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Unwetter in Deutschland : Blitzeinschlag bei „Rock am Ring“: 90.000 Besucher müssen abreisen

vom

Ein Gewitter hatte sich direkt über das Festivalgelände geschoben. Zwei Fans mussten reanimiert werden.

Mendig | Die Unwetter in Deutschland hören nicht auf: Im tiefen Schlamm haben Tausende von Besuchern am Sonntag nach Abbruch des Festivals „Rock am Ring“ den Heimweg angetreten. Die Campingplätze in Mendig in der Eifel waren kurz nach Mittag weitgehend geräumt, wie ein Polizeisprecher sagte.

Bis 12 Uhr sollten die Plätze auf Anordnung der Behörden leer sein, da am früheren Nachmittag neue Gewitter mit Böen erwartet wurden. Die Verbandsgemeinde Mendig in Rheinland-Pfalz hatte in der Nacht die Genehmigung für die Fortsetzung der Veranstaltung mit rund 90.000 Besuchern entzogen.

Konzertveranstalter Marek Lieberberg sprach am Sonntag von einem Fall „höherer Gewalt“. Man habe sich der Anordnung gebeugt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Anders als die Behörden hätte man aber gerne am Sonntag das Festival zum Abschluss gebracht. Dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) warf Lieberberg vor, die Verantwortung für die Absage auf die Gemeinde abgeschoben zu haben.

Am Samstagabend hatte es bis in den frühen Morgen nach mehrstündiger Unterbrechung wegen Unwetter noch einmal ein Konzert auf zwei Bühnen gegeben. Dabei jubelten Zehntausende von Rockfans der kalifornischen Band Red Hot Chili Peppers zu. Am Freitagabend waren mehr als 80 Menschen bei einem Blitzeinschlag auf dem Gelände verletzt worden.

Nach dem Blitzeinschlag bei „Rock am Ring“ verzögert sich die Fortsetzung des Musikfestivals.
Nach dem Blitzeinschlag bei „Rock am Ring“ verzögert sich die Fortsetzung des Musikfestivals. Foto: dpa
 

Ein Gewitter hatte sich am Freitagabend direkt über das Festival geschoben. Die Live-Auftritte waren etwa eineinhalb Stunden lang unterbrochen. Zahlreiche Krankenwagen rasten herbei. Rund 90.000 Fans harrten auf dem Flugplatz Mendig in Rheinland-Pfalz aus. Im vergangenen Jahr hatte das Wetter ebenfalls üble Folgen - damals wurden nach Blitzeinschlägen bei „Rock am Ring“ 33 Menschen verletzt.

Vor allem in Teilen von Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland erwartete der DWD am Samstag weiter heftige Gewitter mit Starkregen. Örtlich müsse mit 25 bis 40 Litern Regen pro Quadratmeter gerechnet werden.

In Baden-Württemberg mussten im besonders betroffenen Ort Schwäbisch Gmünd am Samstag zeitweise 23 Menschen aus fünf Häusern ihre Wohnungen verlassen. Ein vom Regen gelockerter Berghang drohte auf sie zu stürzen. Regen unterspülte zudem viele Straßen im Land und ließ Gewässer über die Ufer treten. Die Landesregierung versprach Soforthilfen für die Opfer der Flut und will vorsorgen - denn die Gefahr neuer Unwetter ist laut Vorhersagen noch nicht gebannt. Vor rund einer Woche hatten Gewitter und Starkregen eine Spur der Verwüstung in Baden-Württemberg hinterlassen. Vier Menschen kamen dabei ums Leben, darunter zwei in Schwäbisch Gmünd.

Auch Autobahnen blieben von den Folgen der Schauer nicht verschont: Die A8 nahe Pforzheim wurde von Starkregen unterspült und beschädigt. Eine Spur in Fahrtrichtung Karlsruhe bleibe vorerst gesperrt bis der Schaden behoben werden könne, teilte die Polizei mit. Nahe der Anschlussstelle Pforzheim-Ost hatte Regenwasser den Fahrbahnbelag absacken lassen. Es entstand ein Loch.

Weiterhin viel zu tun gab es auch in dem am stärksten betroffenen Ort Braunsbach im Kreis Schwäbisch Hall. Dort hatten zuletzt auch Flüchtlinge den Hochwassergeschädigten geholfen. Innenminister Thomas Strobl (CDU) wollte am Samstag erneut in die Region reisen, um sich diesmal in Künzelsau ein Bild von der Lage zu machen.

In Köln kämpften Feuerwehrleute fast bis zur Erschöpfung gegen ein Unwetter. Ein hilfloser Mensch sei in der Nacht aus dem Rhein gerettet worden, hieß es. Die Kölner Feuerwehr rückte in kürzester Zeit zu rund 200 Einsätzen aus.

Auch in Bayerns besonders heftig getroffenen Unwettergebieten gehen die Aufräumarbeiten weiter. „Von Entspannung kann aber noch nicht die Rede sein“, sagte der Bürgermeister von Simbach am Inn, Klaus Schmid. Nach seinen Informationen gibt es keine Vermissten mehr. Jetzt gelte es, die Strom- und Wasserversorgung wieder herzustellen. Hunderte Einsatzkräfte säuberten die Straßen von Müll und Schlamm. Auch mehr als 100 freiwillige Helfer waren im Einsatz. Sieben Menschen waren bei der Hochwasserkatastrophe ums Leben gekommen.

Am Samstagmorgen hatte auch die Auszahlung der Soforthilfe - die Behörden sprechen von Sofortgeld - in Simbach begonnen. Jeder betroffene Haushalt erhält 1500 Euro, um das Notwendigste zu kaufen. Hunderte Häuser waren allein in Simbach von der schlammigen Flutwelle durchspült worden. Viele Bewohner kommen noch immer nicht in ihre Häuser. Manche tragen seit Mittwoch dieselbe Kleidung.

Im oberfränkischen Landkreis Coburg rettete die Feuerwehr etliche Rinder aus einem überfluteten Stall. Straßen waren hier wegen umgestürzter Bäume und übergelaufener Gullydeckel gesperrt.

Meteorologen staunen über die Heftigkeit der Unwetter, die zurzeit über Deutschland toben. Ausmaß und Dauer seien „absolut außergewöhnlich“, hieß es vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

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erstellt am 05.Jun.2016 | 14:14 Uhr

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