Filmstart: „Solo: A Star Wars Story“ : Aus Han wird Solo – was lief schief?

<p>'Solo: A Star Wars Story' - Alden Ehrenreich übernimmt von Harrison Ford. Foto: Lucasfilm</p>

"Solo: A Star Wars Story" - Alden Ehrenreich übernimmt von Harrison Ford. Foto: Lucasfilm

Han Solo bekommt ein neues Gesicht: In „Solo: A Star Wars Story“ übernimmt Alden Ehrenreich die Rolle.

shz.de von
22. Mai 2018, 15:50 Uhr

Am Donnerstag, 24. Mai, läuft „Solo: A Star Wars Story“ an. Wie gut ist Alden Ehrenreich als Nachfolger von Harrison Ford?

Von Harrison Ford zu Alden Ehrenreich

Zu den vielen Katastrophen-Meldungen, die vom Set der neuen „Star Wars Story“ nach außen drangen, gehörte auch diese: Dem Hauptdarsteller Alden Ehrenreich soll die Produktion noch mitten im Dreh einen Acting-Coach verpasst haben. Über das Talent des Schauspielers, der als Han Solo die Paraderolle eines der populärsten Schauspieler aller Zeiten übernehmen muss, dürfte das weniger auszusagen, als über den Druck, der auf ihm liegt.

Ehrenreich spielt die Figur zumindest nicht unbeholfen – aber doch vollkommen anders, als die Original-Trilogie sie eingeführt hatte. Harrison Ford reichte 1977 schierer Leichsinn, um der beste Pilot des Alls zu sein. Die kühnsten Manöver gelangen ihm im Grunde nur, weil er zu schlicht gestrickt war, um an einen Unfall zu denken. Fords Salopperie machte Han zum idealen Helden der 80er Jahre. Die Jugend ausgerechnet dieses ewigen Kindes illustriert Alden Ehrenreich nun mit Tugenden der 50er Jahre: Er ist ehrgeizig und verantwortungsbewusst, fokussiert und von maskulinem Tatendrang erfüllt. (Star-Wars-Spaß: Bärenlaute machen wie Chewbacca)

Irgendwelche Antworten: Wovon handelt „Solo“?

Der vollständige Verlust der Leichtigkeit hat unübersehbar mehr mit der Entstehung des Films zu tun als mit der Genese seiner Hauptfigur. Mit Großproduktionen im Jahresrhythmus arbeitet Disney derzeit massiv an der Gewinnmarge des „Star Wars“-Kosmos. Sukzessive sterben alte Helden, um Platz für neue zu machen. „Solo“ geht einen Schritt weiter und gibt einem alten Protagonisten das Gesicht eines neuen Darstellers. Im Produktionsplan ist damit ein weiterer Meilenstein abgehakt. Womit auch gut die Dramaturgie beschrieben ist, die wichtige Wendungen ebenfalls wie nach Strichliste präsentiert: Wie hat Han Solo seinen Freund Chewbacca lieben und das Imperium hassen gelernt? Wie ist er zu seinem Namen gekommen? Wie zum Millenium Falken? All das bekommt in „Solo“ eine Antwort, irgendeine.

Viel zu erzählen hat der Film nämlich nicht: Bei der Flucht von einem Unrechtsplaneten verliert Han die Geliebte Qi’ra („Game of Thrones“-Star Emilia Clarke) aus den Augen; um sie zurückzugewinnen, schließt er sich dem Auftragsräuber Tobias Beckett (Woody Harrelson) an. Die Jedi sind noch fern, auch die Protagonisten des Imperiums bleiben im Hintergrund. Die Vorgeschichte vom „Krieg der Sterne“ schildert eine Ursuppe aus Despotie, Raubtierkapitalismus und allgemeinen Verrat, in der Han Solo seine besten Eigenschaften erst noch entwickelt: die Loyalität zu den Freunden genauso wie seine Lust an der Provokation der Mächtigen.  (Wie gut kennen Sie "Star Wars"? Testen Sie Ihr Wissen im Quiz)

 Sternenkrieg am Set: Regie-Wechsel bei „Solo“

All das lässt einen ziemlich kalt, und womöglich liegt es daran, dass Buch und Regie gegeneinander arbeiten: Lawrence Kasdan – er schreibt die „Star Wars“-Drehbücher mit seinem Sohn Jonathan schon in zweiter Generation – hat sich so sehr mit dem Regie-Duo Phil Lord und Chris Miller überworfen, dass die Produktion einschreiten musste: Ungewöhnlich spät wurden die für ihre Komik berühmten Regisseure von „21 Jump Street“ (2012) und „The Lego Movie“ (2014) durch George Lucas’ Vertrauten Ron Howard („Inferno“) ersetzt. Eine Handschrift kann unter diesen Bedingungen kaum entstehen.

Von der Space-Oper zum Western

„Solo“ ist eine Gründungsgeschichte zur „Star Wars“-Saga; und erzählt wird sie im Ur-Genre amerikanischer Mythologien: als Western. Postraub und Showdown, Falschspiel im Saloon und indigene Gegner mit Bärenklaue am Space-Dress – von den Pferden mal abgesehen, ist alles dabei. Wenn Han sich als Flüchtling noch im rettenden Hafen als Soldat seiner neuen Heimat rekrutieren lässt, spielen die Kasdans sogar mit intelligenten Analogien zum amerikanischen Bürgerkrieg. Aber noch bevor es einem richtig auffällt, ist der vertraute Eskapismus aus singenden Nachtclub-Aliens, narbigen Schurken und Laserklingen wieder da. Sogar das für „Star Wars“ typtische Spiel mit biblischen Motiven treibt „Solo“ weiter: Ohne nennenswerte Änderungen erlebt Han exakt dasselbe Abenteuer wie Daniel in der Löwengrube.

Was im männlichen Genre des Westerns umso mehr auffällt, ist das Bemühen um starke Frauenfiguren. Mit 3L-37 nimmt Disney sogar einen weiblichen Droiden in Dienst – der zwar ein betont breites Becken hat, wie all seine Artgenossen aber nie ganz ernst genommen wird. Das Gegenteil gilt für Qi’ra , die neben ihrer Funktion als Han Solos Geliebte ein ambivalentes Eigenleben bekommt. Grundsätzlich ist das eine gute Sache; leider nimmt die Figur all ihre Geheimnisse mit in den Abspann. Irgendein kommender Teil wird Klarheit schaffen. Das „Star Wars“-Universum dehnt sich ja nicht ohne Grund unendlich aus. Es verliert dabei allerdings auch an Anziehungskraft.

„Solo: A Star Wars Story“. USA 2018. R: Ron Howard. D: Alden Ehrenreich, Emilia Clarke, Woody Harrelson. 135 Min, ab 12 Jahren.

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