Spross der Otto-Dynastie : Auf eigenen Wegen: Frank Otto tritt nicht in die Fußstapfen seines Vaters

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Wie sein Vater lebt auch Frank Otto mit einer deutlich jüngeren Frauen zusammen. Seine Freundin Nathalie Volk ist 20 Jahre alt.

Im Interview spricht Frank Otto über seine Jugend, seinen beruflichen Werdegang, seinen Vater sowie über den Hang zu jüngeren Frauen.

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11. November 2017, 11:55 Uhr

Hamburg | Herr Otto, ist es denn mehr Segen als Fluch, als Spross der Versandhaus-Dynastie Otto aufzuwachsen?
Am Ende ist es mehr Segen. Aber es war nicht immer einfach, weil mit dem Namen Otto sehr große Erwartungen verbunden waren und sind.

Sie gelten als Rebell, einigen sogar als schwarzes Schaf der Familie. Warum eigentlich?
Ich bin immer als Rebell bezeichnet worden, weil ich nicht wie meine Brüder ins Unternehmen eingestiegen bin. Eigentlich unterscheidet mich jedoch nicht so viel von meinen Geschwistern. Meine beiden Halbbrüder Michael und Alexander sind ins Unternehmen eingestiegen, meine beiden Halbschwestern haben kreative Berufe. Ich bewege mich dazwischen. Insofern trifft mein Image als Rebell nicht zu. Das hat eher mit meiner Generation zu tun: Wir waren musikalisch, politisch und gesellschaftlich eine Aufbruchsgeneration. Es gab viele Dinge in meiner Sozialisation, die nicht mit den Wertvorstellungen eines bürgerlichen Elternhauses übereinstimmten. Sicher kommt daher mein Ruf des Rebellen.

Haben Sie gute Erinnerungen an Ihre Kindheit und Jugend?
Ich war lange im Internat, wo die Eltern weit weg sind. Insofern bin ich außerhalb der Familie aufgewachsen und man hat nur wenig auf meine Bedürfnisse eingehen können. Aber es war ohnehin eine Zeit, in der man sich von den Erwachsenen nicht verstanden fühlte. Meine Probleme waren damals nicht familiärer, sondern gesamtgesellschaftlicher Natur.

Sie haben früh Ihre Liebe zur Musik entdeckt. Stimmt es, dass Ihr Vater Ihnen Ihre erste Gitarre aus dem Otto-Sortiment schenkte?
Ja, das stimmt. Darauf waren nicht Saiten gespannt, sondern nur Draht. Ich habe sie dann zum Schlagzeug umfunktioniert.

Haben Sie das Ihrem Vater übel genommen?

Nein. Wir haben zu der Zeit in der Familie schon alle mit Humor betrachtet, wie sehr mein Vater von seinen Produkten überzeugt war. Er hat auch nur Kleidung aus dem Otto-Versand getragen. Diese Bodenständigkeit war sympathisch. Man spürte seinen Stolz auf das Unternehmen und das war berechtigt.

Es heißt immer, Ihr Vater habe Sie in das Unternehmen drängen wollen . . .

. . . nein, das stimmt nicht. Mein Vater war ein moderner Mann und hat mir durchaus die Freiheit gelassen, meinen Weg zu finden.

War er denn mit Ihrem Studium der Malerei von Anfang an einverstanden?
Er war nicht begeistert und es kam für ihn überraschend. Aber als er meine Arbeiten gesehen hat und sich von meinem Talent überzeugen konnte, hat er meinen Weg unterstützt. Für meinen Vater war immer nur wichtig, dass, egal was man tut, etwas draus macht.

Heute sind Sie erfolgreicher Unternehmer im Radiobusiness. Haben Sie trotz aller Unkenrufe also doch das Unternehmer-Gen Ihres Vaters geerbt?
Ja. Ich glaube, dass ich erst den Weg in die Kunst gesucht habe, weil ich in der Wahrnehmung anderer immer mit dem übergroßen Vater konfrontiert war. Mir war früher ein Bereich wichtig, in dem er mich nicht protegieren und ich mich selbst behaupten konnte. Immer nur „Sohn von“ zu sein, ist extrem unbefriedigend. Ich wollte als eigenständige Person wahrgenommen werden und habe deshalb nicht darüber nachgedacht, unternehmerisch tätig zu werden. Das Komische ist aber, dass ich schon in der Band derjenige war, der die Verträge ausgehandelt und die Abrechnungen gemacht hat.

