Drogenhandel : Blühender Mohn: In Afghanistan wird dieses Jahr die größte Opiumernte erwartet

Mohn

Wo früher Weizenfelder standen, reihen sich heute Mohnfelder an Mohnfelder.

Seitdem die Taliban ihre Machtstellung in dem Land weiterausbauen, floriert auch der Anbau des Schlafsmohns.

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17. August 2017, 12:28 Uhr

Kabul | Afghanistan bringt in diesem Jahr wohl die größte Opiumernte seiner Geschichte ein. Satellitenbilder aus Helmand im Süden zeigen kaum noch andere Pflanzen.

Das Land ist schon lange berüchtigt als das Herz der globalen Drogenproduktion. 70 bis 90 Prozent des weltweiten Opiums  sind in den vergangenen Jahren  aus Afghanistan gekommen. 2016 gab es mit geschätzten 4800 Tonnen Opium eine der drei größten jemals registrierten Ernten. In diesem Jahr wird sie möglicherweise alles bisher Dagewesene übersteigen.

Rohopium wird aus Mohn hergestellt und dient als Basis für die Herstellung von Heroin.
dpa

Rohopium wird aus Mohn hergestellt und dient als Basis für die Herstellung von Heroin.

Zahlen fehlen noch, aber David Mansfield, Experte zum Thema und Autor vieler Studien, sagt: „Es besteht wenig Zweifel, dass die Ernte in diesem Jahr die größte wird, die Afghanistan jemals hatte.“ Die Anbaufläche sähe noch größer aus als „die 22.400 Hektar aus 2014.“ Mansfield und seine Kollegen vom afghanischen Rechercheinstitut AREU werten komplexe Serien von geografischen Daten aus und forschen in mehreren Provinzen.

Weizenfelder machen Platz für den Mohnanbau

Allein in der südafghanischen Provinz Helmand, die mit Abstand das meiste Opium hervorbringt, sehen sie eine Expansion der Felder in ehemalige Wüstengebiete. Ein afghanischer Experte, der namentlich nicht genannt werden darf, stimmt zu. „Auf Satellitenbildern von Helmand sehen wir kaum noch Weizenfelder. Alles ist Mohn.“

In einigen Gegenden von Helmand, wie in Samin Dawar, gebe es dank neuer Pflanzensorten mittlerweile drei Ernten pro Jahr, sagt Haschim Alokosai, ein Senator aus Helmand. Es geht aber nicht mehr nur um den Anbau. Früher wurde das Rohopium oft im Ausland weiterverarbeitet; Opium ist der Grundstoff für viele verschiedene Drogen, unter anderem Heroin. Heute seien „Drogenfabriken von internationalem Standard“ in den Bezirken Musa Kala, Waschir und Nausad, sagt Alokosai.

Die Taliban ist der große Gewinner

Die radikalislamischen Taliban beeinflussen oder kontrollieren rund elf Prozent des Landes und kämpfen um weitere 30 Prozent. Die UN sehen in einem neuen Bericht zu den sozio-ökonomischen Umständen des Opium-Booms die meisten Anbaugebiete in Gegenden in die Taliban vorherrschen. In ihnen gibt es weniger Regierungsleistungen, weniger Sicherheit und damit weniger Zugang zu Märkten, um andere Produkte verkaufen zu können. „Schlafmohn ist eine natürliche Wahl für Bauern im Krieg, es birgt wenige Risiken in einer Hochrisiko-Umgebung“, sagt Jelena Bjelica vom Rechercheinstitut Afghanistan Analysts Network (AAN).

Damit sind die Taliban die Hauptverdiener im Geschäft um den Schlafmohn. Die wachsenden Anbauflächen in ihren Gebieten lassen sie besteuern und nehmen für den Schmuggel Schutzgelder. Laut UN-Sicherheitsrat haben sie 2016 etwa die Hälfte ihres Einkommens aus den Drogen bezogen - bis zu 400 Millionen Dollar.

Mohn
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Mohnernte in Afghanistan.

Korrupte Regierungsbeamten

Hinzu kommt,  dass Regierungsbeamte „ihre schmutzigen Hände im Geschäft“ haben, sagt Senator Alokosai bitter. Zum Beispiel: „Eine Spezialeinheit, die Opium-Vorräte finden und verbrennen soll, registriert nur einen kleinen Teil der Drogen, die sie findet.“ Den Rest verkaufen die Männer. Das Drogengeld macht korrupte Beamte reich und damit einflussreich. Es hält die an der Macht, die das Geschäft noch besser beschützen und Gegenmaßnahmen hintertreiben können.

Kein Geld für den Kampf gegen Drogen

Der Senator Alokosai aus Helmsand ist einer der wenigen, der offen ausspricht, was in Afghanistan vorgeht. Die Stille um das Thema ist bezeichnend. Die internationale Gemeinschaft scheint aufgegeben zu haben. Projekte und Büros werden seit Jahren schlechter finanziert. Berichte sind rar und oft kurz. Weder Mitarbeiter des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) noch Experten der Regierung wollen namentlich zitiert werden. Es ist teilweise „Verlegenheit über ein monumentales Versagen“, wie ein westlicher Diplomat es nennt.

Allein die USA haben laut einem Bericht des Spezialinspekteurs des US-Senats für den Wiederaufbau in Afghanistan seit 2002 rund 8,5 Milliarden Dollar für die Drogenbekämpfung ausgegeben sagt John Sopko.

Trotzdem gab es 2016 Schlafmohn in jedem dritten Dorf. In einem Papier des Ost-West-Instituts über die Versuche, alternative Einkommensquellen für Bauern zu schaffen, heißt es 2016, Regierungs- und Geber-Initiativen seien weder konsistent noch breit unterstützt gewesen, und Programmen habe es an Fachwissen gefehlt.

Teufelskreis aus Drogen, Abhängigkeiten und Gewalt

Das Wachstum der Drogenindustrie, befeuert nicht nur vom Krieg, sondern auch von mehr Heroinsüchtigen weltweit, ist aber mehr als eine Frage der Kriminalitätsbekämpfung. Für Afghanistan ist es Frage von Leben und Tod.

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