Hilfsorganisation Exit Mit List und T-Shirts gegen Neonazis

Von dpa/sh:z | 12.08.2011, 08:44 Uhr

Ein Trojaner in Form eines Hemdes: Die Aussteigerinitiative Exit hat 250 Neonazis überrascht. Nach dem Waschen wechselte der Aufdruck.

Mit Totenkopf und der Aufschrift "Hardcore Rebellen" muten die T-Shirts martialisch an. Doch mancher Neonazi, der es am Wochenende auf dem "Rock für Deutschland" in Gera geschenkt bekam, dürfte sich nach dem Waschen ziemlich gewundert haben. Denn der Aufdruck veränderte sich: "Was Dein T-Shirt kann, kannst Du auch - Wir helfen Dir, Dich vom Rechtsextremismus zu lösen", war nach dem Waschgang auf den T-Shirts zu lesen, darunter die Kontaktdaten der Organisation Exit in Berlin. Exit-Deutschland unterstützt Menschen, die der rechtsextremen Szene den Rücken kehren wollen und hilft ihnen beim Ausstieg.
Auf dem Konzert der NPD in Gera, zu dem rund 600 Neonazis kamen, trickste sich das Exit-Team mit seiner "Operation Trojaner-T-Hemd" ganz nah an die Zielgruppe. Eingeschleust wurden die 250 Trojaner-T-Shirts über einen Strohmann: Die Organisation erschuf eine fiktive Person und nahm in deren Namen Kontakt mit der NPD Thüringen auf, Veranstalterin des Konzerts. Unter dem Vorwand, das Rechtsrock-Konzert anonym unterstützen zu wollen, wurden die T-Shirts als Spende angeboten.
Eine Aktion ohne Wiederholung
Dass die T-Shirts, oder "T-Hemden", wie manche Neonazis sagen, dann tatsächlich auf dem Konzert verschenkt wurden, macht Bernd Wagner, Gründer von Exit-Deutschland zufrieden. Damit sei es gelungen, die Zielgruppe der Initiative direkt zu erreichen. "Wir bilden uns aber nicht ein, dass sie uns jetzt in Scharen anklingeln." Wiederholen lasse sich die Aktion wohl nicht. "Die werden jetzt besser aufpassen", sagte Wagner.
Bei der "Operation Trojaner T-Hemd" hatte Wagner professionelle Hilfe von außen. Ein Marketing-Experte aus Hamburg, der seinen Namen und den seiner Firma nicht in der Zeitung lesen möchte, hatte mit ein paar Kollegen die Idee mit dem abwaschbaren Schriftzug. Die Firma zahlte auch für den Druck.
Ihr Ziel sei es gewesen, junge Rechtsextremisten direkt auf das Angebot von Exit aufmerksam zu machen, sagte der anonyme Helfer der "Süddeutschen Zeitung", "möglichst in einer Situation, in der sie allein zu Hause sind". Die Kosten der ganzen Aktion lägen im "niedrigen vierstelligen Bereich - eine Spende, die das Marketing-Unternehmen gerne leiste, um Exit bekannter zu machen.
(dpa, shz)