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Ratgeber mit Videos : Auto und Fahrrad winterfest machen: Darauf sollten Sie achten

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Winterreifen, Batterie, Licht und Kettenfett: shz.de gibt Tipps, damit Sie sicher durch die dunkle Jahreszeit kommen.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2017 | 21:15 Uhr

Vier Grad, erster Reif auf dem Rasen: Das umschreibt den frühen Montagmorgen in einigen Teilen von Schleswig-Holstein recht gut. Für viele Auto- und Radfahrer beginnt die Zeit, sich mit dem Gedanken zu befassen, den fahrbahren Untersatz winterfest zu machen. Was es dabei von Reifen über Beleuchtung bis hin zum Kühlwasser zu beachten gilt, erklärt shz.de.

Winterreifenpflicht in Deutschland

Situative Winterreifenpflicht: In Deutschland orientiert sich die Pflicht für Winterreifen nicht am Kalender, sondern an den tatsächlichen Bedingungen auf der Straße.
Situative Winterreifenpflicht: In Deutschland orientiert sich die Pflicht für Winterreifen nicht am Kalender, sondern an den tatsächlichen Bedingungen auf der Straße. Foto: Bodo Marks
 

Von „O“ bis „O“, also von Oktober bis Ostern, heißt die alte Faustregel für das Aufziehen der Winterreifen. Der ADAC empfiehlt, sich in Zeiten von Ganzjahresreifen und Klimawandel dennoch grundsätzlich an diese Regel zu halten – auch wenn es keine allgemeine Winterreifenpflicht in Deutschland gibt, die an ein bestimmtes Datum geknüpft ist. Situative Winterreifenpflicht nennt sich das, was hierzulande für Autofahrer gilt. Diese greift – unabhängig von der Jahreszeit – wenn die Witterungsbedingungen winterlich sind. Das gilt zum Beispiel bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte. Ulf Evert, Pressesprecher des ADAC in Schleswig-Holstein empfiehlt daher, Reifen rechtzeitig zu montieren.

„Schneeflocken“-Symbol auf den Winterreifen

„M+S“-Kennung und „Schneeflocken“-Symbol: Mit diesen Zeichen auf der Reifenflanke kann der Winter kommen.
„M+S“-Kennung und „Schneeflocken“-Symbol: Mit diesen Zeichen auf der Reifenflanke kann der Winter kommen. Foto: dpa
 

Beim Kauf neuer Winterreifen sollte man auf das „Schneeflocken“- bzw. „Alpine“-Symbol achten. Das sieht aus wie ein Gebirge mit einer Schneeflocke in der Mitte. Ab dem 1. Januar 2018 müssen alle neu hergestellten Winterreifen dieses Symbol haben. Deshalb rät der ADAC, bei Bedarf schon jetzt einen so zertifizierten Reifen zu kaufen. Wer sich kürzlich noch neue Winterreifen mit dem „M+S“-Symbol gekauft hat, muss aber nicht beunruhigt sein. Die alten Reifen sind bis zum 30. September 2024 gültig. Hintergrund ist, das bisher die Bezeichnung „M+S“ ausreichend war. Da es sich dabei aber nicht um einen geschützten Begriff handelt, und daher auch auf nicht wintertauglichen Reifen stehen konnte, wird ab kommendem Jahr ausschließlich die mit der Schneeflocke versehenen Reifen eingeführt.

Sommerreifen im Winter: Das kann teuer werden

Unfälle wie dieser lassen sich vermeiden: Der Fahrer des Wagens war mit Sommerreifen unterwegs.
Unfälle wie dieser lassen sich vermeiden: Der Fahrer des Wagens war mit Sommerreifen unterwegs. Foto: Imago/Becker&Bredel
 

Fahrer, die gegen die situative Winterreifenpflicht verstoßen, müssen mit 60 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen, bei Behinderung werden 80 Euro fällig. Auch für den Halter bleibt es nicht folgenlos: Er wird mit 75 Euro Bußgeld und einem Punkt bestraft.

Auch wer mit Sommerreifen einen Unfall baut, muss mit hohen Kosten rechnen. Denn wegen grober Fahrlässigkeit kann es zu einer erheblichen Leistungskürzung der Kaskoversicherung kommen.

