Flüsse, Seen und Grundwasser : Bericht: Deutsche Gewässer in schlechtem Zustand

Abwasser fließt in einen Fluss. Bei ökologischen und vor allem chemischen Kriterien gehören die deutschen Oberflächengewässer im Ländervergleich zu den Schlusslichtern.
Abwasser fließt in einen Fluss. Bei ökologischen und vor allem chemischen Kriterien gehören die deutschen Oberflächengewässer im Ländervergleich zu den Schlusslichtern.

Deutschland schneidet in einem Gewässer-Bericht der Europäischen Umweltagentur nicht gut ab. Im Vergleich zu anderen EU-Ländern ist es um heimische Gewässer besonders schlecht bestellt. Umweltschützer machen nicht nur die Landwirtschaft dafür verantwortlich.

shz.de von
03. Juli 2018, 16:40 Uhr

Flüsse, Seen und Grundwasser in Deutschland sind einem Bericht zufolge in einem für europäische Verhältnisse schlechten Zustand.

Bei ökologischen und vor allem chemischen Kriterien gehören sie im Ländervergleich zu den Schlusslichtern, wie die Europäische Umweltagentur EEA am Dienstag mitteilte. Ähnlich schlecht schnitten nur Gewässer in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg ab.

Nur 8,4 Prozent der deutschen Oberflächengewässer wurden demnach bei ökologischen Kriterien mit gut oder sehr gut bewertet. EU-weit liegt der Wert deutlich höher bei 40,6 Prozent. Doch auch hier verfehlte die Mehrheit der Flüsse, Seen und Küstengewässer die Mindestanforderungen. Der ökologische Status wird unter anderem anhand von Pflanzen wie Plankton und Algen sowie kleiner Tiere bestimmt.

Chemisch wurden alle deutschen Oberflächengewässer schlecht bewertet. Auch hier sieht es EU-weit besser aus: In immerhin rund 38 Prozent der Gewässer sei der Zustand gut, erklärte die EEA. In den meisten Ländern sei die Verunreinigung mit Quecksilber ein Problem.

Laut der Naturschutzorganisation WWF stammt das Quecksilber etwa aus der Kohleverbrennung und Kohlekraftwerken. «Über die Luft wird der Schadstoff verteilt, gelangt in die Gewässer und letztlich auch auf unseren Speiseteller», erklärte Beatrice Claus, WWF-Referentin für Fluss- und Wasserpolitik. Für den Bericht wurden die Gewässer auf rund 30 chemische Stoffe untersucht, neben Quecksilber etwa auch Nickel, Blei und Pestizide.

Auch die Nährstoffbelastung der Gewässer ist ein Problem: «Rund 36 Prozent des Grundwassers in Deutschland ist deutlich bis stark mit Nitrat belastet, das überwiegend aus der Landwirtschaft stammt», sagte Claus. Ein Teil des Wassers müsse aufwendig aufbereitet werden. «Der Verbraucher muss dann teurere Wasserpreise bezahlen.»

Der Verband kommunaler Unternehmen forderte in Reaktion auf den Bericht, dass der Gewässerschutz politisch mehr Beachtung finden müsse. «Wir müssen das Augenmerk auf das "Vorher", auf das Verursachen von Verunreinigungen der Trinkwasserressourcen lenken, statt uns mit der für den Wasserkunden teureren Reinigung "Hinterher" zu begnügen», teilte ein Sprecher mit. Nur so könnten Ressourcen wirksam geschützt werden.

Der WWF kritisierte, Deutschland verfehle klar die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie. «Es wurde zu lange weggesehen, wenn Industrie und Landwirtschaft auf Kosten unseres Wassers gewirtschaftet haben», bemängelte Naturschutz-Vorstand Christoph Heinrich. Es fehle der politische Wille, das Wasser zu schützen.

Über die Eignung als Badegewässer sagt der Bericht nichts aus. «Die Unterschiede für die Ökologie sind nicht gleichbedeutend mit der Qualität als Badegewässer», sagte Claus. «Die Nitratbelastung ist per se nicht für den Menschen schädlich, erst dann, wenn sich Keime bilden.»

Der EEA-Report beruht auf Daten aus mehr als 160 Bewirtschaftungsplänen für Flussgebiete im Zeitraum von 2010 bis 2015. Die Pläne basieren auf der EU-Wasserrahmenrichtlinie von 2000, die einen Rahmen geschaffen hat, um die Wasserressourcen in der EU besser zu schützen. Die Richtlinie schreibt vor, dass die europäischen Gewässer bis spätestens 2027 einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen müssen.

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