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Anschlag auf BVB-Bus : Bericht: Eine Sekunde rettete den Spielern das Leben

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Ein Ermittler erklärt: „Wäre die Detonation nur eine Sekunde früher erfolgt, hätte es möglicherweise auch Tote gegeben.“

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2017 | 12:38 Uhr

Dortmund | Die Spieler von Borussia Dortmund sind beim Sprengstoffanschlag auf ihren Mannschaftsbus wohl nur knapp einer größeren Katastrophe entgangen. Wäre die Detonation nur eine Sekunde früher erfolgt, hätte es möglicherweise auch Tote gegeben, berichtet die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Am Dienstag waren drei Sprengsätze neben dem BVB-Bus explodiert. Fußballprofi Marc Bartra, der hinten rechts saß, sowie ein Polizist wurden teils schwer verletzt. Auf Bildern war zu erkennen, dass die hinterste Scheibe auf der rechten Seite zersplittert war.

 

Ein Ermittler der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) „Pott“ des Bundeskriminalamtes sagte der Zeitung: „Wären die Splitterbomben nur eine knappe Sekunde früher gezündet worden, hätte der Bus eine regelrechte Breitseite bekommen. Es hätte dann bestimmt viele Schwerverletzte und möglicherweise auch Tote gegeben.“

Terrorexperte Peter Neumann vom Londoner King's College warnte vor weiteren Angriffen. Die sehr gefährlichen Täter seien noch auf freiem Fuß. Die Ermittler prüfen mehrere Bekennerschreiben, die allerdings Rätsel aufgeben.

BVB-Torhüter Bürki: Habe immer noch Probleme zu schlafen

Unterdessen haben die Spieler des BVB den Schock noch keineswegs überwunden. Borussia Dortmunds Torhüter Roman Bürki spürt die Nachwirkungen des Anschlags noch jede Nacht. „Ich habe immer noch Probleme, schlafen zu können. Im Unterbewusstsein zucke ich zusammen und schrecke dann auf. Das Schlimmste ist, dass ich keine Nacht durchschlafen kann“, sagte der BVB-Keeper der Schweizer Tageszeitung „Der Bund“. Bürki berichtet auch von anderen Symptomen. „Wenn man vergisst zu essen, oder wenn man alles gleich wieder sieht, sobald man die Augen geschlossen hat.“ Schlimm sei vor allem gewesen, am Tag danach wieder spielen zu müssen. „Ich konnte mich gar nicht darauf konzentrieren. Ich nahm auf dem Platz alles immer etwas später wahr - als hätte ich einen Schleier vor den Augen. Nach dem Spiel kamen die Emotionen richtig raus. Da gab es Tränen bei jedem Spieler“, berichtete der Schweizer Nationaltorhüter.

Bürki kritisierte auch die Entscheidung, so schnell wieder spielen zu müssen. „Wenn ich dann am nächsten Tag von irgendeinem Sprecher der Uefa oder Fifa eine Aussage höre, das Spiel wäre abgesagt worden, wenn jemand ums Leben gekommen wäre. Also, das ist doch die größte Frechheit die es gibt“. Als Zeichen gegen den Terrorismus habe er das nicht empfunden, sofort wieder zu spielen. „Das war doch kein Zeichen, das war nur ein Ignorieren der Tatsachen.“ Es bleibe die Frage: „Warum? Warum ist das passiert? Wieso wir? Auf einmal bin ich ein Ziel, sind wir alle ein Ziel. Das macht es so schlimm“, befand Bürki. Was jetzt helfe, sei wieder der Fußball. „Wegen dieses Vorfalls bin ich froh, dass ich etwas habe, auf das ich mich fokussieren muss. Es ist sehr wichtig, dass ich abgelenkt bin und versuche, nicht zu sehr darüber nachzudenken, was passiert ist“.

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