Allerdings gilt: Wenn das mit Sommerreifen ausgerüstete Fahrzeug bei Schnee und Eis lediglich parkt, wird kein Verwarnungsgeld fällig. Nur wenn das Fahrzeug auch gefahren wird, droht eine entsprechende Sanktion. 

DOT-Nummer und Profiltiefe: Zu alte Reifen sollten ersetzt werden

„0812“ bedeutet, dass der Reifen in der achten Kalenderwoche 2012 produziert wurde.
„0812“ bedeutet, dass der Reifen in der achten Kalenderwoche 2012 produziert wurde. Foto: dpa
 

Nicht nur bei zu wenig Restprofil sind neue Autoreifen fällig, sondern auch bei zu alten Reifen. Es gibt zwar keine gesetzliche Regelung zum Reifenalter, aber nach circa sechs Jahren sollten Autofahrer neue kaufen, rät der Tüv Rheinland. Denn die Weichmacher in den Reifenmischungen verflüchtigen sich mit der Zeit. Das sorgt dafür, dass der Pneu nach etwa sechs Jahren so weit ausgehärtet ist, dass er notwendige Eigenschaften oftmals nicht mehr aufweist.

Auf der Flanke des Reifens verrät die vierstellige DOT-Nummer das Alter. Die ersten beiden Ziffern weisen auf die Woche, die beiden letzten auf das Jahr der Herstellung hin.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 Millimetern – bei Winterreifen rät die Prüforganisation allerdings zu mindestens vier Millimetern. Ulf Evert empfiehlt, Winterreifen bei einer Profiltiefe von weniger als vier Millimetern umgehend zu erneuern.

Ganzjahresreifen sind dagegen nicht jedem zu empfehlen. Sie sind oft „eher für den Winter als den Sommer gemacht“, so der ADAC, im Hochsommer können viele Ganzjahresreifen zum Beispiel einen längeren Bremsweg haben. Deshalb seien solche Reifen nur für Zweitwagen, die ohnehin nicht so oft gefahren werden, oder leichte Fahrzeuge geeignet.

Reifen selbst wechseln: Darauf sollte man achten

Ein Drehmomentschlüssel hilft, die Radmuttern korrekt anzuziehen.
Ein Drehmomentschlüssel hilft, die Radmuttern korrekt anzuziehen. Foto: Imago/Chromorange
 

Wer die Räder jetzt im Herbst in Eigenregie wechseln will, sollte mit einem Drehmomentschlüssel die in der Betriebsanleitung genannten Drehmomente beachten. Wer die Schrauben zu schwach anzieht, riskiert ein sich lösendes Rad. Wer zu fest zudreht, könnte Radbolzen und Muttern beschädigen. Nach einer Fahrtstrecke von etwa 50 bis 100 Kilometern nach dem Reifenwechsel müsse nochmals nachgezogen werden, so der Tüv Rheinland.

Ein Video für den Wechsel auf Sommerreifen zeigt, worauf man achten sollte. Gleiches gilt nämlich auch für das Aufziehen der Winterreifen:

Richtiger Luftdruck wichtig

Auch im Winter gilt: Regelmäßig Luftdruck kontrollieren.
Auch im Winter gilt: Regelmäßig Luftdruck kontrollieren. Foto: Imago/K-P Wolf
 

Egal, ob neu oder alt: Für alle Reifen ist der korrekt eingestellte Luftdruck wichtig. Die korrekten Werte finden die Autofahrer in der Betriebsanleitung oder auch etwa an den Türholmen beim Einstieg oder im Tankdeckel. Dabei ist auch darauf zu achten, die richtigen Werte bei entsprechenden Beladungszuständen einzustellen.

