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Illegale Autorennen : BGH Urteil: Härtere Strafen für Raser

vom

Allein in Köln starben 2015 drei Unbeteiligte bei unerlaubten Rennen. Ein Fall soll jetzt neu verhandelt werden.

Karlsruhe | Eine Radfahrerin stirbt bei einem illegalen Autorennen. Die zwei jungen Raser aus Köln kommen jetzt voraussichtlich doch ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof hob am Donnerstag das Urteil des Kölner Landgerichts teilweise auf, weil die Haftstrafen gegen die Männer zur Bewährung ausgesetzt waren. Hier gebe es Begründungsmängel. Die Höhe der Strafen wegen fahrlässiger Tötung beanstandeten die Richter aber nicht.

Erst am Donnerstag, 29. Juni, beschloss der Bundestag, die Strafen für illegale Straßenrennen zu verschärfen. Wenn die Fahrer dabei das Leben eines Menschen gefährden, müssen sie mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Wer dabei jemanden tötet oder schwer verletzt, kann bis zu zehn Jahre in Haft kommen.

Die damals 21 und 22 Jahre alten Männer hatten sich im April 2015 ein spontanes Rennen geliefert. Bei Tempo 95 in der Stadt schleuderte eines der Autos aus der Kurve und traf auf dem Radweg eine 19 Jahre alte Studentin, die später starb. Die Kölner Richter verurteilten den Fahrer des Unfallwagens zu zwei Jahren und den zweiten Raser zu eindreiviertel Jahren Haft - auf Bewährung. Dies hielt der BGH-Prüfung nicht stand.

Dritter „Kölner-Raser-Fall“: Revision gescheitert, Haftstrafe gerechtfertigt

Das der Bundesgerichtshof das Strafmaß erhöht, war abzusehen: Beim dritten „Kölner-Raser-Fall“ zog der Angeklagte wegen zu hohen Strafmaßes Anfang 2017 vor den Bundesgerichtshof, er musste ins Gefängnis, seine Revision scheiterte. Der damals 27-Jährige fuhr am 10. Juli 2015 mit einem gemieteten BMW durch die Kölner Innenstadt. In einem weiteren Leihauto, einem Mini Cooper, saßen zwei weitere Freunde. Nach Angaben des Bundesgerichtshofs hätten die Beweise nicht bestätigt, dass die beiden Fahrer sich - abgesehen von einem  „gewissen Aufstachelungsgefühl“ - ein Rennen geliefert hätten. Mit über 100 Kilometer pro Stunde jagten sie über die Aachener Straße.

Mahnwache zu Ehren des angefahrenen Radfahrers im Juli 2015, der seinen Verletzungen erlag.

Mahnwache zu Ehren des angefahrenen Radfahrers im Juli 2015, der seinen Verletzungen erlag.

Foto: Oliver Berg/dpa

Dort stieß der BMW mit dem Mini zusammen. Der Fahrer des BMW verlor die Kontrolle über das Auto und überschlug sich. Dabei prallte der Pkw gegen eine Ampelanlage und traf einen 26-jährigen Radfahrer. Drei Tage lang kämpfte der junge Mann gegen den Tod. Am Ende erlag er seinen schweren Kopfverletzungen. Der Unfallverursacher wurde zu zwei Jahren und neun Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Führerschein wurde ihm für dreieinhalb Jahre entzogen. Der 27-Jährige ging ihn Revision und scheiterte.

Erster „Kölner-Raser-Fall“: Landgericht fällt Urteil nach Jugendstrafrecht

Bereits drei Wochen vor dem zweiten Raser-Unfall in Köln, es war der 26. März 2015, krachte ein 19-Jähriger mit einem Pkw in ein Taxi. Er lieferte sich zuvor, laut Angaben der Polizei, ein Rennen mit einem anderen 19-Jährigen die Aachener Straße entlang. Sie überfuhren eine rote Ampel. Dann kam es zum Unfall. Ein 49-jähriger Fahrgast starb im Krankenhaus, der Taxifahrer wurde schwer verletzt, weitere Insassen des Fahrzeuges leicht. Das Strafmaß fiel vergleichsweise gering aus, die Angeklagten wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Das Amtsgericht Köln verhängte Bewährungsstrafen. Der Verursacher des Unfalls wurde zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Kontrahent in dem Rennen bekam ein Jahr.

Neben den drei bekannten „Kölner-Raser-Fällen“ gab es in den vergangenen Jahren weitere Gerichtsverfahren, die sich mit mutmaßlichen Straßenrennen auseinandersetzten.

Juni 2017 Mönchengladbach

Drei Wagen rasen durch die Innenstadt, eine Lärmschutzzone mit erlaubten 40 Kilometer pro Stunde. Sie sind mehr als doppelt so schnell unterwegs. Ein 28-Jähriger startet ein riskantes Überholmanöver und verliert dabei die Kontrolle über sein Fahrzeug. Ein 38-jähriger Fußgänger überquert gerade die Straße und wird von dem Fahrzeug erfasst. Er wird beim Zusammenprall mit dem Auto so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle stirbt. Die Polizei wertet den Fall als Mord.

Während tödliche Unfälle früher vor allem als fahrlässige Tötungen verhandelt wurden, sitzt der Mönchengladbacher Unfallfahrer wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Der 28-Jährige hat den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen und das Auto als gemeingefährliches Mittel eingesetzt, davon ist die Staatsanwalt überzeugt.

