Doppelbelastung : Burn-Out: Verantwortung für Familie macht Mütter krank

Burn-Out: Eine junge Mutter ist auf einer Treppe  zusammengebrochen.
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Burn-Out: Eine junge Mutter ist auf einer Treppe zusammengebrochen.

Arbeit und Familie unter einen Hut bringen: So sehr Mütter diese Ziele anstreben, im Alltag sind sie oft nur schwer zu verwirklichen. Das hat offenbar gesundheitliche Folgen.

shz.de von
22. Juni 2014, 14:28 Uhr

Berlin | Immer mehr Mütter in Deutschland leiden nach Ansicht von Experten unter Erschöpfung bis hin zum Burn-Out. Der Anteil der Mütter, die wegen psychischer Störungen beim Müttergenesungswerk (MGW) eine Kur machten, sei deutlich gestiegen. Lag er 2003 noch bei 49 Prozent, so seien es zehn Jahre später 86 Prozent gewesen. Das geht aus Daten des MGW hervor, die diese Woche in Berlin vorgestellt wurden. Es betreut etwa die Hälfte solcher Kuren in Deutschland.

Insgesamt nahmen 2013 rund 49.000 Mütter und 71.000 Kinder an Mütter- und Mutter-Kind-Kuren des MGW teil, das sind 2000 mehr als noch vor zehn Jahren. Als Ursachen für die psychischen Beschwerden gaben Frauen am häufigsten ständigen Zeitdruck und Einsatz für die Familie an. Belastend seien auch berufliche Anforderungen und zu wenig Anerkennung. Im Vergleich zu 2003 beklagten mehr Frauen auch Probleme in der Partnerschaft.

„Die Belastungen sind gesellschaftlich bedingt und die Erkrankung kein individuelles Versagen“, betonte die MGW-Kuratoriumsvorsitzende Dagmar Ziegler. Vielmehr sei der aktuelle Wandel familiärer Strukturen ein Gesundheitsrisiko: Die Arbeit in der Familie sei ungleich verteilt und der Lebensverlauf kaum mehr planbar. Zur Verantwortung für das Abschneiden der Kinder in der Schule kämen auch Gewalterfahrungen und Armut. Generell stünden Frauen in einem täglichen Widerspruch zwischen Erwartungen an Gleichberechtigung und „gelebter traditioneller Rollenerwartung“, sagte Ziegler. Die Frauen waren im Schnitt 37 Jahre alt und hatten durchschnittlich fünf Gesundheitsstörungen. Dazu zählten vor allem Rückenbeschwerden, starke Erschöpfung, Gereiztheit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen. 70 Prozent der Mütter waren erwerbstätig, viele in Teilzeit. Etwa ein Drittel der Frauen war Hauptverdienerin der Familie. Inwieweit eine veränderte Verschreibungspraxis zum Anstieg des Anteils psychischer Störungen als Ursache der Kuren beitrug, konnte das MGW nicht ermitteln.

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