SUV-Fahrer sollten in gute Winterreifen investieren

SUV werden immer beliebter. Doch ihr Allradantrieb und das hohe Fahrzeuggewicht können bei Schnee und Eis schnell gefährlich werden.
SUV werden immer beliebter. Doch ihr Allradantrieb und das hohe Fahrzeuggewicht können bei Schnee und Eis schnell gefährlich werden. Foto: Imago/Stephan Görlich
 

Für Besitzer allradbetriebener SUVs ist der nahende Wechsel auf Winterreifen ein Pflichttermin. Dieser Autotyp sei besonders auf gute Winterreifen angewiesen, sagt Gunnar Beer vom Auto Club Europa (ACE). Der starke Vortrieb des Vierradantriebs beschleunigt die Geländewagen zwar schneller als zweirad-angetriebene Autos, bringt die Reifen dadurch aber in Kurven und bei Bremsmanövern auch schneller an die Belastungsgrenze. Erschwerend hinzu kommt, dass SUVs vergleichsweise viel Masse mitbringen. Besonders bei Glätte ist deshalb Grip gefragt, um die Boliden rechtzeitig abzubremsen.

Weitere Tipps gibt auch der ADAC

Neben den Reifen sollten Autofahrer noch weitere Dinge beachten. „Dazu gehört beispielsweise, den Frostschutz in Kühler und Scheibenwaschanlage zu kontrollieren, zu überprüfen ob rund ums Auto alle Lichter funktionieren oder die Batterie zu testen und gegebenenfalls zu ersetzen“, sagt Ulf Evert. Neue Scheibenwischer sollten aufgezogen werden, sobald diese Schlieren bilden. Außerdem sollten Autofahrer auch die Türgummis mit einem Pflegestift behandeln, damit sie nicht festfrieren, rät der Pressesprecher. „Dann sollte man noch einen Türschloss-Enteiser dabei haben – allerdings besser nicht im Auto“, sagt Evert.

Um dem Salz keine Angriffspunke zu liefern, rät Evert, das Auto nach der Wäsche mit Hartwachs zu pflegen und Steinschläge auf dem Lack noch vor dem Winter auszubessern. Die Tipps hat der ADAC Schleswig-Holstein in einem Video zusammengefasst:

Außerdem sollten Autofahrer folgende Gegenstände immer im Fahrzeug haben, um sicher durch den Winter zu kommen:

  • Eiskratzer
  • Schneebesen
  • Schutzfolie für die Windschutzscheibe
  • eine Decke

 

Der Winter kommt – auch für Radfahrer

Winterreifen für Fahrräder: Oben mit grobem Profil, unten mit Spikes.
Winterreifen für Fahrräder: Oben mit grobem Profil, unten mit Spikes. Foto: dpa
 

Für Fahrradfahrer haben Herbst und Winter ihre Tücken: Nasse Fahrbahnen, glitschiges Laub, Eis, Schnee und schnell hereinbrechende Dunkelheit erhöhen in den trüben Monaten das Unfallrisiko. Auch Radler sollten daher ihre Drahtesel frühzeitig fit für die kalte Jahreszeit machen und sich nicht von den Schmuddelwettermonaten überraschen lassen, rät der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

Der Oktober ist vielleicht noch golden und mild, und plötzlich ist alles grau und trist. Straßen und Radwege sind oft rutschig und machen die Fahrt zur Schlitterpartie. Viele verbannen ihren Drahtesel dann bis zum Frühjahr im Keller oder in der Garage. Das muss aber nicht sein. Wer ein paar Ratschläge beachtet, fährt auch im Herbst und Winter sicher mit dem Rad. Woran man denken sollte, erklärt shz.de.

 

Und was passiert, wenn es beim Fahren unter den Reifen trotzdem glatt wird? ADFC-Verkehrsreferent Wilhelm Hörmann empfiehlt bei rutschigen Straßen: „Abstand halten, Tempo reduzieren und besonders bei fester Schneedecke und Glätte in Kurven weder treten noch bremsen.“ Lässt sich das Bremsen nicht verhindern, „sollte es maßvoll geschehen“. Besondere Vorsicht gilt vor Einmündungen, da bei Regen oder Schnee Fußgänger meist beim Gehen auf den Boden schauen, statt auf Radfahrer zu achten. Rutschgefahr besteht besonders auf Kopfsteinpflaster, Fahrbahnmarkierungen und Kanaldeckeln.

Welches Licht ist Pflicht?

Das Radfahren ohne Beleuchtung ist in Deutschland verboten. Daher stellt sich im Grunde nur die Frage, welche Lichtanlage die richtige ist. Für Gelegenheitsfahrer genügt der konventionelle Dynamo. Wer häufig radelt und etwas tiefer in die Tasche greifen kann, dem rät der ADFC zu einem Nabendynamo. Der Vorteil: Er ist robuster. Nässe, Frost und Erschütterungen machen ihm so gut wie nichts aus. Seit August 2013 erfüllen auch Batterieleuchten die Anforderungen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), wenn sie vom Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen sind.

Lampen mit LED-Technologie sind deutlich heller als herkömmliche Glüh- oder Halogenlampen. Ebenfalls empfehlenswert sind Leuchten mit Standlichtfunktion, die beim Anhalten an Ampeln nach vorne und hinten weiterleuchten.

Generell sollten Radfahrer versuchen, so viel wie möglich aufzufallen – auch durch bunte Kleidung oder Reflektoren am Helm oder Rucksack.

Braucht ein Fahrrad Winterreifen?

Auf Laub und Schnee wird es schnell rutschig. Für besseren Halt kann als Sofortmaßnahme der Reifendruck auf das Minimum reduziert werden. Wie viel das ist, steht auf der Reifenflanke. Mit weniger Druck vergrößert sich die Auflagefläche und die Bindung zum Boden ist besser. Wer wirklich bei jedem Wetter fahren will, kann über Spikereifen nachdenken. Außerdem gibt es wie für Autos spezielle Winterreifen mit weicher Gummimischung.

Wie pflegt man die Kette?

Tauwasser und Streusalz - diese Mischung ist für Fahrradketten pures Gift. „Eine unzureichend gepflegte Kette kann dadurch schon binnen weniger Stunden Rost ansetzen. Und der macht sie auf Dauer kaputt“, sagte René Filippek vom ADFC. An nasskalten Tagen widmen winterharte Radler der Kette ihres Drahtesels deshalb am besten jeden Abend ein paar Minuten Zeit. „Mit einem trockenen Tuch abreiben, dann die Kettenlaschen in zwei Durchgängen mit Kettenfließfett schmieren - erst die linke Seite, dann die rechte.“ Die Lebenserwartung der Fahrradkette lasse sich so deutlich steigern. „Wenn das Fett über Nacht einwirken kann, schmiert und schützt es die Kette besonders effektiv“, erklärte der Radexperte.

Wer für eine allabendliche Pflegeaktion nicht die Muße hat, sollte sich zumindest alle drei, vier Tage um die Fahrradkette kümmern. Wichtig ist es, die Kette nicht bloß von oben einzufetten. „Viele machen den Fehler, dass sie die Kette nur mittig schmieren, also auf den Rollen zwischen den Laschen“, weiß Filippek. „Da brauche ich kein Fett - die Laschen müssen gut geschmiert sein.“ Dann sei auch das nervige Quietschen beim Treten abgestellt. Leichten Flugrost können Radbesitzer ganz einfach mit einem Lappen abwischen. Hartnäckigere Verschmutzungen lassen sich mit Multifunktionsöl aus der Sprühdose lösen. „Das eignet sich aber nicht, um die Kette zu fetten - dafür ist es zu dünnflüssig“, betonte Filippek. Und da man mit Multifunktionsöl neben dem Dreck auch die Kettenfettschicht herunterwäscht, muss die Kette nach der Ölbehandlung sorgfältig abgewischt und nachgeschmiert werden.

 

Was passiert mit den Bremsen?

Bei kaltem Wetter verlängert sich in der Regel der Bremsweg, weil die Bremsgummis härter werden. Um längere Bremswege auf nassen Straßen auszugleichen, sollten die Bremsen im Herbst angezogen werden und etwas schneller greifen als im Sommer, empfiehlt der ADFC. Um zu prüfen, ob die Bremsbeläge noch ausreichen, gibt es an den Klötzen Markierungen. Spätestens wenn der Belag bis auf diese Kerben verschlissen ist, müssen die Beläge ausgetauscht werden.

(mit dpa)

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