 

August 2016 bei Überherrn im Saarland

Drei junge Männer sind in getunten Autos unterwegs, es kommt zu einem Unfall, ein 14-jähriges Mädchen stirbt. Ein 16-Jähriger erleidet schwere Verletzungen. Der Angeklagte geht zu schnell in eine Kurve und verliert die Kontrolle übers einen Pkw. Doch weil sich nicht beweisen lässt, dass es sich um ein illegales Autorennen handelte, steht der 23 Jahre alte Unfallverursacher nicht wegen Mordes, sondern nur wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht Saarlouis.

Das Amtsgericht Saarlouis verurteilt den Fahrer wegen fahrlässiger Tötung, vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung. Er muss für drei Jahre ins Gefängnis. Das Gericht bleibt damit nur leicht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die drei Jahre und vier Monate gefordert hat. Der Verteidiger hatauf eine Bewährungsstrafe plädiert.

Der Richter verweißt in seiner Begründung auch auf „generalpräventive Erwägungen“ und auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe. Dieser hat ein Urteil des Kölner Landgerichts gegen zwei Männer teilweise aufgehoben, weil die Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt waren.

Mai 2016 in Hagen

Bei einem illegalen Autorennen in Hagen in Nordrhein-Westfalen werden fünf Menschen schwer verletzt, darunter zwei Kinder. Zwei 33 und 46 Jahre alte Autofahrer hatten sich in der Nähe der Fernuni Hagen ein Rennen geliefert. Als eine 76 Jahre alte Autofahrerin mit ihrem Kleinwagen am Fahrbahnrand losfuhr, wollte der 46-Jährige den Ermittlungen zufolge ausweichen und geriet dabei in den Gegenverkehr.

Das Hagener Landgericht verurteilelt den 46-Jährigen zu einem Jahr Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Der vorbestrafte Mitangeklagte erhält dagegen eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die er absitzen muss. Der Gerichtshof geht nicht davon aus, dass sie sich zu dem Straßenrennen verabredet hatten.

Mai 2016 in Berlin-Tegel

Nach einem Autounfall werden zwei Schwerverletzte aus einem brennenden Wagen gerettet. Ein Mercedes und ein BMW waren nebeneinander eine Straße entlanggerast. Möglicherweise lieferten sich die Fahrer ein illegales Rennen, bis der Mercedes gegen einen Baum krachte und in Brand geriet.

Februar 2016 in Berlin

In der Nähe der Berliner Gedächtniskirche fahren zwei junge Raser ein tödliches Rennen. Eines der Autos stößt mit einem Geländewagen zusammen, dessen 69 Jahre alter Fahrer stirbt.

Im Prozess um das illegale tödliches Autorennen sind die beiden Angeklagten wegen Mordes verurteilt worden. Sie wurden vom Landgericht zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Damit folgte das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft

Trotz Revision gegen das Urteil musste der Unfallverursacher und sein Kontrahent weiter in Untersuchungshaft bleiben. Sie kommen bis zur Prüfung durch den Bundesgerichtshof nicht auf freien Fuß.

Januar 2016 in Ludwigshafen

Bei einem illegalen Rennen verliert ein Fahrer die Kontrolle über seinen Wagen und prallt gegen einen Baum. Auf dem Rücksitz des Autos stirbt eine 22 Jahre alte Frau, zwei weitere Mitfahrer werden schwer verletzt.

Dezember 2015 in Karlsruhe

Zwei Autofahrer liefern sich ein Rennen, bis es zum Unfall kommt. Beide Wagen rammen mehrere unbeteiligte Autos. Sechs Menschen werden verletzt, zwei von ihnen schwer.

Juli 2015 in Köln

Ein BMW stößt bei hohem Tempo mit einem Mini zusammen. Der BMW-Fahrer verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug, überschlägt sich mehrmals, kollidiert mit Ampelanlagen und trifft schließlich einen 26-jährigen Radfahrer. Drei Tage lang kämpfte der Radler gegen den Tod. Doch er erlag seinen schweren Kopfverletzungen. Alles deutet auf ein vorangegangenes Rennen hin. Der Unfallverursacher, ein 27-jähriger Student, wird im Mai 2016 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Dreieinhalb Jahre wird dem Mann der Führerschein entzogen.

April 2015 in Köln

Zwei junge Männer rasen durch die Innenstadt. Bei Tempo 100 verliert einer der beiden die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto erfasst eine 19 Jahre alte Radfahrerin, die tödlich verletzt wird. Im Prozess waren die Verursacher des Unfalls Mitte April zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Nach Auffassung des Landgerichts hatten die Angeklagten sich spontan über eine Strecke von mehreren Kilometern ein Kräftemessen geliefert. Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, die beiden Autos seien mit hohem Tempo und quietschenden Reifen unterwegs gewesen.

März 2015 in Köln

Einer von zwei Rasern fährt mit seinem Wagen über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Fahrgast stirbt später an seinen schweren Verletzungen.

April 2015 in Leverkusen

Während ein Radfahrer bei Grün die Straße überqueren will, fahren ein BMW und ein Opel viel zu schnell auf die Kreuzung zu. Der BMW erfasst den 20-Jährigen und verletzt ihn schwer.

Januar 2012 bei Freiburg

Nahe Freiburg sterben zwei Menschen nach einem illegalen Autorennen - eine unbeteiligte 27-Jährige und einer der Raser.

 

(mit dpa)

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erstellt am 06.Jul.2017 | 08:35 Uhr

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