Keine Verschwörungstheorie : Besonderer Anblick über SH: DLR und Nasa machen Kondensstreifen-Test

Flogen auch über die Mitte Schleswig-Holsteins: Vorweg der DLR-Airbus, dahinter die vierstrahlige Nasa-Maschine.
Flogen auch über die Mitte Schleswig-Holsteins: Vorweg der DLR-Airbus, dahinter die vierstrahlige Nasa-Maschine.

Flugzeuge drehen mehrere Runden und sorgen für Streifen am Himmel: Es werden alternative Kraftstoffe getestet.

shz.de von
01. Februar 2018, 09:40 Uhr

Es gibt doch noch Lücken in diesen trüben, regnerischen und wolkenverhangenen Tagen. Wie am Dienstagmittag – und hier zeigte sich sogleich ein nicht alltägliches Spektakel am Himmel. „Kondensstreifen in 180 Grad über der Mitte Schleswig-Holsteins“, berichtet der Hobby-Astronom und Himmelsbeobachter Völker Tödt (55) aus dem nordfriesischen Tönning. Der Kurs: von Südwesten kommend und wieder zurück. Ein Blick auf Flug-Aufzeichnungen im Internet gab Aufschluss: Es war ein Airbus A320-232 des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt (DLR), auf derselben Route gefolgt von einem Flugzeug der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, einer vierstrahligen Douglas DC8-72.

<p>So sah die Route über SH aus.</p>
Screenshot: flightaware.com

So sah die Route über SH aus.

Hier kann man sich den Flug nochmal in der Simulation von flightaware.com anschauen.

<p>Beim Portal flightradar24.com ist zu sehen, dass die Flieger auch im Raum Rendsburg zu sehen gewesen sein könnten – wenn denn der Himmel klar war.</p>
Screenshot: flightradar24.com

Beim Portal flightradar24.com ist zu sehen, dass die Flieger auch im Raum Rendsburg zu sehen gewesen sein könnten – wenn denn der Himmel klar war.

 
Chemtrails als Verschwörungstheorie

Unter dem Terminus „Chemtrails“, der sich aus „Chemicals“ und „Contrails“ (Kondensstreifen) zusammensetzt, haben sich im Internet komplexe Verschwörungstheorien zusammengebraucht. Es wird unterstellt, dass es großflächig Flugzeuge eingesetzt werden, deren Kerosin mit krankmachenden Chemikalien versetzt ist. Für solch einen Geheimeinsatz – zu welchem Zweck auch immer – bräuchte es allerdings mehrere Tausend schweigende Flugzeugtechniker, Piloten und Entscheidungsträger.

 

Beide Flugzeuge absolvieren derzeit zusammen Flüge für ein gemeinsames Forschungsprojekt des DLR und der Nasa. Es gehe darum, „das Potenzial von alternativen Kraftstoffen für eine umweltfreundliche Luftfahrt und ihren Einfluss auf die Atmosphäre noch detaillierter zu studieren“, hatte DLR-Luftfahrtvorstand Professor Rolf Henke zur Halbzeit der Flüge erklärt. Eine entscheidende Frage sei: „Lässt sich nachweisen, dass geringere Ruß-Emissionen bei alternativen Luftfahrt-Kraftstoffen zu einer Veränderung bei den Eispartikeln in Kondensstreifen und damit zu einer geringeren wärmenden Klimawirkung von langlebigen Kondensstreifen führen?“

Und so fliegt der DLR-Airbus mit alternativem Kraftstoff, die Nasa-Maschine folgt mit einigen Kilometern Abstand hinterher und „schnüffelt“ im Abgas.

Das DLR hat bei Twitter Fotos und Videoaufnahmen von den Tests veröffentlicht:

 

Dabei werden nach DLR-Angaben die Emissionen zweier unterschiedlicher Gemische aus alternativen Treibstoffen und Kerosin in verschiedenen Höhen und bei unterschiedlichen Fluggeschwindigkeiten vermessen, ebenso wie die resultierenden Kondensstreifen und Kondensstreifen-Zirren. „Erste Ergebnisse aus dem Messungen erwarten wir in etwa einem halben Jahr“, sagte DLR-Sprecher Falk Dambowsky gestern auf Nachfrage.

Die beiden Flugzeuge starten und landen stets auf dem US-Militärflugplatz im rheinland-pfälzischen Ramstein. Insgesamt acht Flüge, mit denen am 17. Januar begonnen wurde, sind geplant. Die ersten Runden drehten die Maschinen zunächst über Mecklenburg-Vorpommern. „Je nach atmosphärischen Bedingungen kommt dabei aber auch der Luftraum über Schleswig-Holstein in Frage“, so Dambowsky. Und dies war beim sechsten Flug vorgestern der Fall. Die letzten beiden Flüge waren für Mittwoch und Donnerstag vorgesehen. Ob erneut über Schleswig-Holstein – darüber entscheiden die Wissenschaftler nach Wetterlage.

 
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