Hupender WM-Spass : Autokorso: Was ist erlaubt und was nicht?

Autokorsos sind für Fußball-Fans seit der WM 2006 ein festes Ritual.
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Autokorsos sind für Fußball-Fans seit der WM 2006 ein festes Ritual.

Nach WM-Siegen der deutschen Nationalmannschaft sind Autokorsos nicht mehr wegzudenken. Die Polizei will auch in diesem Jahr ein Auge zudrücken, jedoch nur in einem bestimmten Rahmen.

shz.de von
16. Juni 2014, 14:26 Uhr

Flensburg/Kiel | „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel", sagte einst Sepp Herberger. Für die Fans der deutschen Nationalmannschaft gilt dieser Spruch spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 mehr denn je. Während man früher nach Siegen in den eigenen vier Wänden oder der Kneipe feierte, geht es heute raus auf die Straße. Autokorso ist zum Anpfiff der dritten Halbzeit angesagt. Schwarz-rot-gold geschmückte Fahrzeuge bewegen sich dann hupend und im Schritttempo durch die Straßen. Ein Spaß für jeden Fußballfan.

Bei der Polizei sieht man den erwarteten Autokorsos weitestgehend entspannt entgegen. „Generell sind Autokorsos nicht verboten. Wir werden Fingerspitzengefühl zeigen und kulant sein, soweit es zu verantworten ist“, sagt Markus Langenkämpfer, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg. Seine Kollegen würden maßvoll und mit einem „toleranten Auge“ handeln.

Keine Toleranz gäbe es jedoch, wenn sich Fans auf Autodächer, Motorhauben oder Ladeflächen transportieren ließen. Hier sei die Verletzungsgefahr zu groß, gerade bei höheren Geschwindigkeiten. Gleiches gelte für das absichtliche Abbrennen von Motorradreifen, so genannte „Burnouts“.

Ohnehin erwartet Langenkämper, dass es in diesem Jahr deutlich ruhiger zugehen wird als bei den vorangegangenen Turnieren. „Weil die Spielen so spät angepfiffen werden und in Flensburg keine größeren Public Viewings stattfinden“, begründet er. Als größte Feierorte nach den Spielen erwartet er die Friedrich-Ebert-Straße vor dem Deutschen Haus sowie den Bereich rund um die Hafenspitze.

Anders sieht es in Kiel aus, wo parallel zu den deutschen Vorrundenspielen gegen Ghana und die USA auch noch die Kieler Woche stattfindet. Hier sind im Rahmenprogramm des größten europäischen Volksfestes mehrere Public Viewings geplant. „Man kann sich schlecht auf Autokorsos einstellen, da sie immer spontan sind. Wenn es sie aber gibt, sind wir mit genug Polizeikräften im Einsatz, um sie zu begleiten und in geordnete Bahnen zu lenken“, sagt Bernd Triphahn von der Polizeidirektion Kiel.

Keine Sorgen müssen sich Fußball-Fans in Sachen Lärmbelästigung machen. Bundesregierung und Bundesrat haben im vergangenen Monat eine Lockerung der Lärmschutz-Verordnung beschlossen, damit auch späte WM-Spiele im Freien geschaut werden können. Begründet wird dieser Schritt damit, dass es sich bei der Fußball-WM um eine internationale Sportveranstaltung von herausragender Bedeutung handelt. Ähnliche Regelungen wurden bereits zu vorherigen Welt- und Europameisterschaften getroffen.

Einen Freifahrtsschein zum Hupen und Singen zu später Stunde gibt es dennoch nicht, wie Flensburgs Rathaus-Pressesprecher Clemens Teschendorf betont. Die für die Umsetzung der neuen Lärmschutz-Verordnung verantwortlichen Kommunen würden Ausnahmeregelungen nur im Rahmen von Veranstaltungen (z.B. Public Viewings) erteilen. „Proforme Genehmigungen gibt es nicht. Für uns ist hier Augenmaß und Interessensabwägung angesagt“, so Teschendorf. Grundsätzlich gelte: „Jeder, der für sich zur WM etwas plant, sollte im Umgang mit seinen Mitmenschen Rücksicht walten lassen.“

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