Kiel Schwangere getötet - Angeklagter schweigt

Von Eckard Gehm | 05.11.2010, 07:52 Uhr

Sie war schwanger und starb, weil sie sich von dem Vater des Kindes trennen wollte. Wegen Mordes muss sich dieser seit Mittwoch vor dem Landgericht verantworten.

Auf seinen Ordner mit den Prozessakten hat der Angeklagte ein Foto seiner beiden Kinder geklebt. Er wäre im November zum dritten Mal Vater geworden, doch die Mutter dieses Kindes soll er in der zehnten Schwangerschaftswoche erstochen haben. Das Baby starb im Bauch der Berufsschülerin. Der Fall hat die Menschen in Schleswig-Holstein erschüttert.
Saskia S. (18, Foto) war mit drei Messerstichen in der Brust tot in ihrer Wohnung in Eckernförde gefunden worden. Seit Mittwoch steht ihr Ex-Freund wegen heimtückischen Mordes und Schwangerschaftsabbruchs vor dem Kieler Landgericht. Laut Anklage wusste der Rendsburger Erwino-Claudio Y. (33), dass Saskia S. von ihm schwanger war, die Beziehung trotzdem beenden wollte. Der Staatsanwalt: "Mit dem Schlüssel, den der Angeklagte noch hatte, öffnete er am 2. Mai die Wohnungstür von Saskia S., die auf dem Bett lag. Mit einem Küchenmesser stach er drei Mal auf ihren Oberkörper ein." Die elf Zentimeter lange Klinge durchtrennte eine Rippe, stach in den Herzbeutel. Auch die Lunge wurde getroffen, kollabierte. Nach der Tat flüchtete der Angeklagte mit zwei Handys und dem Laptop seines Opfers. Polizisten konnten ihn wenig später auf einer A7-Raststätte bei Hannover festnehmen.
"Das Kind verdient es nicht, keinen Vater zu haben"
Erwino-Claudio Y., geboren in Manila (Philippinen) und als Waisenkind von deutschen Eltern adoptiert, will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Der schmale, kleine Mann, der um den Hals eine schwere Goldkette trägt, hält den Kopf gesenkt und schweigt. Dafür verliest der Richter ein Schreiben, in dem der gelernte Verkäufer, der zuletzt in einem Autohaus jobbte, seine Version der Ereignisse schildert.
Erwino-Claudio Y. kannte Saskia S. nur vier Monate, dann kam es zu der Bluttat. Er schreibt: "Wir stritten am Telefon, Saskia drückte mich immer wieder weg. Ich sagte ihr, wenn sie nicht mit mir zusammenleben will, sollte sie das Baby abtreiben. Das Kind verdient es nicht, keinen Vater zu haben."
Nach dem Streit besuchte der Angeklagte die Seiten von "knuddels.de", das ist eine Internet-Plattform zum Chatten und Flirten. "Da konnte ich sehen, dass Saskia ihr Herz an Basti G. vergeben hatte. Für mich brach eine Welt zusammen, sie war doch meine Zukunft und ich dachte, wir würden nur eine Beziehungspause machen." Der Angeklagte will dann die Sachen seiner Ex-Freundin zusammengepackt, dabei auch ein Messer eingesteckt haben, "um sich Basti G. vorzuknöpfen". Am Ende, so seine Schilderung, fuhr er aber doch zu Saskia S. und stellte sie zur Rede. "Sie sagte mir, Basti sei nur ein guter Kumpel, aber das war gelogen. Ich fragte nach meinem Hartz-IV-Geld, das auf ihr Konto überwiesen wurde. Doch sie wollte nicht mit mir zur Bank fahren, weil sie müde war. Deshalb steckte ich ihr Netbook und ihr Handy ein."
Sie starb in seinen Armen - sagt er
Dabei sei es zu einer Rangelei gekommen. Erwino-Claudio Y.: "Ich spürte das Messer im Hosenbund, dann hatte ich einen Blackout, weiß nicht mehr, was passiert ist." Um die verletzte Saskia will sich Erwino-Claudio Y. gekümmert haben, den Notarzt rief er jedoch nicht. "Sie sagte, ihr sei heiß, sie hätte Durst und Bauchschmerzen. Ich tupfte ihr die Stirn ab. Sie starb in meinen Armen, holte noch dreimal Luft, dann war es still. Ihre letzten Worte waren: Ich liebe dich."
Das Gericht muss nun klären, ob es sich wirklich so zugetragen hat. Erwino-Claudio Y. soll kurz nach der Tat seinen Chef angerufen und erklärt haben: "Ich habe Scheiße gebaut, die hat keinen Puls mehr." Und für die Fahrt zu Saskias Wohnung hatte er sich extra einen VW-Polo gemietet, obwohl ihm der Führerschein auf Probe wegen Raserei bereits zwei Jahre zuvor entzogen worden war.
Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt.