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Barbara-Tag am 4. Dezember 2015 : Barbara und Barbara - ein Name, zwei Fremde

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Typisch Barbara: „Normale“ Weiblichkeit wie bei der Schöneberger? Subversiver Witz wie bei der Streetartkünstlerin?

Hallo. Ich bin Barbara. Und am 4. Dezember ist mein Namenstag. Das ist eine ziemlich traditionell-katholische Sache, die in meinem direkten Umfeld fast niemanden mehr so richtig interessiert - vor allem seitdem ich in Schleswig-Holstein wohne. Dass in den 80ern nicht so viele Eltern auf die Idee kamen, ihre Töchter Barbara zu nennen, empfinde ich seit Jahren als Vorteil. Umso verwirrter fühle ich mich allerdings, wenn jemand oder etwas in meiner Nähe tatsächlich doch so heißt wie ich.

Hintergrund: Der Barbara-Tag

Die katholische Kirche feiert ihre Heiligen und Märtyrer traditionell mit Namenstagen. Am 4. Dezember wird der heiligen Barbara gedacht. Laut der Legende lebte sie im dritten Jahrhundert in Nikomedia in der heutigen Türkei und war die Tochter eines reichen Kaufmanns. Sie lernte die christliche Religion kennen und ließ sich trotz der Christenverfolgung unter Kaiser Gaius Galerius Valerius Maximinus taufen - sehr zum Leidwesen ihres Vaters, der Heide war. Aus Enttäuschung und Wut zeigte er sie selber an. Sie wurde zum Tode verurteilt. Mehr Infos finden Sie hier.

Zum Barbara-Tag gibt es auch einen Brauch: die Barbara-Zweige. Holt man am 4. Dezember Kirschzweige ins Haus und stellt sie in eine Vase, blühen sie an Weihnachten.

 

Von Barbara Schöneberger zum Beispiel werde ich mich als Barbara nie repräsentiert fühlen. Da nützt es auch nichts, dass sie im Herbst ihr neues Magazin nach mir benannt hat und mich seitdem überall im öffentlichen Raum großformatige Plakate persönlich anbrüllen. Das Heft richtet sich an „die normale Frau“. Beunruhigende Fragen steigen in mir auf. Was ist normal? Ist Barbara Schöneberger eine normale Frau? Und will ich das sein?

 

Barbara ist nun mal nicht die Übersetzung für „Vollweib“, was laut Duden für eine „vitale, attraktive Frau“ steht, oft im Tagesgebrauch aber häufig mit „drall“ übersetzt wird. Barbara hat einen lateinischen Ursprung und heißt schlicht „die Fremde“. Barbara Schöneberger und ich sind uns ziemlich fremd. Ich bedaure das nicht.

Eine zweite Barbara, die mir oft begegnet, ist eine Künstlerin und Facebook-Berühmtheit - und durch ihre Anonymität eine echte, faszinierende Fremde.

Barbaras Facebook-Seite gefällt fast 300.000 Menschen, die öffentlichen Botschaften der Streetartkünstlerin gibt es auch als Buch. Sie kommt aus Berlin, verbringt aber viel Zeit in Heidelberg - mehr verrät Barbara nicht über sich, sie pflegt ihre Tarnung. Anfangs - nämlich Anfang 2014 - richtete sich der künstlerische Protest bei Facebook vor allem gegen Verbotsschilder. Manchmal macht Barbara das immer noch. Ein witziges Plakat kleben, wo Plakate ankleben verboten ist - das ist provokativ.

 

Telefonieren möchte Barbara nicht - aber sie antwortet mir schriftlich. Tarnung ist alles. Beim Kleben sei sie noch nie erwischt worden, schreibt sie - „zumindest nicht so, dass ein Problem entstanden wäre oder meine Tarnung aufgeflogen wäre“.

 

Auffällig oft wendet sich Barbara gegen Diskriminierung und gegen rechte Ideologie - wie zum Besipiel hier:

 

Wie alles angefangen hat? „Ich habe in meiner Kindheit damit begonnen Kommentare und Bildchen im öffentlichen Raum zu hinterlassen“, schreibt sie.  „Als mir mein Opa mal eine Hakenkreuzschmiererei an einer Hauswand gezeigt hat und mir erklärte für welch schrecklichen Verbrechen dieses Symbol steht, klebte ich eine lachende Sonne auf einem Stück Papier über das Hakenkreuz. Das hat meinem Opa so gut gefallen und er hat mich sehr gelobt. Das war meine Initialzündung.“

 

Es geht aber nicht immer nur um Politik und Gesellschaftsfragen. Manchmal sind Barbaras Zettel auch einfach nur harmlos humorvoll.

 

Zwei Jahre auf Facebook, eine wachsende Fanbase und immer wieder neue Zettel. Ans Aufhören denkt Barbara nicht. „Mir macht das unendlich viel Freude. Ich teile mich gerne mit und mische mich in den öffentlichen Diskurs ein. Mit kleinen geklebten Botschaften und ohne Sachschaden anzurichten.“

Dieses Foto ist auch in meinem Buch:DIESER BEFEHLSTON VERLETZT MEINE GEFÜHLE.Erhältlich ist es überall im Buchhandel und im Internet und so.

Posted by Barbara. on  Sonntag, 19. April 2015

 

Übrigens könnte es dem Menschen, der hinter Barbara steckt, vielleicht nicht gefallen, in einem Artikel erwähnt zu werden, der mit der Heiligen Barbara und dem Christentum begonnen hat. Jedenfalls deutet dieses Schild darauf hin:

 

Ich möchte hier kein weltanschauliches Fass aufmachen. Wir Barbaras wissen doch: Liebe ist krasser!

 

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erstellt am 03.Dez.2015 | 18:25 Uhr

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