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Tourismus in einer Krisenregion : Besuch bei Kim Jong Un: So sehen Nordkorea-Reisen aus

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Nordkorea steht für Überwachung. Das Land öffnet sich aber für Touristen. Eine Reise ist unter strengen Auflagen möglich.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 14:44 Uhr

Pjöngjang | Nordkorea ist alles andere als ein klassisches Reiseland - eher das Gegenteil. Doch ein Urlaub dort ist nicht unmöglich. „Die nordkoreanische Regierung hat den Tourismus in ihrem Land sehr gefördert“, sagt Harry Reingruber vom German Travel Network, das seit Jahren Reisen nach Nordkorea anbietet. Doch der Ablauf einer Reise ist mehr als ungewöhnlich. Touristen müssen sich dem politischen System des Landes fügen.

Trotz des langjährigen Konflikts mit Nordkorea reisen jährlich einige Touristen nach Nordkorea. Eine Möglichkeit ist der Marathon in Pjöngjang.

Fragen und Antworten dazu im Überblick:

Wer darf nach Nordkorea einreisen?

Fast jeder darf nach Nordkorea reisen - außer Südkoreaner. „Auch Journalisten kann der Aufenthalt untersagt werden“, sagt Jianli Chen vom Reiseunternehmen China Hansa Travel. Für die Einreise nach Nordkorea brauchen Touristen ein Visum. Die Organisation übernimmt immer der Reiseveranstalter.

Wie läuft eine Reise nach Nordkorea ab?

Jede Reise nach Nordkorea muss als Pauschalurlaub gebucht werden und ist nicht günstig: Acht Tage ab Peking kosten rund 2000 Euro. Die Touren dauern ein bis zwei Wochen und starten immer in Chinas Hauptstadt. Von dort gibt es eine der wenigen Flugverbindungen in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Alle Hotels, Restaurants und Ausflüge werden vorher ausgewählt.

Was die Touristen sehen, bestimmt letztlich die Regierung. Denn allein sein darf man nicht in Nordkorea: Jede Reise wird von zwei Reiseleitern und einem Fahrer durchgängig begleitet.

Was bekommen Besucher in Nordkorea zu sehen?

„Etwa 15 Orte dürfen Touristen in Nordkorea besuchen“, sagt Reingruber. Von der Armut und den strukturellen Problemen im Land werden Touristen ferngehalten. Die meiste Zeit verbringen die Reisenden in Pjöngjang.

In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang fallen die monumentalen Bauwerke ins Auge.
In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang fallen die monumentalen Bauwerke ins Auge. Foto:Franck Robichon

Von der Hauptstadt aus bieten die Veranstalter aber auch Touren in die Berge an. Dort können Besucher wandern oder Skifahren. Außerdem sind Besuche bei historischen Bauten möglich. Der Goguryeo-Gräberkomplex und die historischen Monumente in Kaesong sind Weltkulturerbe der Unesco.

Welche Einschränkungen gibt es für Touristen in Nordkorea?

Strom und warmes Wasser fallen in Nordkorea regelmäßig aus. „Die Hotels entsprechen gehobener Mittelklasse“, sagt Chen. Mobiles Netz gibt es nicht, Internet nur selten. Telefonieren können Touristen in den meisten Hotels aber problemlos. Geld müssen Reisende in bar mitbringen. Bezahlen kann man in Euro. Mit dem nordkoreanischem Won haben Besucher in der Regel keinen Kontakt.

Was sollten Besucher in Nordkorea auf keinen Fall machen?

Bereits kritische Fragen an die Reiseleiter kommen nicht gut an. „Eine Abwertung oder Beleidigung des politischen Systems ist ein No-Go“, sagt Eric Ballbach vom Institut für Koreawissenschaften an der Freien Universität Berlin. Gleiches gilt für westliche Symbole: Eine deutsche Zeitung oder eine Bibel mitzunehmen ist tabu.

Ist eine Reise nach Nordkorea ethisch vertretbar?

„Das individuelle Motiv für die Reise ist entscheidend“, sagt Ballbach. Nur für den Stempel im Reisepass oder eine lustige Geschichte sollte man nicht nach Nordkorea reisen. Etwa 300 Deutsche reisen laut Reingruber jedes Jahr in das Land.

Viele wollen das Geschehen in Nordkorea besser verstehen. Andere interessieren sich für das kommunistische System. Die Einnahmen aus dem Tourismus fließen in die Planwirtschaft. Ausgaben für Militär und Nuklearwaffen haben einen eigenständigen Wirtschaftskreislauf, erklärt Ballbach.

 
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