Nord-Ostsee-Bahn : Bahn-Angestellter soll knapp 1,3 Millionen Euro gestohlen haben

Dank aufmerksamer Zugbegleiter und dem schnellen Handeln der Polizei konnte das alleinfahrende Mädchen in Elmshorn abgefangen werden.
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Der Angestellte soll seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Nord-Ostsee-Bahn, um viel Geld erleichtert haben.

Der Computerexperte soll das Geld aus einem Automaten entwendet haben, in die Zugbegleiter ihre Einnahmen stecken.

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24. März 2017, 07:43 Uhr

Flensburg | Die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) hat sich vergangenes Jahr aus Schleswig-Holstein verabschiedet. Jetzt macht sie noch einmal Schlagzeilen – als Opfer eines unglaublichen Diebstahls: Ein ehemaliger Mitarbeiter soll das Unternehmen um 1,28 Millionen Euro erleichtert haben.

Vor dem Landgericht Flensburg hat am Donnerstag der Prozess gegen den Systemadministrator (45) begonnen. „Ihm wird Diebstahl in besonders schwerem Fall vorgeworfen“, sagt Gerichtssprecher Stefan Wolf.

Es geht um Geld, das Zugbegleiter unterwegs für Tickets oder von Schwarzfahrern kassierten. Das steckten sie nach ihrer Schicht in Einzahlungsautomaten auf dem Betriebsgelände. Von 2007 bis 2011 soll der Angeklagte in Husum und Hamburg Geld aus diesen Automaten gestohlen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 285 einzelne Taten vor.

Der Prozess hatte bereits 2015 begonnen, musste aber ausgesetzt werden, weil nicht klar war, wie genau der Angeklagte das Geld entwenden konnte. „Das Gericht entschied damals, ein Gutachten in Auftrag zu geben, um die Vorwürfe aufzuklären“, sagt Wolf. Dieses Gutachten liege nun vor.

Zu Wort kam am Donnerstag aber erst einmal ein Automatentechniker der Herstellerfirma. Er erklärte, der Automat zeichne auf, was eingezahlt werde und wann eine Geldkassette mit welcher Summe entnommen werde.

Diese Daten müssen so manipuliert worden sein, dass existierendes Geld für die NOB unsichtbar gemacht wurde. Doch es gab eine weitere Hürde. Benötigt wurden zwei Schlüssel. Der Fahrer des Geldtransporters besaß zwar einen für den Automaten, aber keinen für die Geldkassette. Den hatte nur das zuständige Geldinstitut. Der Verteidiger erklärte: „Mein Mandant hat diese Schlüssel nicht besessen. Er war es nicht.“

Warum hat die NOB fast fünf Jahre nichts von dem Diebstahl bemerkt? Ein Zeuge aus dem NOB-Erlösmangement erklärte, es sei kontrolliert worden, ob die Buchungen der Zugbegleiter in ihren Handhelds auch beim Automaten ankamen. „Aber nicht, ob diese Summe letztlich zu dem passte, was das Geldinstitut in den Kassetten zählte.“ Erst als ein solcher Vergleich dann doch gemacht wurde, fiel auf, dass bei der Bank weniger ankam, als am Automaten eingezahlt worden war.

Zwei weitere Prozesstage sind geplant, dem Angeklagten drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

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