zur Navigation springen

Bankraub online: Hacker erbeuten Millionen

vom

Bande manipuliert Konten und plündert weltweit Geldautomaten

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 03:59 Uhr

New York | In New York schleppten sie das Geld rucksackweise weg: Eine internationale Bande hat weltweit Konten eines globalen Kreditkartenunternehmens manipuliert und so Millionen Dollar erbeutet.

Der Banküberfall geschah in aller Öffentlichkeit, am Automaten. Während Kriminelle die Daten manipulierten, räumten Handlanger die Geldautomaten aus. Die kleinen Fische wurden nun geschnappt, auch mit Hilfe deutscher Ermittler. Die großen Haie fehlen noch.

Die New Yorker Staatsanwältin Loretta Lynch sprach von einem "massiven Raubzug im Stile des 21. Jahrhunderts", der sich um den Globus gezogen habe. "Statt Pistolen und Masken haben sie Laptops und das Internet verwendet." Dabei seien sie "flink wie die Daten im Netz" gewesen und hätten allein in New York innerhalb weniger Stunden Millionen Dollar aus Hunderten Geldautomaten gestohlen. Weltweit sollen es 45 Millionen Dollar (34 Millionen Euro) gewesen sein. Neu ist die Masche nicht, wohl aber die Dimension.

Und so lief die akribisch geplante Aktion nach Darstellung der US-Justiz ab: Experten hackten sich in das Computersystem von Banken ein und manipulierten Konten von Prepaid-Bankkarten. Die dürfen grundsätzlich nur ausspucken, was vorher eingezahlt wurde und sind so bei Eltern beliebt. Doch die Hacker gaukelten dem System ein unendliches Guthaben vor. Die Aktion wurde monatelang vorbereitet - und dann weltweit in ein paar Stunden durchgezogen.

Die Daten der Karten übermittelten die Online-Kriminellen an Handlanger, die damit selbst Kreditkarten herstellten und am Bankautomaten Geld abhoben. Und zwar kräftig.

Beim ersten Diebeszug im vergangenen Dezember seien fünf Millionen Dollar erbeutet worden, verteilt auf 4500 Transaktionen in 20 Ländern. Wenn das die sehr gewinnträchtige Generalprobe war, war die zweite Aktion im Februar laut Staatsanwaltschaft ein kriminelles und logistisches Glanzstück: 36 000-mal zog die Bande Geld am Automaten, alles in wenigen Stunden, verteilt auf 24 Länder. Beute: 40 Millionen Dollar.

Allein in New York gingen die Männer im Februar 2904-mal zum Geldautomaten. Innerhalb von ein paar Stunden zogen sie immer und immer wieder Geldscheine aus den Automaten - insgesamt 2,4 Millionen Dollar. Und alles geschah irgendwo in Manhattan an Geldautomaten, die für jeden zugänglich waren.

Genau das wurde der Bande zum Verhängnis: Die Automaten filmen ihre Kundschaft, die Bilder sind den Transaktionen leicht zuzuordnen. Fotos zeigen ein und den selben Mann nacheinander an verschiedenen Automaten - und der Rucksack auf seinem Rücken wird immer schwerer.

Die US-Behörden identifizierten acht Männer. Sieben wurden festgenommen und zumindest ein Teil der Beute gefunden: Hunderttausende Dollar in bar und auf Konten, dazu zwei teure Rolex-Uhren, ein Mercedes-Geländewagen und ein Porsche Panamera.

Beim achten Verdächtigen, dem mutmaßlichen Kopf der New Yorker Zelle, kamen die Fahnder zu spät: Alberto Yusi Lajud Peña, 23, war kurz vorher beim Dominospielen in der Dominikanischen Republik ermordet worden. Laut "New York Times" lag ein Briefumschlag bei der Leiche von "Albertico". Darin 100 000 Dollar in bar.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen