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"Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" : Auf den Spuren einer Mystikerin

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Ihr Name prangt auf hunderten Ratgebern - höchste Zeit also, dass das Leben der Klostergründerin und Mystikerin ins Kino kommt.

Schon seit Jahren erlebt die Äbtissin, Heilkundige, Komponistin, Seherin und Missionarin Hildegard von Bingen (um 1098-1179) eine regelrechte Renaissance. Ihre Kräuter- und Heilkunde ist populärer denn je, und ihre musikalischen Kompositionen erfreuen sich lebhafter Nachfrage - nicht erst seit esoterische Kreise sie als Leitfigur eines ganzheitlichen Menschenbildes entdeckt haben. Jetzt hat die Autorenfilmerin Margarethe von Trotta der Äbtissin eine eindringliche Filmbiographie gewidmet, in der Barbara Sukowa in der Titelrolle zu Hochform aufläuft.
Hildegard von Bingen genießt den Ruf, zu den faszinierendsten Frauengestalten des Mittelalters zu zählen. Ein Grund dafür ist, dass sie den Mut besaß, aus den strengen Regeln ihrer Zeit auszubrechen und in einer Männer-dominierten Gesellschaft ein Frauenkloster zu gründen. Berühmt wurde Hildegard von Bingen zu Lebzeiten durch ihre Visionen, die sie mit höchster Erlaubnis der katholischen Kirche niederschrieb und veröffentlichte.
Auf Wunsch der Eltern ins Benediktinerkloster
Starke Frauenfiguren und intensive schwesterliche Konflikte prägen schon seit "Schwestern oder die Balance des Glücks" (1979) und "Die bleierne Zeit" (1981) das filmische Schaffen von Margarethe von Trotta. Auch in ihrem 14. Kinofilm blieb sie dieser thematischen Vorliebe treu. In "Vision" zeichnet sie die wichtigsten Lebensstationen der rheinischen Mystikerin nach, wobei sie die enge Beziehung Hildegards zu der Novizin Richardis zum packenden emotionalen Kern der Story ausbaut.
Der Film beginnt mit der achtjährigen Hildegard (Stella Holzapfel), die auf Wunsch ihrer adligen Eltern in das Benediktinerkloster Disibodenberg gebracht wird. Der strenge Abt Kuno (Alexander Held) gibt das Mädchen in die Obhut der sechs Jahre älteren Jutta von Sponheim (Mareile Blendl), die das musikalische Talent des Mädchens fördert. Als ihre Mentorin stirbt, avanciert die erwachsene Hildegard (Barbara Sukowa) 1136 zur Äbtissin, die umgehend die Gemeinschaft der Schwestern reformiert. Mit ihrem Aufstieg weckt sie jedoch den Neid der Nonne Jutta (Lena Stolze), mit der sie seit Kindertagen eine enge Freundschaft verbindet.
Hildegard gerät in eine Krise
Bestärkt durch ihre religiösen Visionen verfolgt die Äbtissin ihren Weg der Eigenständigkeit und setzt mit geschickter Diplomatie gegen den Widerstand von Abt Kuno durch, dass sie 1147 das Frauenkloster Rupertsberg am Mittelrhein gründen darf. Dort avanciert die Novizin Richardis von Stade (Hannah Herzsprung) zu ihrer wichtigsten Helferin und Vertrauten. Als Richardis Mutter (Sunnyi Melles) jedoch dafür sorgt, dass die junge Frau die Leitung eines Klosters in Norddeutschland übernimmt, gerät Hildegard in eine Krise.
Barbara Sukowa, die bereits zum fünften Mal wichtige Rollen in Filmen von Trottas spielt, liefert in der Titelrolle eine Glanzleistung. Souverän gelingt es ihr, die Komplexität und das Charisma der unbeugsamen mittelalterlichen "Karrierefrau" zu vermitteln. Ohne Sukowa wäre der emotionale Höhepunkt des Films - die verzweifelten Versuche Hildegards, Richardis bei sich zu behalten - nicht so packend ausgefallen. Sukowa stehen mit Hannah Herzsprung, Heino Ferch, Alexander Held und Lena Stolze allerdings auch hochklassige Darsteller zur Seite.
Von Trottas nüchterne, fast strenge Inszenierung legt Wert auf eine authentische Atmosphäre, die durch sparsam eingesetzte Originalmusik von Hildegard verstärkt wird. Die Klosterszenen wurden bei kargem natürlichen Licht in historischen Klöstern in Eberbach und Maulbronn gedreht. Beginnt der Film zunächst etwas betulich wie bei der Erklärung der Kräuterlehre, so nimmt er Fahrt auf, als der emanzipatorische Ansatz in den Vordergrund rückt, insbesondere wenn Hildegards Drang zur Selbstbestimmung mit autoritären männerbestimmten Strukturen zusammenprallt.
("Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen", Deutschland/Frankreich 2008, Historiendrama, 111 Minuten, FSK: 12, Regie: Margarethe von Trotta, Darsteller: Barbara Sukowa, Heino Ferch, Hannah Herzsprung, Alexander Held, Lena Stolze, Sunnyi Melles u. a.) Kinostart: 24. September 2009

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erstellt am 22.Sep.2009 | 03:12 Uhr

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