Glaube, Geld, Grenzen : Ballermann-Star Mickie Krause im Interview

Mickie Krause

Mickie Krause  machten Lieder wie „Orange trägt nur die Müllabfuhr“ und „Ich bin solo“ vor allem auf der Partyinsel Mallorca berühmt.

Der 48-Jährige ist seit Jahren im Schlagergeschäft. Zu seinen Hits schunkeln nicht nur Freierfreudige auf der Partyinsel Mallorca.

shz.de von
08. Juli 2018, 12:20 Uhr

Auf der Bühne gefeierter Entertainer, zu Hause bodenständiger Familienvater: Sänger Mickie Krause gelingt es wie kaum einem anderen deutschen Künstler, Berufliches von Privatem derart stringent zu trennen. Im Interview spricht er über seinen Erziehungsstil, seinen Glauben und die Auswirkungen der „MeToo“-Debatte in seiner Branche.

Herr Krause, Sie haben seit Monaten mit Rückenproblemen zu kämpfen. Wie ist der derzeitige Stand?

Ein alter Ackergaul ist halt kein Rennpferd mehr. Ich kann derzeit keinen Marathon mehr laufen, aber zumindest noch einen Halbmarathon. Die Schmerzen sind bei weitem nicht mehr so groß wie noch vor einem Jahr. Im vergangenen April bin ich einen Marathon gelaufen – und auf der Hälfte der Strecke hat es angefangen, zu schmerzen. Ich hätte dann aufhören müssen. Aber das macht man natürlich nicht. Immerhin trainiert man drei Monate lang für einen Marathon. Und die Zeit von drei Stunden und 34 Minuten war dann auch noch halbwegs okay.

Ihr großes Ziel war es immer, die Drei-Stunden-Marke zu knacken. Ist das noch realistisch?

Nein, das würde ich allein aus beruflichen Gründen gar nicht mehr schaffen. Vor ein paar Jahren hatte ich noch nicht so eine Auftragslage wie heute – deshalb konnte ich mich damals auch noch mehr fit halten nebenbei. Außerdem sitze ich mittlerweile einfach viel zu lange im Auto, um zu den Auftritten zu gelangen. Wenn man in fünf Wochen 200 Stunden nur im Auto sitzt, ist das nicht gut für den Rücken.

Bei dem ganzen beruflichen Stress: Wie schalten Sie ab in Ihrer Freizeit?

Indem ich laufen gehe, mich mit Freunden treffe oder Zeit mit meiner Familie verbringe. Gestern Abend bin ich aus Mallorca wiedergekommen und habe mich dann erst mal in die Sauna gelegt. Das ist für mich auch eine Form des Runterkommens.

Sie sind mittlerweile vierfacher Vater. Was fällt Ihnen leichter: die Kinder zu erziehen oder auf der Bühne zu stehen?

Naja, als Künstler muss man die Gabe besitzen, ein Publikum zu unterhalten. Wenn man die nicht hat, wird es schwer, die Bühnen zu rocken. In die Rolle des Vaters wächst man dagegen rein. Wenn man da mal einen schlechten Job macht, wird dir das verziehen. Als Künstler kann man sich das nicht erlauben.

Wie würden Sie denn Ihren Erziehungsstil charakterisieren?

Ich bin sehr konsequent. Das bin ich auch in meinem Job, auf mich ist immer Verlass. Diese Konsequenz versuche ich auch meinen Kindern zu vermitteln. Sie sollen lernen, dass es gewisse Richtlinien gibt, an die man sich halten muss. Es ist wichtig, dass Kinder mit einem roten Faden durchs Leben laufen. Und den versuchen meine Frau und ich ihnen zu vermitteln. Natürlich kommt auch mal die Situation vor, dass die Kinder uns gegenseitig ausspielen wollen. Aber dann muss man als Eltern ein eingespieltes Team sein. Das klappt bei uns hervorragend.

Sie haben mal von sich behauptet, ein ziemlich spießiger Vater zu sein. Woran merken Ihre Kinder das?

Meine Kinder sehen mich nicht als spießig an. Aber ich versuche halt, Dinge durchzuziehen. Wenn ich sage, dass das Handy einen Tag weggeschlossen wird, dann wird das auch so gemacht. Selbst wenn die Kinder mit kullernden Tränen vor mir stehen.

Ihre Töchter sind bereits in der Pubertät, beziehungsweise kommen in die Phase bald rein. Keine leichten Jahre für einen Vater, oder?

Ich hätte es mir ehrlich gesagt schwieriger vorgestellt. Man hört ja immer, dass die Mädels dann in ihre Zickenphase kommen. Aber das kann ich hier nicht bestätigen. Meine Töchter laufen sehr bodenständig durchs Leben. Sie sind sehr aufgeräumt und haben einen tollen Freundeskreis – von daher haben sie es gar nicht nötig, zickig zu sein.

In Interviews und auf der Bühne strahlen Sie immer ein großes Selbstbewusstsein aus. Hat es in den letzten 20 Jahren einen Moment gegeben, an dem Sie an Ihrer Karriere gezweifelt haben?

