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Nach Terroranschlägen in Brüssel : Charles Michel: Belgiens Premier war offenbar Anschlagsziel

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Auf einem beschlagnahmten Rechner wurden offenbar konkrete Hinweise auf weitere Anschläge gefunden. Die Polizei in New York warnte die Niederlande vor den Terror-Brüdern von Brüssel.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2016 | 16:59 Uhr

Den Haag | Nach belgischen Medienberichten könnte die Brüsseler Terrorzelle auch ein Attentat auf Belgiens Premierminister Charles Michel geplant haben. Auf der Festplatte eines sichergestellten Computers seien Pläne und Fotos vom Amtssitz und einer Wohnung des Regierungschefs entdeckt worden, berichteten die Zeitungen „De Tijd“ „L'Echo“ und „Le Soir“ am Mittwoch. Ein Sprecher bestätigte lediglich, dass es für die Gebäude seit einiger Zeit besonders strenge Sicherheitsvorkehrungen gebe.

32 Menschen kamen bei den Anschlägen am Brüsseler Flughafen und in der U-Bahn ums Leben, vier von ihnen starben später im Krankenhaus. 340 Menschen wurden verletzt. Das Attentat löste erneute Diskussionen um die Sicherheit an Flughäfen und öffentlichen Plätzen aus.

Der Computer mit den Fotos und Plänen war nach den Anschlägen am Dienstag vergangener Woche in einem Müllbehälter nahe einem Unterschlupf der Terrorzelle gefunden worden. Bestätigt ist bereits, dass sich auf dem Rechner auch eine Art Testament des Selbstmordattentäters Ibrahim El Bakraoui befand. Er werde „überall gesucht“, notierte El Bakraoui den Ermittlern zufolge vor seiner Terrortat, und sei deshalb „in Eile“.

Erst am Vormittag wurden neue Informationen bekannt, wonach die Polizei in New York die Niederlande eine Woche vor den Anschlägen über den radikalen Hintergrund von zwei Attentätern informierte. Wie Justizminister Ard van der Steur am Mittwoch dem Parlament in Den Haag mitteilte, meldete der Sicherheitsdienst der New Yorker Polizei am 16. März den kriminellen Hintergrund von Ibrahim El Bakraoui und den radikalen und terroristischen Hintergrund seines Bruders Khalid. Außerdem seien die Niederlande darüber informiert worden, „dass beide Brüder von den belgischen Behörden gesucht werden“, schreibt der Minister.

Einen Tag später, am 17. März, sei dies auch bei Gesprächen zwischen niederländischen und belgischen Polizeidiensten zur Sprache gekommen. Zuvor hatte der Justizminister angegeben, dass die Meldung vom amerikanischen FBI kam. Das sei ein Irrtum gewesen, räumte er nun ein.

Warum die Niederlande von der New Yorker Polizei über zwei belgische Staatsbürger informiert wurden, konnte der Minister noch nicht sagen. Die belgische Polizei hatte bereits am Vortag dementiert, aus den USA neue Warnungen erhalten zu haben. Ibrahim El Bakraoui (29) sprengte sich mit einem Komplizen am Flughafen in die Luft, sein Bruder Khalid (27) in der Metro-Station Maelbeek.

Noch immer unklar ist, wann am Brüsseler Flughafen wieder Passagiermaschinen starten und landen können. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren“, teilte der Airport am Mittwochvormittag mit. Ein konkreter Termin für die Wiederaufnahme des Betriebs könne aber noch nicht genannt werden. Anfang der Woche war zunächst dieser Mittwoch als mögliches Datum genannt worden. Am Dienstagabend kam dann aber die Nachricht, dass der Flughafen auch am siebten Tag nach den Attentaten für den Reiseverkehr geschlossen bleiben muss.

Bei dem Anschlag war die Abflughalle des Brüsseler Flughafens zerstört worden. Um den Passagierverkehr wieder aufnehmen zu können, wurden in den vergangenen Tagen in einem nicht zerstörten Teil des Airports provisorische Check-in-Schalter aufgebaut. Ein großer Test der neuen Abfertigung sollte an diesem Mittwoch ausgewertet werden.

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