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"Greenberg" : Ben Stiller übt sich im Nichtstun

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Ben Stiller ohne seine Improvisationen, ohne Faxen - Noah Baumbachs vermeintliche Komödie um den Langweiler Greenberg kommt fast völlig ohne Handlung aus.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2010 | 03:29 Uhr

Langweiler will schon im echten Leben niemand sehen. Fragt sich, warum Regisseur Noah Baumbach ("Der Tintenfisch und der Wal") glaubt, das sei auf der Leinwand anders. Denn "Greenberg", der Held des gleichnamigen Films, ist genau das: langweilig. Ein gescheiterter Musiker, knapp über 40, dessen einzige Leidenschaft das Verfassen von Beschwerdebriefen ist. Ständig fallen ihm neue Adressaten ein, mal hat eine Fluggesellschaft seinen Ärger erregt, mal eine Kaffeehauskette.

"Gerade versuche ich, gar nichts zu machen", erklärt Greenberg seinen Mitmenschen. Und er hält Wort. Ohne Job, ohne Beziehung und ohne Hobbys dümpelt sein Leben so dahin. Er hat das vage Gefühl, etwas ändern zu müssen, doch er weiß nicht was. Irgendwann scheint er aufgehört zu haben, sich weiterzuentwickeln. Ein Angebot seines Bruders kommt ihm da gerade recht: Einige Wochen dessen Haus, Hund und Pool in Los Angeles zu hüten, bei freier Kost und Logis.
Ohne Improvisation

Obwohl der Film vorgibt, eine Komödie zu sein, spielt Ben Stiller ("Nachts im Museum", "Starsky & Hutch") die um sich selbst kreisende Hauptfigur ganz ohne die grimassenschneidende Albernheit, für die ihn seine Fans lieben. Die Dreharbeiten seien eine neue Erfahrung gewesen, erzählte er in einem Interview. Denn er habe die Dialoge genauso gesprochen, wie sie im Drehbuch standen - ohne die sonst für ihn so typischen Improvisationseinlagen.

Streckenweise ist es auch durchaus sehenswert, den Schauspieler dabei zu beobachten, wie er sein Rollenspektrum erweitert. Spätestens nach der Hälfte des Films aber kommt der Wunsch auf, er möge doch wenigstens ein klein wenig albern sein und improvisieren, um seiner Figur ein Quäntchen Sympathie einzuhauchen.
Höhepunkt beim Tierarzt

Ein Lichtblick ist Greta Gerwig, die dem Kinopublikum bislang weitgehend unbekannt sein dürfte. In ihrer authentischen und unbekümmerten Art verursacht sie als junge Haushälterin Florence sogar bei dem notorischen Nörgler Herzklopfen - nachdem er sie anfangs zurückgestoßen hatte. Was die 25-Jährige an einer Affäre mit dem Menschenfeind reizt, bleibt eine der Fragen, auf die Baumbach keine Antwort gibt. Und das, obwohl sie weitaus spannender wäre, als Greenberg beim Nichtstun zuzuschauen. So erreicht der Film seinen Höhepunkt, als der schwerkranke Hund zum Tierarzt muss.

Ein echter Genuss ist der Soundtrack von James Murphy, der dem Film in manchen Szenen den Tiefgang verleiht, den die Handlung des 107-Minüters vermissen lässt. "Greenberg", der bei der diesjährigen Berlinale beim Rennen um den Goldenen Bären dabei war, hat einige schöne Einstellungen, die leider unmotiviert für sich allein stehen bleiben. So erlaubt der gebürtige New Yorker Baumbach der Kamera, während einer Autofahrt minutenlang auf Florences Profil zu verweilen.

"Greenbergs aufgestauter Groll rührt daher, dass das Leben partout nicht kooperieren will", erklärt Baumbach in den Produktionsnotizen seine Hauptfigur. Schade nur, dass es ihm nicht gelingt, sein Publikum für Greenbergs Leben zu interessieren.

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