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Deutsche Not-Ärzte : Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck gestorben

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Über Jahrzehnte setzte sich der Aktivist für Notleidende ein. Jetzt ist er mit 77 Jahren gestorben.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 14:15 Uhr

Köln | Der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 77 Jahren, wie ein Sprecher der Organisation mitteilte. Neudeck hatte 1979 Cap Anamur und 2003 das Friedenskorps Grünhelme ins Leben gerufen. Mehr als 11 000 vietnamesische Boat People retteten die Aktivisten von Cap Anamur in den 80er Jahren aus dem Chinesischen Meer.

Über Jahrzehnte hinweg setzte sich der Journalist für Notleidende und Flüchtlinge ein. In der aktuellen Flüchtlingsdebatte forderte er 2015 den Einsatz der deutschen Marine und eine langfristige Seenotrettung im Mittelmeer.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) twitterte am Dienstag: „Rupert Neudeck hat vielleicht das Größte geleistet, was ein Mensch überhaupt tun kann: Menschenleben retten.“

Sein Freund und Weggefährte Günter Wallraff sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Er war ein Heiliger unserer Tage. Bei Rupert Neudeck war Reden und Handeln eine Einheit. Es gibt für ihn keinen Ersatz.“

Die Grünhelme gründete Neudeck auch als Reaktion auf den 11. September 2001 - „damit wir nicht in Frontstellung gegen Muslime kommen“. Christen und Muslime arbeiten in der Organisation zusammen, errichten gemeinsam Schulen, auch in muslimischen Ländern wie Afghanistan.

„Wir werden zeitlebens nicht loskommen von der schönen Bürde, Eltern von Cap Anamur und den Grünhelmen zu sein“, hatte er 2014 zu seinem 75. Geburtstag der dpa gesagt. Mit seiner Frau Christel lebte Neudeck bescheiden in Troisdorf bei Bonn.

Bis zuletzt blieb Neudeck aktiv, warb für seine Initiativen und sammelte Spenden. Sein Engagement wurzelte in seinem christlichen Glauben - und in der eigenen Vergangenheit: Gegen Kriegsende war er mit seiner Familie von Danzig nach Westfalen geflohen, also selbst ein Flüchtling in Not gewesen.

Viele Auszeichnungen hat der dreifache Vater und mehrfache Großvater für sein beherztes Engagement erhalten. Darunter waren der europäische Sozialpreis (2006) und der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen (2007).

<p>Die Cap Anamur lI läuft im Jahr 1986 in den Hamburger Hafen ein.</p>

Die Cap Anamur lI läuft im Jahr 1986 in den Hamburger Hafen ein.

Foto: Peter Wüst/Archiv
 

Von 1979 bis 1987 gab es drei Schiffe mit dem Namen „Cap Anamur“ ein Gedenkstein im Hamburger Hafen berichtet über ihre Rettungsfahrten. Die kleine Anlage mit einem bronzenen Buch, zwei Steinlöwen, gepflegten Sträuchern und einem Wandbild liegt an der Hafenpromenade etwa auf Höhe der „Ricker Rickmers“.

Die „Cap Anamur I“ rettete ab 1979 in 29 Einsätzen insgesamt 9507 Menschen aus 194 Fluchtbooten. Nach dem letzten Einsatz lief sie am 26. Juli 1982 mit 285 Mann Besatzung direkt nach Hamburg ein. Die „Cap Anamur II“ fuhr 1986 nur drei Einsätze und rettete insgesamt 888 Menschen. Beim letzten Einsatz brachte sie 357 Menschen am 5. Sept 1986 nach Hamburg. Die „Cap Anamur III“ rettete bei drei Einsätzen 1987 insgesamt 905 Menschen und lief zuletzt den Hafen Rouen in Frankreich an.

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