Kein Marsch durch Neumünster Neonazis komplett in Gewahrsam genommen

Von Peter Wüst und Hauke Mormann | 03.05.2012, 12:47 Uhr

Der geplante Neonazi-Marsch durch Neumünster ist ausgefallen. Die meisten Rechten stiegen am falschen Bahnhof aus und wollten dort demonstrieren. Sie wurden vorläufig festgenommen.

Nur etwa 30 Rechtsextreme haben ihren Zug wie geplant am Hauptbahnhof verlassen. Doch 105 von ihnen sind weiter gefahren - zum Neumünsteraner Südbahnhof. Als sie dort ausstiegen und über den Holsatenring zum Hauptbahnhof marschierten, wurden sie von der Polizei gestoppt. Die Beamten sprachen einen Massenplatzverweis aus. Begründung: Ein Demonstrationszug über den Holsatenring wurde nicht angemeldet. Polizisten kesselten den Tross ein, um ihn zurück zum Südbahnhof zu führen.
Doch die NPD-Anhänger wollten ihre Pläne kurzfristig ändern und eine Demo am Südbahnhof genehmigen lassen. Das verweigerte die Polizei um 12.45 Uhr. Unter hämischen Rufen von Gegendemonstranten ("Ihr habt den Krieg verloren") sollten die Neonazis nun zurück zum Südbahnhof, um die Stadt zu verlassen. Doch die Rechtsextremisten bewegten sich nicht. Schließlich teilte ihnen die Polizei um 13.20 Uhr über Lautsprecher mit, dass alle in Gewahrsam genommen würden.1615891274001
Versammlungsleiter fehlt - keine Demo am
Hauptbahnhof
Unter dem Jubel von Gegendemonstranten wurde jeder Teilnehmer einzeln aus dem Kessel von je zwei Polizisten zu Gefangenen-Bussen geführt, die sie zur Wache in der Alemannenstraße fuhren. Dort wurden ihre Personalien aufgenommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers wird jeder von ihnen mindestens 150 Euro für den Einsatz zahlen müssen.
Die rund 30 Neonazis, die sich wie angemeldet am Hauptbahnhof versammelt hatten, durften ebenfalls nicht demonstrieren. Weil auch der Versammlungsleiter im Zug weitergefahren war, musste die Schar am Hauptbahnhof auf Anordnung der Polizei in den nächsten Zug nach Bad Bramstedt steigen und nach Hause fahren. "Damit hat eine Demonstration für uns gar nicht stattgefunden", sagte Polizeisprecher Rainer Wetzel.1615751822001
Kleinere Aus
einandersetzungen am Rande
Außer kleineren Rangeleien zwischen Angehörigen der linken und rechten Szene meldete die Polizei bis in den Nachmittag hinein keine größeren Auseinandersetzungen. "Wir hatten keine ernsthaften Zwischenfälle und keine Verletzten", sagte Wetzel. Mehrere Demonstranten der linken Szene wurden in Gewahrsam genommen. In die Stadt waren laut Polizei 350 bis 500 überwiegend junge Menschen aus dem "Schwarzen Block" des linken Spektrums gekommen, die gegen den NPD-Aufmarsch protestierten. Zwei Streifenwagen der Polizei wurden beschädigt.
Um zu verhindern, dass Linksextreme auf die Rechten treffen, hatten die Beamten erfolgreich Sperren auf dem Holsatenring errichtet. Eine Gruppe schwarz gekleideter, vermummter Menschen stand etwa 300 Meter von den NPD-Anhängern entfernt auf der Kreuzung Hansaring/Wasbeker Straße.
Polizeisprecher Michael Heinrich sprach am Ende von einem erfolgreichen Tag: "Das Einsatzkonzept der Polizei mit etwa 1000 Einsatzkräften der Landespolizei und 200 Einsatzkräften der Bundespolizei ging voll auf."