Flugzeug, Bahn oder Bus? Endlich wieder reisen – aber ist das auch sicher?

Von Ankea Janßen | 15.06.2020, 17:21 Uhr

Droht auf dem Weg in den Urlaub eine Ansteckung? Was Airlines, die Bahn und Busunternehmen gegen das Coronavirus tun.

Innerhalb Europas ist der Startschuss für die Urlaubssaison 2020 gefallen: Die Bundesregierung hat an diesem Montag die Reisewarnung für 27 europäische Länder aufgehoben. Doch nun fragen sich viele Deutsche nicht nur, wohin sie am besten reisen sollten, sondern auch, wie sie am sichersten ans Ziel gelangen: Mit dem eigenen Auto, der Bahn, dem Bus oder doch dem Flieger?

Mehr zum Thema:

Obwohl die Reisewarnung offiziell aufgehoben wurde, muss sich jeder im Klaren sein, dass eine Reise auch Risiko bedeutet. So sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Sonntagabend im "Bericht aus Berlin" in der ARD, die Deutschen sollten gründlich abwägen und Vorsicht walten lassen. "Muss ich jetzt nach Lissabon, oder kann das vielleicht auch noch ein wenig warten", fragte Spahn. Er verwies auf Ischgl in Österreich, von wo aus das Virus im Winter europaweit Verbreitung fand. "Jetzt darf nicht Ballermann sozusagen das nächste Ischgl werden."

Wie sicher ist das Flugzeug?

Am Montagvormittag ist erstmals wieder eine Maschine mit Urlaubern aus Deutschland nach Mallorca geflogen. Der mit 189 Passagieren voll besetzte Tui-Flug X3 2312 war am Morgen in Düsseldorf gestartet. Doch viele fragen sich, ob die Reise mit dem Flieger wirklich sicher ist.

In einem Interview mit Deutschlandfunk sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, es gebe einen einfachen Grundsatz bei der Reise per Flugzeug: "Je länger Sie fliegen, desto größer wird auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Übertragungen kommen kann. Das liegt in der Natur der Sache."

Fluggesellschaften versuchen Reisende zu umwerben, indem sie ihnen ein besonders sicheres Gefühl vermitteln wollen. Unter anderem informieren sie darüber, dass die Luft an Bord alle drei Minuten ausgetauscht wird. So strömt von der Kabinendecke immerzu Luft hinein, die im Fußbereich der Passagiere wieder abgesaugt wird. Der TUIfly-Sprecher Aage Dünhaupt sagte sogar, die Luft im Flieger sei so sauber wie in einem Operationssaal: "Die Luftzirkulation geht von oben nach unten in der Kabine. Und dann wird das alles zusätzlich nochmal über die Filter geleitet. Innerhalb von 2 Minuten ist die gesamte Luft im Flugzeug ausgetauscht und gereinigt."

Trotzdem kann ein Infizierter auch andere Menschen an Bord anstecken. Trotz des stetigen Luftstroms von oben nach unten kann er theoretisch seine Sitzreihe sowie die zwei Sitzreihen vor und hinter sich kontaminieren. Wirklich nachgewiesen ist das nicht, aber es ist das, wovon die Europäische Luftsicherheitsbehörde EASA aufgrund der internationalen Studienlage derzeit ausgeht.

Auch Schmidt-Chanasit macht im Interview deutlich: "Man kann das Risiko nie auf null drücken. Das geht nirgendwo. Das geht im Reisebus nicht, das geht auch natürlich im Auto nicht, wenn ich selber verreise. Reisen bedeutet Risiko. Damit müssen sich alle auch auseinandersetzen."

Wie verhalte ich mich an Bord?

Die EASA empfiehlt den Fluggesellschaften in einer aktuellen Mitteilung eine Maskenpflicht für Passagiere und Kabinencrew, die die meisten Airlines (Lufthansa, Condor, Easyjet) auch eingeführt haben. Wer sich nicht daran hält, muss damit rechnen, der Maschine verwiesen zu werden, so der ADAC. "Den Fluglinien steht es im Rahmen ihres Hausrechts frei, eine entsprechende Vorgabe an Bord ihrer eigenen Flugzeuge zu erlassen. Wird Fluggästen, die keine Maske tragen, die Beförderung verweigert, so stehen diesen Ansprüche zu, wenn die Beförderungsverweigerung unberechtigt erfolgte."

Im Streitfall müsse ein Gericht klären, ob die von der Airline angeordnete Pflicht zum Tragen eines Schutzes zur Aufrechterhaltung der Sicherheit an Bord gerechtfertigt war.

Regelmäßig sollen die Fluggäste außerdem ihre Hände desinfizieren. Die Lufthansa teilt an alle Passagiere beim Einsteigen ein Desinfektionstuch aus. Die Zahl der Toiletten soll reduziert werden, denn eine ist künftig exklusiv der Besatzung vorbehalten. Zudem sind die WC-Kabinen mit Desinfektionsseifen ausgestattet.

Auch der Kontakt zwischen Personal und Passagieren während des Flugs soll reduziert werden, daher erfolgt nur ein eingeschränkter Bordservice. Das heißt: kein Verkauf zollfreier Artikel mehr, keine Kaffeerunde nach dem Essen.

Gibt es Corona-Tests und freie Mittelsitze?

Die Lufthansa will Passagieren vor Abflug in der Coronakrise die Möglichkeit von Tests auf das Virus anbieten. Nach Informationen des "Spiegel" will das Unternehmen noch im Juni oder spätestens Anfang Juli an den Flughäfen in Frankfurt und München die Dienstleistung zur Verfügung stellen.

In Testcentern, die von externen Partnern betrieben werden, können sich Passagiere auf das Virus untersuchen lassen. Das Ergebnis liege binnen vier Stunden vor. Nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers richtet sich das Angebot vor allem an Reisende, die in Länder fliegen, die bei der Einreise einen Corona-Test verlangen. Auch der Chef des Reiseveranstalters Alltours, Willi Verhuven, hat sich für Corona-Tests bei allen Flugreisenden vor der Abreise ausgesprochen.

Die EASA empfiehlt, "wenn möglich" einen Sitz pro Reihe freizulassen, jedoch halten sich die meisten Fluglinien nicht an diesen Rat und lehnen ihn aus wirtschaftlichen Gründen ab. Sollte bei Economy-Kunden auf Langstreckenverbindungen verstärkt der Wunsch nach einem freien Mittelsitz aufkommen, erwägt die Lufthansa, diese Dienstleistung nach dem Vorbild ihrer Tochter Eurowings einzuführen, allerdings gegen Aufpreis. "Billig wird das nicht", zitierte der "Spiegel" Lufthansa-Vorstandsmitglied Christina Foerster.

Was unternimmt die Deutschen Bahn?

Auch die Deutsche Bahn wirbt mit Hygieneoffensiven um mehr Kundschaft, Bis Juli werde die Zahl der Reinigungskräfte deutlich erhöht, heißt es in einer Pressemitteilung. 500 Mitarbeiter – und damit doppelt so viele wie bisher –sollen die ICE- und IC-Züge während der Fahrt reinigen. Im August soll es dann sogar 600 sogenannte "Unterwegsreiniger" geben.

Weiterlesen: Sicher und sauber: Wie die Deutsche Bahn um Fahrgäste schrubbt

Mit regelmäßigen Durchsagen wie "Tragen Sie ihre Mund-Nasen-Bedeckung und nutzen Sie die gesamte Länge des Zuges zum Ein- und Aussteigen", wird versucht, alle Reisenden gleichmäßig zu verteilen. Eine Maskenpflicht gilt in allen Fern- und Regionalzügen. Ausnahmen gibt es im Fernverkehr für Kinder unter sechs Jahren und Menschen, die essen oder trinken. In der Bahn-App erscheint außerdem ein roter Warn-Hinweise, sobald ein Zug bereits zur Hälfte ausgelastet ist.

UV-C-Strahlung gegen Keime

Im Fernverkehr werden die Züge bei der Bereitstellung in den Werken gereinigt – zudem alle zwei Stunden während der Fahrt. DB-Regio-Züge werden im Schnitt drei Mal pro Tag gesäubert, bei hoher Auslastung auch häufiger. Vor allem sogenannte Kontaktflächen wie Türdrücker, Griffe und Haltestangen werden mehrfach gereinigt. Zudem wird verstärkt gelüftet.

Die Bahn probiert aber noch etwas anderes aus als Wasser und Desinfektionsmittel: Licht. Das soll Keime etwa auf den Griffen der Rolltreppen zerstören. Genutzt wird dafür ein spezielles Licht der Sonne, UV-C-Strahlung genannt. In Krankenhäusern gibt es solche Lampen schon. An Bahnhöfen, etwa in Frankfurt, ist das noch ein Test.

Teils strenge Regeln bei Busreisen

Vor allem Busreiseveranstalter wurden durch die Corona-Pandemie in eine tiefe Krise gestürzt. Ende Mai hat Marktführer Flixbus den Betrieb auf einigen innerdeutschen Strecken mit zunächst knapp 50 Haltepunkten wieder aufgenommen. Passagiere müssen während der gesamten Fahrt einen Mund-Nasen-Schutz tragen und an Haltestellen sowie beim Ein- und Aussteigen den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten. Toiletten im Bus bleiben geschlossen und die Fahrzeuge sollen nach jeder Tour desinfiziert werden, kündigte das Unternehmen an.

Bundesländer entscheiden über Maßnahmen

Organisierte touristische Busreisen, also auch Tagestouren oder Gruppenfahrten, dürfen inzwischen zwar wieder teilweise stattfinden. Über die Bedingungen entscheiden jedoch die Bundesländer, wodurch ein Flickenteppich in Deutschland entsteht. So schreibt Mecklenburg-Vorpommern neben einer Mund-Nasen-Bedeckung vor, dass zwischen Personen ein Abstand von 1,5 Meter einzuhalten ist, die Busse sind mindestens alle zwei Stunden zu lüften und die Klimaanlage ist, "soweit möglich, nur mit Außenluftzufuhr zu betreiben". Auch in Niedersachsen sind Busreisen seit dem 8. Juni wieder erlaubt. Unter anderem müssen die Fahrgäste im Bus eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und der Bus darf nicht voll besetzt sein. Ähnliche Bedingungen gelten auch in Schleswig-Holstein. In Hamburg darf nur jeder zweite Platz in einem Reisebus besetzt werden.

Der Internationale Bustouristik Verband RDA fordert daher einheitliche Regelungen für ganz Deutschland. Nur so sei es möglich, wieder bundesweite Reisen anzubieten. "Für unsere Branche ist es schon 5 nach 12", sagte auch der Landesvorsitzende des Omnibus-Verbandes Nord, Klaus Schmidt. Er forderte Gleichbehandlung mit Luftverkehr und Bahn: Im Gegensatz zu denen müssten Reisebusse faktisch unerfüllbare Abstandsregeln befolgen: "Wenn Sie 1,50 Meter einhalten wollen, fahren zehn Reisende mit".