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Dänemark sucht das Bernsteinzimmer

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Wehrmachtssoldat will 1944 gigantischen Nazischatz mitvergraben haben

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 03:59 Uhr

kopenhagen | Das Bernsteinzimmer könnte in Dänemark vergraben sein. Ein spätes Bekenntnis des 90-jährigen früheren Wehrmachtssoldaten Wilhelm Kraft sorgt derzeit für Aufsehen bei Hobbyschatzsuchern. Im Spätsommer 1944 diente der Marinesoldat in einem U-Boot, das bei Bergen in Norwegen von alliierten Bombern versenkt wurde. Mit leichteren Verbrennungen und den drei einzigen weiteren Überlebenden der Besatzung wurde er in ein Lazarett ins dänische Skagen transportiert. Die Wunden heilten. Mit 47 weiteren jungen Deutschen wurde er, mitten in den Wirren des deutschen Rückzuges aus Dänemark, in einen Zug gesetzt und weit ab von der Front ins nordjütische Dorf Asaa gefahren.

Dort lautete die streng geheime Mission, Löcher am Rande des Ortes auszu buddeln. "Wir wurden in der lokalen Schule einquartiert. Jeden Vormittag um zehn Uhr mussten wir raus, um zu graben, bis die Sonne wieder unterging. Die Löcher sollten sechs Meter lang, vier Meter breit und vier Meter tief sein. Als wir endlich fertig waren, traf ein streng bewachter Zug mit drei bis fünf Güterwagen ein. Wir durften nicht in die Nähe", erzählt der 90-Jährige der dänischen Boulevardzeitung "BT". Doch zufällig habe er durch einen offenen Spalt einen Blick in einen der Güterwagen erhaschen können. "Der war vollgestapelt mit Holzkisten, große und kleine", sagt er. Es habe nach einer sehr, sehr wertvollen Ladung ausgesehen.

Über 60 Jahre schwieg er dann. Doch nun, im hohen Alter, will er den vermeintlichen Schatz ausfindig machen. "Ich bin jetzt 90, völlig allein, und will nicht sterben, ohne mein Wissen geteilt und mein Gewissen entlastet zu haben ", sagt er.

So lange geschwiegen habe er nicht aus Pflichtbewusstsein gegenüber der Wehrmacht oder gar Adolf Hitler. Im Gegenteil. Er habe vor allem die "vielen Verrückten in Deutschland" befürchtet, die "selbst so lange nach dem Kriegsende noch die Nazis anbeten würden", stellt er der dänischen Presse gegenüber klar.

Kraft wirkt glaubwürdig. Mit alten Wehrmachtspapieren und Satellitenfotos aus dem Internet hat er sich in eine Ferienwohnung in der Nähe von Asaa eingemietet und hat inzwischen die Dorfbevölkerung zur Mithilfe bewegt. In Dänemark erntet er zwar auch viel Kopfschütteln. Aber viele nehmen ihm seine Geschichte auch ab. "BT" spekuliert gar offen darüber, ob sich in dem nur 1168 Einwohner zählenden Asaa, das eigentlich nur noch aus dem stillgelegten Bahnhof, einem Campingplatz und einem Yachthafen besteht, gar das berühmte Bernsteinzimmer vergraben sein könnte, das seit Ende des Zweiten Weltkrieges spurlos verschwunden ist. Am einsamen Strand von Asaa sind nun Schatzsucher mit Metalldetektoren am Werk. Der Betreiber des Campingplatzes freut sich auch schon über die zahlreichen Vorbuchungen von Hobbyschatzsuchern.

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