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Tipps für sicheres Feuerwerk : Böller aus China und Polen: Zöllner beschlagnahmen tonnenweise Feuerwerk

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Ein Großteil der Knaller kommt über Polen und Tschechien aus China.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2016 | 11:56 Uhr

Bonn | Der Zoll beschlagnahmt in Deutschland immer mehr verbotene Böller und Raketen. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 151.000 große Feuerwerkskörper sowie 1,85 Tonnen kleinteiliges Feuerwerk - wie zum Beispiel einzelne Böller - sichergestellt, wie Zollsprecher Jürgen Wamser sagte. 2013 lagen diese Zahlen noch bei 93.000 Stück plus 660 Kilogramm.

Und der Trend setzt sich fort. „Für 2016 zeichnet sich eine deutlich steigende Tendenz ab“, sagte Wamser. Eine absolute Zahl in Tonnen der größeren Pyrotechnik werde statistisch beim Zoll auf Bundesebene nicht erfasst. Kleinere hingegen werden in Tonnen erfasst, weil der Zählaufwand hierfür zu groß wäre.

Regeln und Tipps für ein sicheres Silvesterfeuerwerk:

Foto: dpa Infografik
 
Sicher böllern: Darauf sollten Sie beim Kauf achten

Verbraucher kaufen besser nur gekennzeichnete Silvesterböller, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. „Ein CE-Zeichen ist Pflicht“, erklärt Klaus Gotzen vom Verband der pyrotechnischen Industrie. Hinter dem Zeichen steht eine vierstellige Nummer. Auch das Kürzel F2 ist auf dem Knaller zu sehen.

F2 ist die Feuerwerkskörper-Kategorie, in die Böller und Raketen fallen, die zwischen 29. und 31. Dezember verkauft werden dürfen. Diese Kategorie bedeutet „geringe Gefahr“. Ein weiteres Kennzeichen ist das Siegel der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), bestehend aus den Kürzeln BAM, F2 und einer Zahl. Es zeigt an, dass Feuerwerk die im Vergleich zu den EU-Regeln strengeren Vorgaben in Deutschland einhält.

Aber auch Pyrotechnik mit CE-Zeichen darf hierzulande nur verkauft werden, wenn es geltende Vorgaben einhält, erklärt Gotzen. Böller dürfen etwa keinen Blitzknallsatz enthalten, obwohl dieser laut EU-Regelungen in geringen Mengen zulässig ist.

Böller ohne Kennzeichnung sind gefährlich und unberechenbar. „Die Wirkung nicht gekennzeichneter Ware ist nicht einzuschätzen“, sagt Mechthild Winkelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wer seine Knaller und Raketen in Supermärkten oder Drogerien kauft, könne fast hundertprozentig sicher sein, dass er geprüfte Produkte bekommt, sagt Gotzen. Von Käufen im Ausland, auf Flohmärkten sowie von fliegenden Händlern rät er dagegen ab.

 

Einer der größten Funde gelang dem Zoll Ende November an der deutsch-polnischen Grenze bei Forst in Brandenburg. Ein Lastwagen wurde mit fünf Tonnen illegaler Pyrotechnik auf dem Weg nach Belgien gestoppt. Dabei war der Laster weder speziell für solche Transporte gesichert, noch verfügte der Fahrer über eine Sicherheitslizenz.

Vermehrt seien in letzter Zeit derart große Ladungen gestoppt worden, erklärte die Sprecherin des Hauptzollamts Frankfurt an der Oder, Astrid Pinz. Das sei besorgniserregend, weil so ein Laster ein echter Gefahrguttransport mit jeder Menge Sprengstoff an Bord sei.

Böllermarkt in Deutschland - Zahlen und Fakten

- Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) rechnet in diesem Jahr mit 133 Millionen Euro Silvesterumsatz, so viel wie zum Jahreswechsel 2015/2016. Etwa 75 Prozent der Feuerwerkskörper sind laut VPI importiert.

- Für den deutschen Markt bestimmte Knallkörper müssen geprüft und gekennzeichnet sein, bevor sie verkauft werden dürfen. Sie dürfen maximal sechs Gramm Schwarzpulver enthalten. Sehr viel stärker reagierende Blitzknallsätze, die schwere Verletzungen verursachen können, sind nicht erlaubt.

- Der Zoll stellte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr als 151.000 Stück größere illegale Pyrotechnik sowie 1,85 Tonnen kleinteiliges illegales Feuerwerk - wie etwa Böller - sicher.

- Feuerwerksprodukte der Kategorie 2 (ab 18 Jahren) dürfen nur an den letzten drei Werktagen im Jahr verkauft werden - in diesem Jahr also vom 29. bis zum 31. Dezember. Dann werden 80 bis 95 Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet.

- Unter die Kategorie 2 fallen beispielsweise Raketen, Batterien und Böller. Sie dürfen ohne besondere Genehmigung nur in der Zeit vom 31. Dezember bis zum 1. Januar abgebrannt werden - allerdings nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern sowie Kinder- und Seniorenheimen.

- Bei der Silvesterknallerei sind vor allem Batterien und Verbundfeuerwerk beliebt. Einmal angezündet, erzeugen sie minutenlang eine Vielzahl von Knall-, Leucht- und Knistereffekten. Auch Raketen werden nach wie vor gerne in die Luft geschossen.

Das illegale Feuerwerk, dass meist aus China stammt, erreicht Deutschland meist über Polen oder Tschechien. Organisierte Kriminelle setzten zuletzt aber auch vermehrt auch auf den Internethandel, erklärte Zollsprecher Andre Lenz. Über die Zusammenarbeit mit Postfirmen sei die Zollfahndung auch an diesem Phänomen dran. Schwieriger sei es hingegen, kleine Internet-Bestellungen von Privatleuten im EU-Ausland zu verhindern.

Auch der kleine Grenzverkehr beispielsweise über die Oder macht dem Zoll zu schaffen. Vielen Käufern sei beim Einkauf egal, wie brandgefährlich die Böller seien. Niemand wisse bei den chinesischen Fabrikationen genau, wie viel Schwarzpulver und andere Chemikalien in den Knallern enthalten seien.

Die Bundesanstalt für Materialforschung warnt: „Diese Pyrotechnikartikel können zu erheblichen Verletzungen führen.“ Geprüftes Feuerwerk erkenne man an der Registriernummer und dem CE-Zeichen.

Dieses Sicherheitsprüfzeichen allein schütze aber nicht vor bösen Überraschungen, erklärte der Frankfurter Zöllner Siegmund Poloczek. Auf den polnischen Märkten seien auch Profiböller der Klasse 3 und 4 zu haben, die in Deutschland nur für ausgebildete Pyrotechniker zugelassen sind. Mit „Rohrbomben“ und Knaller-Batterien, die es locker auf 20 Kilo bringen können, können ganze Autos in die Luft gejagt werden.

Schwerste Verletzungen seien bei Laien nicht auszuschließen, weil diese Böller normalerweise mit einem elektrischen Signal über eine Zündschnur aus einer sicheren Entfernung gezündet werden. Will jemand mit einem Feuerzeug so einen Profiböller zünden, explodiert der sofort.

Übrigens: Das Einschmuggeln von illegalen Feuerwerks- und Knallkörpern ist kein Kavaliersdelikt und wird hart bestraft. So sind nach dem Sprengstoffrecht bis zu zu drei Jahre Gefängnis möglich. Außerdem müssen Schmuggler für die fachgerechte Entsorgung durch Sprengstoffexperten aufkommen, so Wamser.

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