LONDON "Waity Katie" auf der Zielgeraden - Psychogramm einer Prinzessin

Von Jan-Hendrik Dany | 19.04.2011, 03:59 Uhr

Natürlich ist der Beiname demütigend.

"Waity Katie". Das Mädchen aus der Provinz, aus Berkshire, das (nach Angaben ihrer damaligen Zimmergenossin Jessica Hay) zu Collegezeiten ein Prinz-William-Poster über ihrem Bett aufgehängt hatte und dann, als die Beziehung zu "Big Willie" endlich zustande gekommen war, fast zehn Jahre warten musste, bevor er ihr einen Heiratsantrag machte.

Die lange Wartezeit ist bekanntlich nicht die einzige Demütigung gewesen. Die Trennung, 2007. Und der Spott aus "Prince Charmings" Umfeld über Kates - nach englischem Schichtverständnis - "Middle Class"-Herkunft. Mit Bergarbeitern als Urahnen und belächeltem "Neureichen"-Vermögen aus einem Party-Versandhandel. Dazu der Fauxpas von Kates Mutter Carole, obendrein "nur" eine gelernte Stewardess, die Queen nach der "Toilet" statt wie in "Upper Class"-Kreisen üblich nach der "Lavatory" oder "Loo" gefragt zu haben. Der "Toiletgate"-Skandal war geboren. Zumal sich das Gerücht, Carole Middleton habe ihre Tochter 2001 regelrecht auf William angesetzt, hartnäckig hält.

Fakt ist allerdings, dass Catherine Elizabeth Middleton (in jungen Jahren im Schultheater ironischerweise in der Rolle der Eliza Doolittle in "My Fair Lady zu sehen) all diese Spötteleien und Demütigungen hinter sich gelassen hat und nicht nur zur Auserwählten des Prinzen, sondern auch zu einer Stil-Ikone geworden ist. Vom Hochglanzmagazin "Vanity Fair" zu einer der zehn bestgekleideten Frauen der Welt gekürt, beschäftigt einen Teil der internationalen Presse nahezu täglich die Frage, welche Marken und Designer die 29-jährige, berufslose Kunsthistorikerin trägt.

Allerdings legt sich in diesem Zusammenhang kurz vor der Hochzeit ein Schatten über die Londoner Version des Aschenputtel-Märchens. Denn aus "Waity Katie" ist "Weighty Katie" geworden. Die schon bei der Bekanntgabe der Verlobung entschieden zu dürr wirkende "neue Prinzessin der Herzen" ("The Spectator") hat in den vergangenen Monaten weiter an Gewicht verloren. In einer Mischung aus Besorgnis, Zynismus und Sensationsgier fragt die berüchtigte englische "Yellow Press", ob Kate, die eigentlich Catherine genannt werden möchte, nun auch in puncto Essstörungen in Lady Dianas Fußstapfen trete. Und Amanda Platell, Kolumnistin der "Daily Mail", schreibt "Weighty Katie" in einem offenen Brief: "Dein athletischer Körper, der den Prinzen einst angezogen hat, er ist verschwunden - genau wie deine Kurven."

An die zahllosen "sorgenvollen" Fragen und Appelle heften sich Kate-Psychogramme, die allesamt an ein und demselben Schönheitsfehler kranken: der Kombination von psychologischem Nullwissen und der Tatsache, noch nie ein Wort mit der angeblich so labilen Prinzessin in spe gewechselt zu haben. Denn Kate schweigt. Und sie ist auf der Zielgeraden.

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