Dabei heißt es immer, Sie seien so ganz anders als Ihr Vater, der . . .
. . . der Eindruck wird immer erweckt, mein Vater sei ganz anders gewesen als ich. Da stimmt nicht. Es gab ganz viele Parallelen zwischen uns, die nur von außen nicht wahrgenommen wurden. Er wollte zum Beispiel Schriftsteller werden und ich habe Kunst studiert. Er hat sich mit den Nazis angelegt und dafür im Gefängnis gesessen. Mein Vater war durchaus auch eine Art Rebell. Er selbst hat mich sogar einmal als den Sohn bezeichnet, der ihm am ähnlichsten sei.

Eines haben Sie auch gemeinsam: den Hang zu deutlich jüngeren Frauen. Ihr Vater war dreimal verheiratet, seine zweite Frau Jutta, Ihre Mutter, war 20 Jahre jünger als er, seine dritte – Maren – 36 Jahre. Ihre Freundin Nathalie ist 39 Jahre jünger als Sie. Sind das die Gene?

Keine Ahnung, ob das genetisch bedingt ist. Ich kenne viele Männer in meinem Alter mit ganz jungen Frauen. Man muss das wollen, weil es anders als bei Gleichaltrigen oder zehn Jahre jüngeren Frauen kulturell epochale Unterschiede gibt. Eine Freundin zu haben, die die Welt, aus der ich komme, nicht kennt, ist auch eine Herausforderung.

Wie überwinden Sie den Altersunterschied zu Ihrer Freundin?
Ich bin neugierig und finde den anderen, den jungen Blickwinkel spannend. Und ich erwische mich bei dem ein oder anderen alten Zopf, den man mal abschneiden muss.

Ärgert es Sie, wenn es heißt: Sie will sein Geld, er ihre Jugend?
Was heißt ärgern! Das ist ein Klischee und ein Aufreger für Boulevard-Medien. Ich äußere mich gegenüber Medien meist so, dass es schon fast langweilig ist. Nathalie hat Spaß daran, Dinge rauszuhauen, die dann einen Eklat provozieren. Mich ärgert es, wenn Dinge falsch dargestellt und Äußerungen falsch zitiert werden. Aber dass Dinge von mir überzeichnet und Konflikte betont werden, sehe ich gelassen.

Seit Sie mit Nathalie liiert sind, drängen Sie mit verschiedenen Fernsehformaten und bei Galas in die Öffentlichkeit. Sind Sie der Rote-Teppich-Typ?

Ich habe mich darauf eingelassen, mich mit Nathalie im Boulevard zu bewegen und war eigentlich nie öffentlichkeitsscheu. Aber ich gehe nicht in die Öffentlichkeit, um zu polarisieren, sondern weil ich ein Anliegen inhaltlicher Natur habe.

In einem Special der Auswanderer-Dokusoap „Goodbye Deutschland“ haben Sie beide sich von Kameras auf den Seychellen begleiten lassen. Sie haben gesagt, Sie wollten damit auf die Deutsche Meeresstiftung aufmerksam machen, die Sie 2015 mitgegründet haben. Das fanden viele unglaubwürdig. Können Sie die Kritik respektieren?
Ich wollte sowieso auf die Seychellen, so kam das zustande. Dort hat mein Meeres-Engagement angefangen. Das wollte ich Nathalie zeigen. Daraus hat Vox ein Unterhaltungsformat gemacht, aber die Aufmerksamkeit konnte ich nutzen. Ich habe im Nachhinein vielen Fach-Publikationen und –Sendern Interviews zum Thema Umweltschutz gegeben. Da hat der Boulevardcharakter der Vox-Sendung keine Rolle mehr gespielt. Im Gegenteil: So habe ich eine breite Öffentlichkeit für den Meeresschutz hergestellt. Die Seychellen waren der richtige Ort, um den Leuten das Meer als etwas Schönes nahe zu bringen, das man bewahren sollte. Wenn man Katastrophen zeigt, wenden sich die Leute ab.

