Top-Ten der „schrägsten Arten“ : Bizarre Entdeckungen: Von Quasimodo-Krebs bis Vulkan-Bakterium

<p>Diese neue Orang-Utan-Art, 'Pongo tapanuliensis', wurde auf Sumatra in Indonesien entdeckt.</p>

Diese neue Orang-Utan-Art, "Pongo tapanuliensis", wurde auf Sumatra in Indonesien entdeckt.

Ein nach dem Glöckner von Notre-Dame benannter Krebs, ein Menschenaffe und ein vulkanisches Bakterium: Zum elften Mal haben US-Forscher ihre Top-Ten der „schrägsten Arten“ veröffentlicht.

shz.de von
23. Mai 2018, 18:15 Uhr

New York | Ein nach dem Glöckner von Notre-Dame benannter Krebs, ein Menschenaffe und ein vulkanisches Bakterium: Das Institut für Artenforschung der State University of New York hat am Mittwoch seine jährliche Liste der zehn bizarrsten Entdeckungen veröffentlicht. Die „Top Ten“ stammten aus den verschiedensten Teilen der Welt und seien aus insgesamt 18.000 nun entdeckten Arten ausgewählt worden, teilte das Institut mit.

Den Krebs „Epimeria quasimodo“ entdeckten Forscher im antarktischen Ozean und benannten ihn nach dem Glöckner von Notre-Dame aus dem 1831 veröffentlichten französischen Roman von Victor Hugo – wegen seines buckelartigen Rückens. Das Tier ist etwa 50 Millimeter lang und weit verbreitet. Forscher dachten lange, dass es längst bekannt sei, doch nun wiesen zwei belgische Wissenschaftler nach, dass es sich tatsächlich um eine neue Krebsart handelt.

Auf ganz besondere Weise versteckt sich der in Costa Rica entdeckte und nur 1,5 Millimeter lange Käfer „Nymphister kronaueri“: Die Art lebt ausschließlich bei nomadischen Wanderameisen. Wenn diese sich an einem Ort aufhalten, bewegt der Käfer sich frei und sucht nach Nahrung. Ziehen sie aber los, hält er sich mithilfe einer Art Zähne am Bauch einer Ameise fest und zieht mit. Der Käfer sieht exakt genauso aus wie der Bauch, weswegen es dabei auf den ersten Blick wirkt, als hätte die Ameise zwei Bäuche.

Einen weiteren neuen Käfer entdeckten Forscher in China: „Xuedytes bellus“ lebt in ewiger Dunkelheit in tiefen Höhlen. Die etwa neun Millimeter lange Art hat einen deutlich verlängerten Kopf und vorderen Brustbereich. Ebenfalls in der Dunkelheit entdeckten Wissenschaftler den Tiefseefisch „Pseudoliparis swirei“. Der etwa elf Zentimeter lange Fisch wurde im Marianengraben in mehr als 8000 Meter Tiefe gesichtet.

Das Bakterium „Thiolava veneris“ fand nach dem Ausbruch des Unterwasservulkans Tagoro bei der kanarischen Insel El Hierro gute Lebensbedingungen. Einige Jahre nach dem Ausbruch 2011 entdeckten Forscher am Gipfel des Vulkans eine rund 2000 Quadratmeter große weiße Matte – Venushaar genannt – die sich als von dem Bakterium geformte Struktur herausstellte.

Nicht alle entdeckten Arten sind klein: Der in Brasilien gefundene Baum „Dinizia jueirana-facao“ kann bis zu 40 Meter hoch und bis zu 56.000 Kilogramm schwer werden, seine Frucht wird einen halben Meter lang. Allerdings sind von dem Baum bislang nur 25 Exemplare bekannt, er gilt deshalb als vom Aussterben bedroht.

Ebenfalls vom Aussterben bedroht ist eine neue Orang-Utan-Art, „Pongo tapanuliensis“, die auf Sumatra in Indonesien entdeckt wurde. Bislang wurden nur rund sechs verschiedene Menschenaffen-Arten identifiziert. Forscher konnten nun aber nachweisen, dass eine isolierte Population im Süden von Sumatra eine eigene Art von Orang-Utans darstellt – von denen es allerdings nur noch rund 800 Exemplare gibt.

Weibchen werden rund 1,2 Meter groß, Männchen 1,5 Meter. Das Fossil einer bereits ausgestorbenen Art fanden Wissenschaftler in Australien. „Wakaleo schouteni“, ein Beuteltier, lebte vor rund 23 Millionen Jahren in den Wäldern des heutigen Australiens, zeitweise in den Bäumen, und ernährte sich wohl von Fleisch und Pflanzen.

In Japan fanden Wissenschaftler die Pflanze „Sciaphila sugimotoi“, die von einem Pilz lebt. Die knapp zehn Zentimeter große Pflanze blüht im September und Oktober. Nur rund 50 Exemplare sind bekannt.

An einem völlig unerwarteten Ort entdeckten Forscher den Einzeller „Ancoracysta twista“: In einem Aquarium in San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien. Gefunden wurde der Einzeller an einer Koralle – wo und wie er in der Natur lebt, wissen die Forscher noch nicht.

Weitere zehn Millionen Tier- und Pflanzenarten – fünfmal mehr als bereits bekannt – warten demnach weltweit noch auf ihre Entdeckung. Mit den seit 2008 jährlich veröffentlichten „Top Ten“ wollen die Forscher auf die Vielfalt im Tier- und Pflanzenreich und die drohende Ausrottung vieler Arten aufmerksam machen.

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