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Urteil im Steuerhinterziehungs-Prozess : Cristina und die spanischen Royals: Frostiger Familienzwist trotz Freispruchs

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Bei Infantin Cristina mischt sich Freude über ihren Freispruch mit Sorge um ihren Mann.

Für das spanische Königshaus gehen sechseinhalb schwierige Jahre zu Ende. Jahre, die dem Ansehen der Bourbonen massiv geschadet haben - so sehr, dass das Verhältnis von König Felipe VI. zu seiner Schwester, der Infantin Cristina, Beobachtern zufolge mittlerweile eisige Temperaturen erreicht hat. Auch Vater Juan Carlos - der 2014 vermutlich auch im Zuge von Cristinas Finanzaffäre sowie seiner eigenen Eskapaden abgedankt hatte - pflegt kaum noch Kontakt zu der 51-Jährigen. „Die einzige dünne Verbindung, die Cristina noch zum Zarzuela-Palast hat, sind ihre Mutter Doña Sofía und ihre ältere Schwester Elena“, beschrieb die Zeitung „El País“ den Familienzwist.

Seit Jahren sind die Schwester des Königs von Spanien, Cristina, und ihr Ehemann mit einem Finanzskandal konfrontiert. Es geht um Geldwäsche und Steuerbetrug.

Jetzt ist Cristina von dem Vorwurf, Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben, freigesprochen worden. Ihr Ehemann aber, der frühere Handballprofi Iñaki Urdangarin, ist wegen millionenschwerer Veruntreuung von Steuergeldern, Betrugs und weiterer unschöner Vergehen zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Der 49-Jährige und sein Partner Diego Torres, mit dem er die wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten ins Zwielicht geratene Stiftung Nóos leitete, waren die Hauptangeklagten in dem Verfahren auf Mallorca.

Ein Blick zurück, März 2016: Cristina, die Nummer sechs in der Thronfolge, sitzt an einem schlichten Holztisch und muss dem Tribunal in Palma Rede und Antwort stehen. So eine Szene hatte es in Spanien noch nicht gegeben, nie zuvor stand eine direkte Angehörige der Royals als Angeklagte vor Gericht. Und die Vernehmung wurde zudem noch live im Fernsehen übertragen - eine Schmach für die Infantin, die dennoch tapfer ihre Unschuld beteuerte und erklärte, sie habe ihrem Mann in finanziellen Dingen voll vertraut.

Die Gazetten sprachen vom „Prozess des Jahres“ und jubelten, die spanische Justiz habe endlich bewiesen, „dass sie unabhängig ist und Einmischungen politischer und institutioneller Mächte nicht zulässt“. Dennoch galt es bereits vor der Urteilsverkündung als relativ sicher, dass zumindest Cristina glimpflich davonkommen würde, hatte doch selbst die Staatsanwaltschaft für sie auf Freispruch plädiert.

Aber ein letzter Zweifel blieb, denn die Nebenklage beharrte auf ihrer Forderung, die Angeklagte acht Jahre hinter Gitter zu bringen. Und auch in Spanien fragte sich das Volk: Ist es wirklich möglich, dass Cristina nichts von den dubiosen Machenschaften wusste, obwohl sie selbst mit in der Geschäftsführung saß?

Für Urdangarin sah es hingegen von Anfang an düster aus. Für ihn hatte die Staatsanwaltschaft fast 20 Jahre Gefängnis verlangt - da wirkt das Urteil von sechs Jahren und drei Monaten geradezu milde. Ob und wann er in Haft muss oder ob er eine mögliche Berufung abwarten darf, war zunächst unklar. Cristina, die seit 1997 mit dem smarten Ex-Sportler verheiratet ist und vier Kinder mit ihm hat, scheint jedenfalls weiter von seiner Unschuld überzeugt, wie sie über ihren Anwalt verlauten ließ.

Schon seit Jahren lebt die Familie in Genf, wo sie auch das Urteil abwartete. 2015 musste Cristina im Rahmen des Verfahrens ihre 1000-Quadratmeter-Villa in Barcelona verkaufen, um das Geld für mögliche Schadenersatzansprüche zu hinterlegen. Jetzt erwägt sie offenbar, mit ihren Kindern nach Lissabon umzuziehen - eine Stadt, der sich das Königshaus schon lange eng verbunden fühlt. „Außerdem erlaubt es ihr Lissabon, ihrem Mann näher zu sein, wenn dieser ins Gefängnis geht“, schrieb „El País“.

Ob das Ende der Affäre für Cristina der Beginn einer Wiederannäherung an ihre Familie sein kann, weiß derzeit niemand so genau. Sie fühle sich „verlassen“, soll sie ihrer Schwester Elena gestanden haben.

Sogar bei der Krönung Felipes durfte sie nicht dabei sein. Ihren Herzoginnen-Titel hatte ihr der Bruder 2015 aberkannt, nachdem sich Cristina hartnäckig geweigert hatte, auf ihre Thronfolgerechte zu verzichten. Diese Weigerung soll auch Juan Carlos verärgert haben - und das, obwohl er selbst in Spanien schwer in Ungnade gefallen war, seit er 2012 an einer höchst umstrittenen Elefantenjagd in Botsuana teilgenommen hatte.

Fest steht: Die letzten Jahre waren ungewöhnlich schwer für die spanische Monarchie - da wirken Felipe und Letizia, die bisher noch von keinem Skandal erschüttert wurden, wie Balsam auf der verwundeten Seele der Bourbonen.

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erstellt am 17.Feb.2017 | 15:31 Uhr

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