Wofür setzen Sie sich als Umweltschützer ein?

Wir müssen den Raubbau an der Natur beenden. Wir verschwenden riesige Ressourcen, in dem wir Kohle, Öl und andere fossile Energien verbrennen. Sie sind für alle Zeiten verloren und sie schädigen die Umwelt und das Meer. Das ist dumm! Eine Lösung sind regenerative Energien. Das wird auch ein wichtiges Thema bei den „Jamaika“-Koalitionsverhandlungen sein. Wenn wir jetzt nicht umdenken und Gesetze ändern, werden wir irgendwann drastische Maßnahmen wie Fahrverbote ergreifen müssen, die die Gesellschaft so verändern, wie es keiner möchte.

Mit Ihrem Namen können Sie viel erreichen. Warum gehen Sie nicht beispielsweise in die Hamburgische Bürgerschaft?

Ganz sicher nicht. Es ist nicht meine Welt, darauf aufpassen zu müssen, nicht reingelegt zu werden oder darüber nachzudenken, wie man andere zu Fall bringt. Meine Welt ist die Kultur und da geht man zivilisierter miteinander um. Joschka Fischer hat mal gesagt: „Ich möchte keinen Freund wie mich haben.“ Damit wollte er beschreiben, wie hinterhältig man als Politiker sein muss.

Ist Hamburg auf einem guten Weg? Es gibt vieles, wofür man Hamburg loben kann wie zum Beispiel das Wohnungsbauprogramm. Beim Klima aber ist Hamburg auf keinem guten Weg. Allein dass 2014 ein Kohlekraftwerk in Betrieb genommen wurde, ist ein Unding. Wir brauchen Lösungen für die Kreuzfahrtschiffe. Und der Hamburger Hafen ist eine Atomdrehscheibe, der einzige Hafen Deutschlands, über den Atomkraft weit über den Eigenbedarf hinaus abgewickelt wird, Das kann nicht sein.

Was ist Luxus für Sie?

Luxus ist für mich Fortschritt. Es gibt eine Parabel: Wenn man einem Neugeborenen zur Geburt goldene Ess-Stäbchen schenkt, würde das erst einmal jeder als dekadent und luxuriös bezeichnen. Aber die goldenen Stäbchen hätten sich im Vergleich zu hölzernen mit dem 6. Lebensjahr des Kindes amortisiert. Und die goldenen Stäbchen müsste man nicht einmal wie die hölzernen abwaschen, sondern nur abwischen, weil Gold bekanntlich eine antibakterielle Wirkung hat, weshalb wir es auch im Mund haben.

Die goldenen Ess-Stäbchen sind also die ökologischste Form eines Essbestecks. So ähnlich verhält es sich mit meinem Auto: Ich fahre einen 7er BMW Hybrid. Das ist natürlich ein Luxusauto, aber darin ist eine Technologie der Zukunft verbaut, wie es sie in anderen Autos noch nicht gibt. Guter Luxus hat den Anspruch, die Welt positiv zu gestalten. Dekadenten Luxus finde ich schrecklich. Ich gönne mir zwar hin und wieder Luxus wie ein schönes Hotel. Aber ich bin nicht jemand, der alles haben muss.

Bestellen Sie eigentlich auch bei Otto? Oder bei Amazon?
Bei beiden. Otto hat ja keine Bücher und keine Musik, aber technisches Gerät zum Beispiel bestelle ich bei Otto.

Zur Person:

Frank Otto (60) ist nach Michael Otto der zweitälteste Sohn von Werner Otto, dem Versandhaus-Gründer. Er studierte Bildende Kunst in Kiel. Seit den 1980er Jahren ist er ein erfolgreicher Medienunternehmer. Von 1999 bis 2003 war er auch Herausgeber der Hamburger Morgenpost. Frank Otto engagiert sich vielfältig ehrenamtlich in der Hansestadt und ist Unterstützer des FC St.Pauli. Er war zweimal verheiratet, hat zwei Kinder aus zweiter Ehe und lebt heute mit dem Model Nathalie Volk in Hamburg-Uhlenhorst.
 

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