Wochenende in Kopenhagen : Dänemark: Milliardenschwerer Tunnel öffnet für Radler und Skater

Optisch einprägsam, aber rein funktionell: Die sechseckigen Waben über dem Tunnel.

Optisch einprägsam, aber rein funktionell: Die sechseckigen Waben über dem Tunnel.

Eine vierspurige Straße nur für Fahrradfahrer: Selbst in Kopenhagen ist dies nur ein Traum – am Wochenende aber real.

gb_4741.JPG von
13. Dezember 2017, 16:11 Uhr

Kopenhagen | Bevor Auspuffe und Lärm das teuerste regionale Bauprojekt in der Geschichte Kopenhagens zu einem unwirtlichen Ort machen, dürfen sich Radler und Rollschuhfahrer ins unterirdische Abenteuer stürzen: Mit der offiziellen Einweihung am Sonntag (17. Dezember um 11 Uhr) wird der zwei Kilometer lange und 340 Millionen Euro teure Nordhavnsvej mitsamt des kombinierten 900 Meter langen Tunnels zum kurzfristigen Fahrrad-Mekka. Darüber berichtet die Zeitung „Politiken“.

Die lautlos-freie und einzigartige Fahrt auf vier Spuren den Tunnel bergab unter der Stadt und unter Bahngleisen hindurch dürfte auch für zahlreiche Auswärtige ein Anzugspunkt werden. In Kopenhagen erwartet man ein einzigartiges Familienfest, das mit der Inline-Skates-Disko im Tunnel schon am Samstagabend ab 20 Uhr ein großes Highlight bietet. Zugang zum Ort des Geschehens findet man vom Lyngbyvej oder von der Svanemøllens Kaserne aus.

Streckenverlauf des Nordhavnsvej.
Google Maps, Sven Raschke

Streckenverlauf des Nordhavnsvej.

Dass die Fahrbahn im Tunnel eine Steigung von sechs Grad und Hüpfer hat, dürften vor allem die Autofahrer im Magen zu spüren bekommen. Der Tunnel hat bereits den Beinamen Rutsjebane (Achterbahn) weg. Ab nächster Woche werden die ersten Fahrer erstmals diesen Effekt zu spüren bekommen. Dann wird die West-Ost-Querung für den motorisierten Verkehr freigegeben.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Weniger Autos im Zentrum

Die dänische Hauptstadt hat kalkuliert, dass 31.000 Autos täglich vom Helsingørmotorvej zum Svanemøllehavn über die neu angelegte Trasse fahren werden. Das kostspielige Projekt soll verhindern, dass die Fahrzeuge die Straßen der Innenstadt verstopfen. Auch die Fahrradstadt Kopenhagen hat bei über 30 Prozent Radverkehrsanteil mit Platzmangel, Staus und vor allem im Zentrum mit starker Luftverschmutzung zu kämpfen.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

 

Preis und auch den Zeitrahmen (Baubeginn war 2010, geplante Fertigstellung 2015) konnten die Ingenieure beim Nordhavnsvej nicht einhalten. Politische Beschlüsse hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit inmitten der Bauphase sorgten dafür, dass musste der frisch getrocknete Beton teils wieder aufgerissen wurde. Der Tunnel wurde am Ende verlegt. Deshalb ist Kopenhagens Technik- und Umweltbürgermeister Morten Kabell – man nennt den Politiker der ultralinken Einheitsliste auch den „Fahrradbürgermeister“ – nun trotz seiner Vorbehalte gegenüber dem insgesamt wohl zunehmenden Autoverkehr stolz auf das in seinen Worten „hübsche Bauwerk“ ist.

Froh stimme ihn, dass vor allem durch den Stadtteil Østerbro und auch durch die Innenstadt nun weniger Autos fahren und dass schwere Lkw eine direkte Anbindung vom Autobahnnetz zum Containerterminal in Nordhavn bekommen. So müssten sie nicht mehr durch die Orte im Norden der Hauptstadt fahren, sagte Kabell. In Nordhavn entsteht gerade ein neuer Stadteil.

Reizvolle Würfel-Architektur

Architektonisch hat des skandinavische Projekt auch etwas zu bieten. Der optisch reizvolle kubistische Tageslichtschirm hat allerdings funktionale Gründe. Bei der Ein- und Ausfahrt unterfahren die Fahrzeuge durchsichtige, bienenwabenartige Würfel. Diese sorgen dafür, dass die Augen der Fahrer allmählich und nicht abrupt dem Tageslicht und der Dunkelheit ausgesetzt werden. Normalerweise nutze man dafür elektrisches Licht, sagt Projektchefin Anne Kongsfelt zu „Politiken“.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

 

Irgendwann, so die Hoffnung, könnte der Nordhavnsvej Teil einer umfassenden Stadtumgehung werden, die über einen Tunnel oder eine Brücke auch die Halbinsel Amager mit dem bedeutenden Flughafen Kastrup einschließt. Damit bliebe der Altstadt und den bevölkerungsreichsten Stadteilen viel Durchgangsverkehr erstpart.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen