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Erstaufnahmeeinrichtung in Thüringen : Ausschreitungen in Suhler Flüchtlingsheim: 14 Verletzte

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In dem überfüllten Flüchtlingsheim liegen die Nerven blank. Die angebliche Schändung des Korans löste Tumulte aus. Die Polizei musste Verstärkung aus Erfurt anfordern.

Suhl | Bei Ausschreitungen in einer Flüchtlingsunterkunft im thüringischen Suhl sind vier Polizeibeamte und mindestens zehn Heimbewohner verletzt worden. Auch sechs Polizeiautos und Mobiliar der Erstaufnahmeeinrichtung wurden bei dem Streit in der Nacht zum Donnerstag beschädigt, wie die Polizei mitteilte. Anwohnern zufolge wurden Fensterscheiben eingeschlagen und Möbel aus dem Fenster geworfen. Auch die Zentrale des privaten Wachdienstes wurde völlig demoliert.

In dem betroffenen Suhler Flüchtlingsheim war es auch in den vergangenen Wochen schon zu Auseinandersetzungen gekommen. Die Einrichtung ist völlig überfüllt. In der Unterkunft wurden bis zu 1800 Menschen einquartiert, ausgelegt ist sie für maximal 1200.


Nach Angaben der Polizei beruhigte sich die Lage im Tagesverlauf wieder. Die Schäden aus der Nacht waren jedoch deutlich sichtbar. Thüringens Migrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) informierte sich am Donnerstag in Suhl über die Lage. Seiner Meinung nnach sei eine „rote Linie massiv überschritten“ worden. Bei dem Besuch in der Erstaufnahmeeinrichtung sprach der Grünen-Politiker von einem „religiösen Streit, der eskaliert ist“ und von „Lynchjustiz“. Wenn Menschen auf engstem Raum zusammen lebten, werde das nie konfliktfrei gehen, sagte der Minister bei dem Besuch am Donnerstag. Die Konsequenz sei zu versuchen, die Konflikte zu minimieren.

Auslöser des Streits am Mittwochabend war laut Polizei wohl eine Auseinandersetzung mit einem Heimbewohner, der den Koran beleidigt haben soll. Der Asylbewerber sei zunächst von rund 20 anderen Heimbewohnern verfolgt worden, weil er angeblich Seiten aus dem Koran in der Toilette heruntergespült haben soll. Später beteiligten sich etwa 50 Flüchtlinge an dem Streit, weitere 50 sollen zugeschaut haben. Der verfolgte Heimbewohner wurde nach Angaben des thüringischen Innenministeriums zur eigenen Sicherheit in Schutzgewahrsam genommen.

Die Polizei war zunächst nur mit Suhler Beamten im Einsatz, die wegen der großen Zahl der Angreifer aber überfordert waren. Sie mussten sich zurückziehen und auf Verstärkungseinheiten aus Erfurt warten. In der Nähe des Heims wurden Zelte zur Versorgung von Verletzten aufgebaut.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach sich bei MDR Info für getrennte Flüchtlingsunterkünfte für verschiedene Ethnien aus. Nur so ließen sich Gewaltausbrüche wie dieser verhindern. Um den Druck abzubauen, seien in den vergangenen Tagen Flüchtlinge in drei Ausweichquartieren untergebracht worden. Er könne verstehen, wenn bei hochtraumatisierten Menschen die Emotionen hochkochten, sobald verschiedene Ethnien und religiöse Gruppen aufeinanderträfen, sagte Ramelow. Er toleriere aber nicht, wenn jemand einen Koran zerreiße und in die Toilette werfe, wie dies zuvor berichtet worden war.

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erstellt am 20.Aug.2015 | 12:25 Uhr

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