Nein. Ich habe nicht einen Tag ans Aufhören gedacht. Dafür hat es auch nie einen Anlass gegeben. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Die Musikrichtung war sicherlich nicht die, die ich mir ursprünglich gewünscht hatte. Ich bin ein Kind der 1980er und bin mit Depeche Mode, The Cure, U2 groß geworden. Aber ich habe dann halt gemerkt, dass man mit dieser Art Musik kein Geld verdienen kann und auch nicht beachtet wird. Stattdessen habe ich festgestellt, dass die Leute Lust auf Schlager und Unterhaltung haben.

Sie behaupten von sich, dass Sie eigentlich nie schlecht gelaunt seien. Mit was kann man Sie trotzdem ärgern?

Ich lasse mich eigentlich nicht mehr ärgern. Außer vielleicht, wenn Falschmeldungen über mich verbreitet werden – von Medien oder Künstlerkollegen. In den vergangenen Jahren gab es einige Berichte darüber, was Künstler auf Mallorca oder in Deutschland verdienen. Da wurden viele Zahlen falsch dargestellt. Es hieß zum Beispiel, dass ich vier Millionen Euro pro Jahr verdiene. Das wurde einfach schlecht recherchiert und war absolut peinlich. Es zeigt aber auch, wie viel Macht die Medien haben, dass solche Meldungen hängen bleiben. Ansonsten ärgert mich das Finanzamt alle paar Monate. Natürlich verdiene ich gutes Geld. Aber es wird häufig vergessen, dass mehr als die Hälfte davon wieder abgezogen wird. Vier Kinder, eine Frau, ein Hund und ein Haus müssen zudem noch finanziert werden.

Sie sind jetzt auf Mallorca seit 20 Jahren erfolgreich im Geschäft. Andere Künstler scheitern dagegen dort recht schnell. Warum?

Der Hauptgrund ist, dass sie keinen Hit landen. Wenn ich mich in eine Location auf Mallorca stelle und nur andere Lieder covere, geht das schief. Zudem muss man die Gabe besitzen, das Publikum unterhalten zu können. Die meisten Leute können das nicht. Selbst, wenn man mal einen Hit gelandet hat, muss man diesen Erfolg erst mal bestätigen. Sonst wird die Luft da oben ganz schnell sehr dünn. Ich und mein Team haben in diesem Bereich in den vergangenen Jahren mehr Glück als Verstand gehabt.

Sie sind ein sehr gläubiger Mensch. Was bedeutet der Glaube für Sie?

Der Glaube gibt mir Halt in vielen Situationen, er hat für mich sehr viel mit Gemeinschaft zu tun. Ich versuche das auch meinen Kindern zu vermitteln. Früher habe ich viele Messen mitorganisiert, war als Jugendlicher mehrmals in Taizé – was mich sehr geprägt hat. Leider schaffe ich es aber nur noch zwei- oder dreimal pro Jahr in die Kirche.

Ihre Songs wurden schon des Öfteren als angeblich frauenverachtend und sexistisch kritisiert. Auch andere Mallorca-Sänger sehen sich häufig diesen Vorwürfen konfrontiert. Hatte die MeToo-Debatte irgendeinen Einfluss auf Ihre Branche?

In keinster Weise. Wir haben uns da gar nicht wirklich mit auseinandergesetzt. Die Songs sind sicherlich häufig doppeldeutig. Aber ich habe den Eindruck, dass die Menschen oftmals etwas völlig Falsches in die Lieder hineininterpretieren. Bei meinem Song „Biste braun, kriegste Fraun“ gab es sogar den Vorwurf, dass das Lied rechtsradikal angehaucht wäre. Dabei wäre ich die letzte Person, die die AfD wählen würde. Viele machen sich einfach keine Gedanken über meine Texte. Sie müssten einfach nur zuhören – dann wüssten sie, worum es geht. Wir haben nicht die Intention, frauenfeindlich zu wirken.

Bis auf Mia Julia gibt es aber nur wenige Frauen, die in der Branche erfolgreich sind. Ist die Mallorca-Szene sexistisch?

Nun ja, bis vor einigen Monaten hat Mia Julia immer auf der Bühne blank gezogen. Vielleicht hat sie ja auch dazu beigetragen, dass die Szene sexistisch ist und dass Frauen auf ihren Körper reduziert werden. In anderen Musik-Genres gibt es aber auch nur wenige Frauen, die erfolgreich sind. Im Schlagerbereich zum Beispiel gibt es Helene Fischer und Andrea Berg – und dann lange erst mal nichts. Das hat aber nichts damit zu tun, dass Frauen ein schlechteres Standing bei den Plattenfirmen hätten.

Woran liegt es dann?

Vielleicht ist es halt doch so, dass Lieder von Männern ein bisschen besser oder kompatibler sind. Ich glaube, letztlich ist es eine Frage der Qualität. Wenn man berühmte Bands anschaut, fällt auf, dass sie selten aus Frauen bestehen. Welche Frau füllt denn heute noch ein ganzes Stadion? Das sind vielleicht Madonna oder Jennifer Lopez. Mir fallen auch nur zwei, drei Frauen ein, deren Musik ich gerne mag.

 Sie haben mal gesagt, dass RTL Ihnen eine Million Euro bieten müsste, damit Sie ins Dschungelcamp ziehen würden. Hat es das Angebot schon gegeben?

Nein, aber ich würde auch noch nicht mehr für eine Million da mitmachen.

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