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IS- oder PKK-Angriff? : Bombenanschlag auf Polizeiwache in Istanbul – mindestens vier Tote

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Eine Autobombe, Gefechte und Schüsse aufs US-Konsulat: Von wem die Angriffe in der türkischen Metropole ausgehen, ist noch unklar.

shz.de von
erstellt am 10.Aug.2015 | 10:45 Uhr

Istanbul | Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der türkischen Metropole Istanbul sind mindestens vier Menschen getötet worden. Bei den Toten handele es sich um einen Polizisten und drei Angreifer, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Zunächst sei in der Nacht zum Montag eine Autobombe vor der Wache detoniert. Dabei seien zehn Menschen verletzt worden, darunter drei Polizisten. Am frühen Morgen sei die Wache dann erneut angegriffen worden. Bei dem anschließenden Gefecht seien vier Menschen ums Leben gekommen.

Bei den beiden getöteten Angreifern handele es sich um eine Frau und einen Mann, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Der getötete Polizist sei der Leiter des Bombenentschärfungsteams gewesen.

Zunächst blieb unklar, wer die Tat begangen hat. Der Sender CNN Türk berichtete, es werde davon ausgegangen, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich sei. Auch die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK greift derzeit allerdings täglich türkische Sicherheitskräfte an. Ebenfalls in Betracht könnte die linksextreme Terrorgruppe DHKP-C kommen. Sie sorgte im März für Aufsehen, als sie einen Staatsanwalt in Istanbul zur Geisel nahm.

Die Gewalt eskaliert seit einem schweren Selbstmordanschlag im südtürkischen Suruc am 20. Juli, der dem IS zugeschrieben wurde. Dort riss ein Attentäter 32 Menschen mit in den Tod. Zwei Tage danach ermordeten PKK-Kämpfer zwei Polizisten, denen sie Kollaboration mit dem IS vorwarfen. Am 24. Juli griff die türkische Luftwaffe zunächst Stellungen des IS in Nordsyrien und dann solche der PKK im Nordirak an. Fast alle Luftangriffe seitdem galten der PKK.

Seit Beginn der Eskalation des Konflikts zwischen der PKK und der Regierung am 22. Juli wurden bei Anschlägen und Gefechten in der Türkei mehr als 40 Menschen getötet, die meisten davon Angehörige der Sicherheitskräfte. Anadolu meldete am Sonntag unter Berufung auf anonyme Sicherheitsquellen, bei den Luftschlägen seien bislang 390 PKK-Kämpfer getötet worden. Die PKK spricht dagegen von geringen eigenen Verlusten, allerdings seien viele Zivilisten getötet worden.

 

Angreifer eröffneten am Montagmorgen außerdem das Feuer auf das US-Konsulat in Istanbul. Zwei Terroristinnen hätten das Feuer auf die diplomatische Vertretung eröffnet, teilte der Gouverneur mit. Eine der Frauen sei verletzt festgenommen worden. Ansonsten wurden bei dem Angriff keine Verletzten gemeldet. Das US-Konsulat liegt rund 35 Kilometer Luftlinie von der angegriffenen Polizeiwache entfernt.

Bei einem weiteren Sprengstoffanschlag in der südosttürkischen Provinz Sirnak wurden am Montag vier Polizisten getötet, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Beim Beschuss eines Militärhubschraubers in derselben Provinz kam nach Armeeangaben ein Soldat ums Leben.

Vor der Wache im Istanbuler Viertel Sultanbeyli detonierte gegen 1 Uhr (Ortszeit/Mitternacht MESZ) eine Autobombe, wie Anadolu meldete. Der Gouverneur teilte mit, dabei seien ein Angreifer getötet sowie sieben Zivilisten und drei Polizisten verletzt worden. Später wurde die Wache beschossen. Bei dem anschließenden Gefecht starben nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA der Polizist, der das Bombenentschärfungsteam leitete, und zwei Angreifer, unter ihnen eine Frau.

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