Kommentar : „Charlie Hebdo“ – Kalashnikow gegen Worte

Wer die Presse- und Meinungsfreiheit nicht ertragen kann, hat in dieser Gesellschaft nichts zu suchen, sagt Stephan Richter.

shz.de von
08. Januar 2015, 06:59 Uhr

Flensburg | Mit ihrem Anschlag auf die Redaktion der Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ haben Terroristen auf die Herzkammer der Demokratie – die Pressefreiheit – gezielt. Sollten hinter der Tat Islamisten stehen, dann zeigt sich darin das wahre Gesicht der Dschihadisten. Sie verachten Menschen. und sie verachten die Freiheit. Tod und Unterdrückung ist ihr Ziel. Mit dem brutalen Anschlag sollen Journalisten und Medien eingeschüchtert werden.

Die Terroristen unterschätzen allerdings in ihrem blindwütigen Hass die Macht der Worte und der Bilder. Dank der Presse- und Meinungsfreiheit wurden Diktatoren gestürzt und ideologischen und religiösen Verführern die Masken vom Gesicht gerissen. Wie scharf das Schwert der Pressefreiheit ist, zeigt bei aller Trauer über die Opfer dieser Anschlag. Die Terroristen konnten offensichtlich das offene Wort, die Karikaturen nicht ertragen…

... aber sie werden es ertragen müssen, weil sich die freie Welt nicht ins Mittelalter zurückbomben lässt. Dass dies nicht passiert, ist auch ein Auftrag an den Rechtsstaat. Nicht nur die Täter, sondern auch deren mögliche Hintermänner müssen ermittelt und strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Nichts, aber auch gar nichts rechtfertigt dieses Blutbad.

Der Tod der Führungsspitze der französischen Satirezeitschrift macht zugleich klar, dass die Presse- und Meinungsfreiheit in westlichen Demokratien keineswegs selbstverständlich ist. Sie ist ein hohes Gut, das allerdings auch mutiger, unerschrockener Journalisten bedarf. Die Redakteure und Zeichner von „Charlie Hebdo“ lebten seit Jahren in Angst vor Attentaten. Sie haben trotzdem mit dem Mittel der Satire ihre Stimme gegen islamistische Auswüchse erhoben. Freie, offene Gesellschaften sind scheinbar leichte Opfer für skrupellose Terroristen. Aber sie besitzen auch die Kraft, aus freien Stücken zusammenzurücken. Den Gegnern der Demokratie muss die Stirn geboten werden. Es darf keine Toleranz für Hassprediger geben – egal, welcher Couleur.

Wer die Presse- und Meinungsfreiheit nicht ertragen kann, hat in dieser Gesellschaft nichts zu suchen.

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