Nach Überraschungseiern : Behördenposse: Langeooger dürfen Müll nicht vom Strand räumen

Kein schönes Strandpanorama in Langeoog – doch die Inselbewohner dürfen den Container nicht einfach bergen.
Kein schönes Strandpanorama in Langeoog – doch die Inselbewohner dürfen den Container nicht einfach bergen.

Die Anwohner von Langeoog wollen einen angespülten Container bergen. Er ist beschädigt und ein Sicherheitsrisiko.

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14. Januar 2017, 11:37 Uhr

Langeoog | Mit abertausenden Überraschungseiern am Strand war Langeoog vor Kurzem weltweit in den Schlagzeilen. Dank der Stürme in den vergangenen Tagen sind die Ü-Eier bis nach St. Peter-Ording gelangt. Die bunten Plastikkugeln auf Langeoog sind mittlerweile weggesammelt, doch anderes Strandgut macht Ärger auf der Insel.

Frachter verliert 16 Container

Ende 2016 war das Frachtschiff „Thetis D“ in der Nordsee in einen Sturm geraten und hatte dabei 16 Container verloren, unter anderem beladen mit hochwertigem Holz aus Finnland. Anfang 2017 erreichten viele lose Holzlatten und ein kompletter Container den Strand von Langeoog – und dort liegen sie immer noch, zum Ärger der Einwohner.

Hubschrauber stellt „Holzdiebe“

Die wollen das Strandgut bergen, bevor das Holz unbrauchbar und zur Gefahr für Schiffe und Deiche wird. Doch der Zoll lässt das nicht zu. Im Gegensatz zum Fall der Überraschungseier hebt die Behörde das sogenannte Verfügungsverbot für die Fracht nicht auf. Das bedeutet: Wer sich an der Ladung zu schaffen macht, begeht Diebstahl. Zwei Männer, die das nicht wissen und Holz aus dem Wasser holen wollen, werden aus einem Hubschrauber beobachtet. Der Hubschrauber landet am Strand und die Beamten stoppen die Männer und nehmen Personalien auf.

Container wird zum Sicherheitsrisiko

Da die Anwohner das Strandgut auch nicht in Sicherheit bringen dürfen, müssen sie tatenlos zugucken, wie das Holz zu Müll verkommt und der Container zum Sicherheitsrisiko wird. Denn nach Sturmtief Axel ist die metallene Außenhülle an mehreren Stellen eingerissen. Die darin lagernden Paletten könnten zur Gefahr für die Deiche der Insel werden. Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels kritisiert im Gespräch mit unserer Redaktion, dass Bürokratie offensichtlich vor Sicherheit und Umweltschutz gehe, zumal die Reederei kein Interesse mehr an der Ware habe. Das bestätigt der Zoll auf Nachfrage nicht.

Bergung mit Schiff und Kettenfahrzeugen geplant

Wenig Verständnis hat Garrels auch für das geplante Vorgehen bei der Bergung des Holzes: Ein großes Schiff soll Kettenfahrzeuge an den Inselstrand bringen, die dort das Strandgut bergen. Das Vorhaben musste wegen schlechten Wetters bereits um mehrere Tage verschoben werden. Die Nordsee nagt also weiter an Holz und Container. Die Bergung durch die Inselbewohner wäre deutlich schneller und günstiger geworden, sagt der Bürgermeister.

Land Niedersachsen ist zuständig

Garrels kann den Strand jedoch nicht einfach räumen lassen, denn der betroffene Küstenabschnitt ist Teil des Nationalparks Wattenmeer und liegt damit im Zuständigkeitsbereich des Landes Niedersachsen. Das Umweltministerium verweist auf Nachfrage unserer Redaktion an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Wilhelmshaven, das mittlerweile zuständig sei. So bleibt den Einwohnern Langeoogs nur Abwarten und Hoffen, dass das Wetter die für die kommende Woche geplante Bergungsaktion zulässt.

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