zur Navigation springen

Tausende Tote nach Erdbeben : Bergsteiger gerettet, Dörfer in Not – Zwei-Klassen-Hilfe in Nepal?

vom

Die Abenteurer aus dem Himalaya sind in Sicherheit. Die eigentlich gute Botschaft sorgt nach dem Erdbeben in Nepal für Diskussionen: Gibt es eine Zwei-Klassen-Rettung? Reinhold Messner warnt davor.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2015 | 12:40 Uhr

Kathmandu | Nepal ist mit der Erdbeben-Katastrophe völlig überfordert – ganze Dörfer sind von jeglicher Hilfe abgeschlossen. Die Menschen in Kathmandu sind auf der Flucht oder übernachten im freien neben den Trümmern ihrer Häuser. Da wirkt die Nachricht der geretteten Bergsteiger aus dem Himalaya wie ein Hoffnungsschimmer. Nach den Erdbeben-Lawinen am Mount Everest sind fast alle Abenteurer ins Tal geflogen worden. Doch Kritiker – darunter auch der Bergsteiger Reinhold Messner – beklagen: Während die nepalesische Bevölkerung hungert, werden die Touristen auswendig mit Hubschraubern gerettet.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 hatte am Samstag große Teile Nepals sowie die angrenzenden Länder Indien und das chinesische Tibet erschüttert. Im Bebengebiet leben nach UN-Angaben etwa 6,6 Millionen Menschen.

In Kathmandu finden Helfer immer mehr Menschen unter den Trümmern. Bislang seien allein in Nepal 4347 Leichen gefunden worden, erklärte die Regierung am Dienstag. Auf chinesischer Seite stieg die Zahl der Toten auf 25; in Indien starben 72 Menschen. In den Bergstationen im Himalaya sind etwa 17 Menschen durch eine Lawine im Everest-Basislager gestorben.

Bislang wurden 205 Bergsteiger am höchsten Berg der Welt gerettet, wie der örtliche Polizeisprecher Bhanubhakta Nepal am Dienstag sagte. Mehr als 100 Bergsteiger saßen am Berg fest, weil die Aufstiegsroute - dazu gehören Leitern und Seile durch einen Gletscher - durch Lawinen zerstört worden war.

Die Regierung erklärte außerdem erstmals öffentlich, trotz zahlreicher Warnungen vor einem bevorstehenden großen Beben nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein. „Wir haben nicht genügend Mittel, und wir brauchen mehr Zeit, um alle zu erreichen“, erklärte Innenminister Bam Dev Gautam im staatlichen Fernsehen. Die Behörden hätten Schwierigkeiten, die Krise zu meistern. „Wir waren auf ein Desaster dieses Ausmaßes nicht vorbereitet“, sagte er.

Selbst in der Hauptstadt Kathmandu beschwerten sich zahlreiche Menschen. „Wir leben hier auf der Straße, ohne Essen und Wasser, und wir haben in den vergangenen drei Tagen (seit dem Beben) keinen einzigen Beamten gesehen“, sagte ein Mann, der mit seiner Familie im Freien campierte. Die Stromversorgung war zusammengebrochen, sodass weder Wasserversorgung noch Telekommunikation gut funktionierten.

 

Auf der Suche nach Wasser und Nahrung haben Zehntausende Menschen das von einem Erdbeben schwer getroffene Kathmandu-Tal in Nepal verlassen. Die nepalesische Zeitung „Himalayan Times“ gab ihre Zahl am Dienstag mit mehr als 72.000 an. Alle großen Geschäfte und Banken in Kathmandu seien geschlossen, sagte Philips Ewert, Einsatzleiter der Hilfsorganisation World Vision vor Ort. „Außerdem wollen viele Menschen in ihre Heimatdörfer fahren und schauen, wie es ihren Familien geht.“ Auf Fotos waren Lastwagen und Busse voller Menschen zu sehen. Lokale Medien sprachen mit vielen Bewohnern, die sich bitter über die mangelnde Vorbereitung und Koordination der Behörden beklagten. Auch würden die Hilfsgüter nicht gleichmäßig verteilt.

Wie viele Menschen betroffen sind, ist laut Ewert noch nicht abzusehen. Seine Organisation höre immer wieder, dass im Epizentrum die meisten Häuser zerstört seien. „Aber die Region ist noch völlig unzugänglich.“ Am frühen Morgen starteten mehrere Flugzeuge von Kathmandu und machten somit Parkpositionen für ankommende Flieger frei. Der einzige internationale Flughafen Nepals war am Vortag wegen des Andrangs überlastet. Mehrere Maschinen mit Hilfsgütern und Helfern mussten umkehren. Viele Touristen konnten auch nicht ausfliegen.

Auch einige Bergsteiger sitzen noch fest. Daniel Mazur schrieb aus Camp 1 oberhalb des Basislagers: „Wir sind die letzten neun Sherpas und acht Kletterer am Everest.“ Die Helikopter-Landestelle liege auf 6100 Metern Höhe. Der Bergsteiger meldete sich via Twitter: „Sonnig und wolkenlos, aber das Warten ist schwer.“

Ärzte der Welt e.V. Deutsche Kreditbank (DKB)
IBAN: DE06 1203 0000 1004 3336 60
BIC: BYLADEM1001
Stichwort: Erdbeben Nepal/Indien
 
Cap Anamur Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22
BIC: COLSDE33
Stichwort: Nepal
Die Heilsarmee in Deutschland Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE40 3702 0500 0004 0777 77
BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: Nepal
Geschenke der Hoffnung e.V. Pax-Bank eG
IBAN: DE12 3706 0193 5544 3322 11
BIC: GENODED1PAX
Stichwort: 700 030/ Nepal Erdbeben
humedica e.V. IBAN: DE35 7345 0000 0000 0047 47
BIC: BYLADEM1KFB
Stichwort: Erdbeben Nepal
Plan International Deutschland e.V. Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE92 2512 0510 0009 4449 33
BIC: BFSWDE33HAN
Stichwort: Erdbebenhilfe Nepal
SOS-Kinderdörfer weltweit GLS Gemeinschaftsbank
IBAN: DE22 4306 0967 2222 2000 00
BIC: GENODEM1GLS
Stichwort: Nepal
UNICEF Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00
BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: Erdbeben Nepal

(mit dpa)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen