28-jährige Türkin : Cilem Dogan erschießt ihren Mann und wird dafür gefeiert

Cilem Dogan hat sich gegen häusliche Gewalt zur Wehr gesetzt: Sie erschoss ihren Mann.
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Cilem Dogan hat sich gegen häusliche Gewalt zur Wehr gesetzt: Sie erschoss ihren Mann.

Ihr Mann wollte sie offenbar zwangsprostituieren: Die 28-jährige Türkin greift zur Waffe und drückt ab.

shz.de von
15. Juli 2015, 11:18 Uhr

Adana | Eine Türkin wird derzeit auf Twitter gefeiert, weil sie ihren Mann erschossen hat. Sie wurde verhaftet, bereut die Tat allerdings nicht. „Ich habe ihn getötet, um meine Ehre zu wahren“, zitiert die türkische Zeitung „Hürriyet“ Cilem Dogan kurz nach ihrer Verhaftung. Jahrelang ist sie nach eigener Aussage von ihrem Mann misshandelt worden. Als er sie schließlich zur Prostition zwingen will, nimmt sie eine Pistole und schießt sechs Mal auf ihren Mann.

Twitter-Fotos zeigen Dogan in Handschellen, beide Daumen in die Höhe haltend. Sie trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Dear past, thanks for all the lessons. Dear future, I am ready.“ Zu Deutsch: „Danke für die Lehren der Vergangenheit, die Zukunft kann kommen“.

Die 28-Jährige tötete ihren Mann, Hasan Karabulut, am 8. Juli in der gemeinsamen Wohnung in Adana. Später wurde sie im Haus ihres Vaters festgenommen, heißt es in dem Bericht. Demnach hatte sie der Polizei bereits zuvor angezeigt, dass sie von ihrem Mann geschlagen werde.

Nach ihrer Festnahme berichtete sie der Polizei, ihr Mann sei an dem Tag morgens nach Hause gekommen, hätte kurz geschlafen und sie dann aufgefordert, die Koffer zu packen. Auf ihre Frage nach dem Warum hätte er nur gesagt, sie würden nach Antalya fahren, um sie zu prostituieren. Als sie sich geweigert habe, schlug er sie und warf sie aufs Bett. Sie nahm die Waffe unter dem Kopfkissen hervor und schoss. Dann nahm sie ihre Tochter und verließ das Haus, sagte Dogan.

Laut Hürriyet starben seit dem 1. Januar mehr als 100 Frauen durch die Gewalt von Männern, davon waren die meisten mit den Tätern verwandt.

Auf Twitter wird Cilem Dogan für ihr Handeln gefeiert.

„Ich stimme dem was du getan hast zu 100% zu, nach all dem was dir passiert ist. Ich denke ich spreche für viele, wenn ich sage, dass die Welt hinter dir steht,“ schreibt einer.

„Das Gesetz konnte ihr nicht helfen, also half sie sich selbst“, schreibt ein anderer Nutzer.

„Warum sprechen wir nicht darüber? Sie ist eine Heldin, weil sie sich gegen Unterdrückung gewehrt hat“.

„Ich weiß nicht warum sie sie in ein Gefängnis werfen. Sie hat sich nur selbst verteidigt. Ein weiterer Fall von Machismo in der Gesellschaft“.

„Keine Reue, danke für die Lehrstunde für alle von uns. Cilem Dogan du bist nicht allein“.

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