopenhagen | Seit 2010 haben sich deutsche Hundebesitzer nur noch eingeschränkt nach Dänemark getraut – ab 1. Juli können sie nun wieder unbesorgter für einen Ausflug oder Urlaub ins Nachbarland fahren: Dann tritt eine entschärfte Form des bisher stark umstrittenen Hundegesetzes in Kraft. Das hat eine Mehrheit im Parlament jetzt beschlossen. Die neue Fassung soll verhindern, dass auffällig gewordene Hunde vorschnell getötet werden.

Bisher hatte die Polizei das Recht, Hunde von 13 als gefährlich eingestuften Rassen sofort einzuschläfern, wenn sie zugebissen haben. Ob ein Mensch oder ein Tier das Opfer war, spielte keine Rolle. Zu den gelisteten Rassen zählten Pitbull, American Staffordshire und American Bulldog. Besondere Krux in der alltäglichen Handhabe: Die Regel galt auch für alle Mischlinge, die Gene der 13 Rassen in sich tragen. Die Beweispflicht, dass ein bissiger Vierbeiner diese Gene nicht in sich trug, lag bei den Haltern. Diese hatten einen solchen Nachweis bei den zahlreichen Mischlingen ohne Stammbaum jedoch als unmöglich bezeichnet. Zweiter Streitpunkt bei den bisherigen Regeln: Jeder Bürger durfte auf seinem Grundstück umherstreunende Hunde erschießen, wenn er in ihnen eine Gefahr sah.

„Es ist unhaltbar, dass Privatleute Sheriff spielen können“, erklärte der für Tierschutz zuständige Landwirtschaftsminister Dan Jørgensen zur Verabschiedung des neuen Gesetzes. Der Sozialdemokrat stellte klar, dass es weiter Sanktionen gegen Halter gebe, deren Vierbeiner angreifen. „Aber es darf nicht mehr passieren, dass ein Hund getötet wird, weil er zum Beispiel beim Spiel einen anderen Hund gebissen hat“, unterstrich Jørgensen. Bevor die Polizei über das Schicksal eines ausgerasteten Tieres entscheidet, haben Halter künftig einen Anspruch auf Begutachtung durch einen Sachverständigen. Läuft ein Hund unerlaubt auf ein fremdes Grundstück, droht dem Herrchen fortan ein Bußgeld von 2000 Kronen (rund 300 Euro).

Seitdem die strengen Vorschriften 2010 in Kraft getreten sind, wurden in Dänemark mehr als 600 Hunde eingeschläfert. 40 Prozent aller seitdem verzeichneten Bisse gingen auf das Konto der verbotenen Rassen – obwohl sie nur zwei Prozent der 585.000 Hunde in Dänemark ausmachen.

An Demonstrationen gegen das schärfste Hundegesetz Europas hatten sich im südlichen Dänemark wiederholt auch Tierfreunde aus Schleswig-Holstein beteiligt, zuletzt im März, als sich am Grenzübergang Krusau bei 100 Protestler mit Fackeln versammelten. Auch die dänischen Touristiker waren gegen die Paragrafen zu Felde gezogen. Die Dachorganisation „Visit Denmark“ hatte sie mitverantwortlich für den zuletzt ohnehin schwindenden Zuspruch deutscher Urlauber gemacht. Das Hundegesetz habe dänische Ferienhäuser bis zu 60.000 Übernachtungen pro Jahr gekostet.

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